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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Zahlen, Daten, Fakten


11.8.2014
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren scheinbar deutlich gewandelt. Statt eines Lehrstellenmangels wurde zuletzt vielmehr ein Mangel an geeigneten Bewerbern thematisiert. In manchen Regionen würden Azubis zum knappen Gut, urteilte die Bundesagentur für Arbeit noch 2012. Doch zunehmend wird ein Mismatch zwischen Bewerbern und Lehrstellen zum Problem: Es bleiben immer mehr Stellen unbesetzt und die Zahl der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz findet, steigt. Zudem wurden 2013 so wenige Ausbildungsverträge abgeschlossen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Noch stärker als im vorausgegangenen Jahr 2012 lag 2013 die Anzahl der Ausbildungsangebote in den Berufen Restaurantfachmann, Klempner, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Fleischerin deutlich über der Anzahl der Nachfrager, die sich auf diese Berufe bewerben.Noch stärker als im vorausgegangenen Jahr 2012 lag 2013 die Anzahl der Ausbildungsangebote in den Berufen Restaurantfachmann, Klempner, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Fleischerin deutlich über der Anzahl der Nachfrager, die sich auf diese Berufe bewerben.


"Der Ausbildungsmarkt verändert sich: Es wurden weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Zugleich stieg die Zahl unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplätze auf einen Höchststand. Eine zentrale Herausforderung stellen die zunehmenden Matchingprobleme am Ausbildungsmarkt dar. Betriebe klagen über Schwierigkeiten, geeignete Jugendliche für ihre Ausbildungsstellen zu finden. Auf der anderen Seite gibt es noch zu viele Jugendliche, denen der Einstieg in Ausbildung nicht unmittelbar gelingt." So urteilt das Bundesministerium für Bildung und Forschung im aktuellen Berufsbildungsbericht 2014 über die Problemlage am Ausbildungsmarkt.

Ausbildungsmarkt: Stellen, Bewerber und unbesetzte Ausbildungsplätze 2008 bis 2013Ausbildungsmarkt: Stellen, Bewerber und unbesetzte Ausbildungsplätze 2008 bis 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)

Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt



Im Berichtsjahr 2012/13 suchten gemäß Ausbildungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) etwa 561.000 Personen eine Ausbildungsstelle. Ihnen standen rund 505.000 Ausbildungsplätze gegenüber, mehr als 56.000 weniger als benötigt. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt ist somit nach einer zwischenzeitlichen Entspannung im Jahr 2010/11, als sie auf 26.000 Stellen gesunken war, zuletzt wieder deutlich gewachsen.

Ebenfalls zugenommen hat sowohl die Zahl der unversorgten Bewerber als auch der unbesetzten Stellen. Im Berichtsjahr 2012/13 fanden etwa 21.000 der gemeldeten Bewerber keinen Ausbildungsplatz, über 5.000 Personen mehr als noch im Vorjahr. Gleichzeitig konnten über 33.500 der gemeldeten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, 260 mehr als noch 2011/12. Die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen lag damit deutlich über der der unversorgten Bewerber.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2008 bis 2013

2008/092009/102010/112011/122012/13
gemeldete Bewerber561.673588.486545.908561.783561.168
gemeldete Ausbildungsstellen475.392483.540519.554517.102504.542
unbesetzte Stellen (September 2013)17.25519.60529.68933.27433.534
unversorgte Stellen (September 2013)15.48612.01611.34415.63721.034

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen. Ausbildungsstellenmarkt, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, Deutschland, September 2013, 2012 und 2010.

Aussagekraft der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit

In die Ausbildungsstellenmarktstatistik der BA gehen nur die Personen ein, die im Laufe des Beratungsjahres mindestens einmal die Vermittlungsdienste einer Agentur für Arbeit oder eines Trägers der Grundsicherung in Anspruch genommen haben. Die Statistik bildet daher nur einen Ausschnitt des Gesamtgeschehens am Ausbildungsmarkt ab. Jugendliche, die von der Berufsberatung als nicht ausbildungsgeeignet eingeschätzt werden, werden somit ebenso nicht erfasst wie jene, die sich nicht bei der freiwilligen Berufsberatung melden, beispielsweise weil sie ohne Unterstützung der BA eine Ausbildung suchen oder die aktive Suche nach einer Ausbildungsstelle aufgegeben haben. Gleiches gilt für die Ausbildungsstellen. Auch hier erfasst die Bundesagentur für Arbeit nur jene, die ihnen von den betreffenden Arbeitgebern gemeldet wurden. Die amtliche Statistik zum Ausbildungsmarkt der Bundesagentur für Arbeit wird daher seit vielen Jahren dafür stark kritisiert, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nur unzureichend widerzuspiegeln. Zweifellos ist die Ausbildungslücke in der Bundesrepublik deutlich größer als die Bundesagentur für Arbeit offiziell angibt.


Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge versus ausbildungsinteressierte Jugendliche



Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09. (PDF-Icon Grafik zum Download 47 KB) (© bpb)
Zudem ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2013 gesunken. Mit 530.700 Ausbildungsverträgen wurde ein historischer Tiefstand erreicht: Die Zahl fiel auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 20.500 Plätze beziehungsweise 3,7 Prozent. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge sank dabei um 16.300 (-3,1 Prozent) auf 509.000. Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge ging um 4.200 (-16,3 Prozent) auf 21.700 zurück.

Demgegenüber ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für 2013 816.541 junge Menschen, die ein ernsthaftes Interesse an einer Ausbildung hatten. Lediglich 65 Prozent von ihnen mündeten in eine duale Berufsausbildung ein. 2012 waren es noch 66,7 Prozent, 2011 noch 68,2 Prozent.

Ausbildungsinteressierte 2013

Junge Menschen mit Ausbildungsvertrag530.715
Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich mit Vermittlungsauftrag62.530
Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich ohne Vermittlungsauftrag106.640
Bewerber/innen, deren Verbleib nicht bekannt ist95.622
Offiziell unversorgte Bewerber/innen21.034
Insgesamt816.541

Quelle: Berufsbildungsbericht 2014, S.160.

Ausbildungsinteressierte: Anzahl

Die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert entsprechend der Definition des BIBB gezeigt haben, fällt deshalb höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage der Bundesagentur für Arbeit, weil nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als ausbildungsreif gelten, als Ausbildungsplatznachfrager erfasst werden. Dies ist beispielsweise bei Personen der Fall, die ihren Vermittlungswunsch vor dem Stichtag der Ausbildungsmarktbilanzierung aufgeben.


"Insgesamt verschlechterte sich die Marktlage zu Lasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den drei Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen", fasst das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die jüngste Entwicklung zusammen.

Hintergründe der Ausbildungsmarktsituation: Sinkende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe versus mangelnde Ausbildungsreife



Nicht einmal jeder vierte Betrieb bildet aus. 2011 lag der Anteil der ausbildenden an allen Betrieben bei lediglich 21,7 Prozent. Die so genannte Ausbildungsbetriebsquote ist zudem in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. 2008 betrug sie beispielsweise noch 24 Prozent. Unter den größeren Betrieben finden sich tendenziell mehr Ausbildungsbetriebe als unter den kleinen Betrieben.

Ausbildungsbetriebsquote nach Betriebsgrößenklassen (2011)

Betriebsgrößenklasse Betriebe insgesamt Ausbildungsbetriebe Ausbildungs-
betriebsquote
1-9 Beschäftigte 1.665.327 236.254 14,2%
10-49 Beschäftigte 334.601 152.924 45,7%
50-249 Beschäftigte 80.033 54.075 67,6%
250 und mehr Beschäftigte 13.953 11.827 84,8%
Insgesamt 2.093.914 455.080 21,7%

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Betriebe und Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen

Insgesamt ist aber die Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten im Betrieb) umso niedriger, je größer der Betrieb ist. Gerade große und sehr große Betriebe leisten im Bereich der Ausbildung nur einen unterdurchschnittlichen Beitrag. Selbst unter den Großbetrieben mit 250 und mehr Beschäftigten finden sich über 15 Prozent, die nicht ausbilden.

Ausbildungsquote nach Betriebsgrößenklassen (2011)

Betriebsgrößenklasse Beschäftigte insgesamt Auszubildende Ausbildungsquote
1-9 Beschäftigte 4.831.495 320.838 6,6%
10-49 Beschäftigte 6.734.942 429.327 6,4%
50-249 Beschäftigte 7.998.925 446.194 5,6%
250 und mehr Beschäftigte 9.222.128 445.683 4,8%
Insgesamt 28.787.490 1.642.042 5,7%

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Beschäftigte und Auszubildende nach Betriebsgrößenklassen

Zwar ist nicht jeder Betrieb auch tatsächlich ausbildungsberechtigt. Nach Daten des IAB-Betriebspanels verfügt aber etwa die Hälfte der Kleinstbetriebe (weniger als 10 Beschäftigte) über eine Ausbildungsberechtigung, während es bei den Großbetrieben über 90 Prozent sind. Sie sind als Ausbildungsstätte geeignet und verfügen über fachlich und persönlich befähigte Ausbilder.

Arbeitgeber begründen ihre sinkende Ausbildungsbereitschaft häufig mit einer mangelnden Ausbildungsreife der Bewerber. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) aus dem Jahr 2012 kam zu dem Ergebnis, dass 44 Prozent der Unternehmen mit "Ausbildungshemmnissen" zu kämpfen hätten, zu denen hauptsächlich ein Mangel an geeigneten Bewerbern zähle. Die Arbeitnehmerseite wirft den potentiellen Ausbildungsbetrieben hingegen vor, dass sie Ausbildungsplätze mit unattraktiven Bedingungen anböten und aufgrund dessen Probleme hätten, die passenden Bewerber zu finden. Eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kam beispielsweise 2012 zu dem Ergebnis, dass die Branchen mit den größten Besetzungsproblemen, wie die Hotel- und Gaststättenbranche, besonders unattraktive Arbeitsbedingungen und nur geringe Bezahlung anbieten.


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Autoren: Sabrina Bersheim, Frank Oschmiansky, Jürgen Kühl, Stefan Sell für bpb.de
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