Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

11.8.2014 | Von:
Frank Oschmiansky
Kathrin Schultheis
Stefan Sell

Ausbildungsvermittlung

In Deutschland werden die Berufsberatung und die Ausbildungsvermittlung nahezu vollständig durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter erbracht. Private Agenturen bieten ihre Leistungen gegen Bezahlung an, sie sind jedoch von eher geringer Bedeutung. Berufsberatung, Ausbildungsvermittlung und Arbeitsvermittlung werden im Sozialgesetzbuch III unter dem gemeinsamen Oberbegriff der Beratung und Vermittlung zusammengefasst. Dennoch trennt der Gesetzestext die Ausbildungsvermittlung von der Arbeitsvermittlung und sieht sie als eigene Aufgabe an. Die Ausbildungsvermittlung wird daher vorrangig von den Berufsberatern der Arbeitsagenturen übernommen.

"Azubi-Speed-Dating" der IHK Frankfurt/Main. Schülerinnen und Schüler, die noch keinen Ausbildungsplatzhaben haben, haben die Möglichkeit, sich innerhalb von 10 Minuten bei Unternehmen ihrer Wahl vorzustellen."Azubi-Speed-Dating" der IHK Frankfurt/Main. Schülerinnen und Schüler, die noch keinen Ausbildungsplatzhaben haben, haben die Möglichkeit, sich innerhalb von 10 Minuten bei Unternehmen ihrer Wahl vorzustellen. (© picture-alliance/dpa)
Vor der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe waren die Arbeitsagenturen alleine für die Ausbildungsvermittlung verantwortlich. Seit 2005 sind sie jedoch nicht mehr die Ansprechpartner für die Ausbildungsstellenvermittlung aller Jugendlichen. Im Folgenden wird erläutert, wer für wen zuständig ist. Anschließend wird die Funktion der Berufsinformationszentren der Arbeitsagenturen erläutert.

Wer ist wofür zuständig?

Mit der sozialen und beruflichen Integration junger Menschen beschäftigen sich seit Anfang 2005 drei Sozialgesetzbücher (SGB) mit unterschiedlichen Handlungslogiken: SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende), SGB III (Arbeitsförderung) und SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe).

Im Regelfall ist die Arbeitsagentur für die Arbeits- und Ausbildungsstellenvermittlung von Jugendlichen zuständig. Allerdings liegt die Zuständigkeit bei Beziehern der Grundsicherung ("Hartz IV") teilweise bei den Grundsicherungseinrichtungen (Jobcentern) und ist kompliziert geregelt. Die Berufsorientierung und die Berufsberatung sind Aufgabe der Arbeitsagentur. Sie wird von den dortigen Berufsberatern durchgeführt und koordiniert.

Die Arbeitsagenturen sind auch für die Durchführung von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) und für sonstige Leistungen der Förderung der Berufsausbildung sowie für die berufliche Ersteingliederung von jugendlichen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden zuständig. Alle anderen integrationsfördernden Leistungen des SGB III, z.B. ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) oder Aktivierungshilfen, erbringen die Jobcenter.

Die Jobcenter können die Arbeitsagentur gegen Kostenerstattung mit der Ausbildungsvermittlung beauftragen, wenn sie diese Aufgabe nicht selbst übernehmen wollen. Übernimmt die Arbeitsagentur die Ausbildungsvermittlung für ein Jobcenter, so erfordert dies eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen. Dies gilt insbesondere, da die Arbeitsagentur die Jobcenter über den Verlauf der Ausbildungsvermittlung und die Mitwirkung der Ausbildungsstellensuchenden unterrichtet.

Innerhalb der Arbeitsagenturen war lange die Abteilung Berufsberatung für die Ausbildungsvermittlung und die Abteilung Arbeitsvermittlung für die Arbeitsvermittlung zuständig. Seit dem Jahr 2008 ist diese Trennung gelockert. Der für die stellenorientierte Vermittlung zuständige Arbeitgeberservice ist seither auch für die Ausbildungsstellenvermittlung zuständig.

Neu ist die verstärkte Fokussierung auf die Einrichtung sogenannter Jugendberufsagenturen. In Jugendberufsagenturen sollen für Jugendliche und jungen Erwachsene, die eine Ausbildungsstelle suchen, alle Informationen und Hilfestellungen "unter einem Dach" angeboten werden. Vereinzelt werden Jugendberufsagenturen bereits seit einigen Jahren betrieben. Das erst Ende 2012 errichtete Hamburger Modell der Jugendberufsagentur gilt als Vorzeigemodell. Dort sollen Mitarbeiter/-innen der Arbeitsagenturen, der Jobcenter und der Jugendämter (insbesondere Jugendberufshilfe) die Jugendlichen umfassend beraten und durch Informationsbündelung zur Transparenz des Ausbildungsmarktes beitragen. Die Gestaltung der Jugendberufsagenturen ist nicht verbindlich vorgeschrieben. Auch die Zielgruppe, also welche Personen genau die Jugendberufsagenturen in Anspruch nehmen können, soll vor Ort nach den lokalen Gegebenheiten entschieden werden.

Das Berufsinformationszentrum (BiZ)

In jeder Agentur für Arbeit ist ein Berufsinformationszentrum (BiZ) eingerichtet. Das BiZ wendet sich mit seinen Angeboten nicht nur an Jugendliche vor der Berufswahl, sondern zunehmend auch an erwachsene Rat- und Arbeitsuchende. Im BiZ kann man sich über alles, was mit Ausbildung und Studium, beruflichen Tätigkeiten und Anforderungen, mit Weiterbildung, Umschulung und Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu tun hat, selbst informieren. Zu diesem Zweck wird dort eine Vielzahl berufskundlicher Informationsmittel vorgehalten, u.a. rund 450 Info-Mappen. In den Mappen werden Antworten auf eine Vielzahl von berufskundlichen, studienkundlichen und berufswahlbezogenen Fragestellungen zu Ausbildungsberufen, Berufsfachschulberufen, Fachschulberufen und Hochschulberufen gegeben. Ergänzend werden zunehmend Informationsmaterialien auf der Webseite des BiZ zur Verfügung gestellt.

Daneben bietet die Bundesagentur für Arbeit noch weitere Internetportale an, auf denen sich Interessierte über Berufswahl und verschiedene Berufe informieren können.

BERUFENET informiert mit Texten, Filmen und Bildern über die Vielfalt der Ausbildungsberufe in Deutschland. Das Portal www.planet-beruf.de ist eine Internetseite der Bundesagentur für Arbeit mit Informationen rund um das Thema Ausbildung, Berufswahl und Bewerbung.

Aktuelle Förderprogramme

Eine Übersicht über die Programmvielfalt zur Förderung der beruflichen Erstausbildung, die über die folgenden auszugsweise dargestellten Programme weit hinausgeht, enthält z.B. der Berufsbildungsbericht 2014. Weitere Programme können z.B. der Webseite des Europäischen Sozialfonds entnommen werden. Einzelne Maßnahmen und Programme (z.B. Landesprogramme) werden auch von weiteren Anbietern durchgeführt.

Nationaler Pakt für Ausbildung Fachkräftenachwuchs (Laufzeit: 2010-2014)

Der nationale Pakt für Ausbildung wurde 2004 zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft geschlossen und seither bereits zweimal verlängert. Seit 2010 ist er zum nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs erweitert worden. Ursprünglich zielte der Ausbildungspakt aufgrund eines Lehrstellenmangels auf die Schaffung von neuen Ausbildungsstellen ab. Eine Ausbildungsabgabe sollte nur dann erhoben werden, wenn die Wirtschaft ihrer (selbst auferlegten) Verpflichtung zur Ausbildung von Fachkräften nicht in ausreichendem Umfang nachkommt.

Seit 2004 hat sich das Angebot der Ausbildungsstellen in Deutschland jedoch stark verändert und Ziel des neuen Ausbildungspaktes ist es, auch denjenigen Jugendlichen eine Chance zur Berufsausbildung anzubieten, die in den vergangenen Jahren wegen eines fehlenden oder niedrigen Berufsabschlusses oder anderen Schwierigkeiten keine Ausbildungsstelle finden konnten bzw. diese nicht in unmittelbarem Anschluss an das Verlassen der allgemeinbildenden Schule finden können. Zentrale Elemente des neuen Ausbildungspakts sind die Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf. Jährlich sollen 60.000 neue Ausbildungsstellen eingeworben und 30.000 Einstiegsqualifizierungsplätze zur Verfügung gestellt werden, sodass auch Jugendliche, die zunächst in Maßnahmen des Übergangssystems eine Ausbildung absolvieren, im Anschluss daran in eine Berufsausbildung übergehen können. Jährlich sollen darüber hinaus 10.000 Einstiegsqualifizierungen für besonders förderungsbedürftige Jugendliche angeboten werden. 2013 wurden die Ziele sogar übertroffen: Deutlich mehr Ausbildungsplätze (66.600) und Ausbildungsbetriebe (39.100) wurden eingeworben.

Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss (Laufzeit: 2010-2014)

Im Rahmen der Initiative "Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" werden Berufseinstiegsbegleitungen, Potenzialanalyse, Berufsorientierungsprogramme und ein Programm zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen (VerA) umgesetzt, um möglichst viele junge Erwachsene zu einem ersten qualifizierten Berufsabschluss zu begleiten. Hierfür werden Fördermittel in Höhe von 460 Millionen Euro für die Projektlaufzeit von 2010-2014 bereitgestellt. Das Berufsorientierungsangebot soll insbesondere in überbetrieblichen Bildungseinrichtungen, außerschulischen Lernorten und für Menschen mit Behinderung intensiviert werden. So sollen auch junge Menschen bei ihrer Berufswahl unterstützt werden, die im schulischen Kontext nur wenig Berufsorientierung erfahren haben oder eine vertiefte Berufsberatung benötigen, um ihre Berufswahl treffen zu können.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung begleitet das Programm wissenschaftlich und ist zudem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

JOBSTARTER CONNECT (Laufzeit 2009-2015)

22,1 Millionen Euro wurden seit 2009 zur Erprobung von bundeseinheitlichen und kompetenzorientierten Ausbildungs- und Qualifizierungsbausteinen eingesetzt. Es handelt sich um kurze und in sich abgeschlossene Ausbildungsmodule, die nach der erfolgreichen Teilnahme aller für einen Beruf vorgesehenen Bausteine zu einem anerkannten Berufsabschluss führen. Derzeit können vierzehn Berufe mittels Ausbildungsbausteinen erlernt werden. Bis Januar 2013 nahmen bereits 4.000 Personen das Angebot wahr. Ziel der Maßnahme ist es, die betriebliche Verwertbarkeit der in den Ausbildungsbausteinen neu hinzugewonnenen Kenntnisse zu erhöhen und die Lerninhalte transparent zu gestalten.

Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (Laufzeit: 2008-2015)

Mit dem ESF-geförderten Projekt BIWAQ (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier), das vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung initiiert wurde, werden benachteiligte Stadtteile ganzheitlich gefördert. Mit diesem Programm soll nicht nur für Jugendliche eine Berufsperspektive eröffnet werden, sondern auch Programme für Langzeitarbeitslose durchgeführt und Unternehmensgründungen gefördert werden, um das jeweilige Quartier insgesamt aufzuwerten. Insgesamt wurden seit Programmstart 2008 184 Millionen Euro Fördermittel für eine große Anzahl innovativer Projekte verschiedenster Art bereitgestellt.

Passgenaue Vermittlung Auszubildender an ausbildungswillige Unternehmen (Laufzeit: 01.01.2007 2014)

Um Auszubildende für kleine und mittlere Unternehmen passgenau rekrutieren zu können, können Handwerks-, Industrie- und Handelskammer sowie die Kammern freier Berufe seit dem 01. Januar 2014 finanzielle Unterstützung durch den Europäischen Sozialfond (ESF) beantragen, wenn sie Projekte durchführen, die die Beratung und Vorauswahl von geeigneten Auszubildenden für kleine und mittelständische Unternehmen durchführen. Sie können bis zu 80 % der zuwendungsfähigen Projektausgaben erhalten.

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Autoren: Frank Oschmiansky, Kathrin Schultheis, Stefan Sell für bpb.de
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