Arbeitsmarktpolitik Dossierbild
1|2|3 Auf einer Seite lesen

11.8.2014 | Von:
Sabrina Bersheim
Frank Oschmiansky
Jürgen Kühl
Stefan Sell

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Zahlen, Daten, Fakten

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren scheinbar deutlich gewandelt. Statt eines Lehrstellenmangels wurde zuletzt vielmehr ein Mangel an geeigneten Bewerbern thematisiert. In manchen Regionen würden Azubis zum knappen Gut, urteilte die Bundesagentur für Arbeit noch 2012. Doch zunehmend wird ein Mismatch zwischen Bewerbern und Lehrstellen zum Problem: Es bleiben immer mehr Stellen unbesetzt und die Zahl der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz findet, steigt. Zudem wurden 2013 so wenige Ausbildungsverträge abgeschlossen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Noch stärker als im vorausgegangenen Jahr 2012 lag 2013 die Anzahl der Ausbildungsangebote in den Berufen Restaurantfachmann, Klempner, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Fleischerin deutlich über der Anzahl der Nachfrager, die sich auf diese Berufe bewerben.Noch stärker als im vorausgegangenen Jahr 2012 lag 2013 die Anzahl der Ausbildungsangebote in den Berufen Restaurantfachmann, Klempner, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Fleischerin deutlich über der Anzahl der Nachfrager, die sich auf diese Berufe bewerben.


"Der Ausbildungsmarkt verändert sich: Es wurden weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Zugleich stieg die Zahl unbesetzter betrieblicher Ausbildungsplätze auf einen Höchststand. Eine zentrale Herausforderung stellen die zunehmenden Matchingprobleme am Ausbildungsmarkt dar. Betriebe klagen über Schwierigkeiten, geeignete Jugendliche für ihre Ausbildungsstellen zu finden. Auf der anderen Seite gibt es noch zu viele Jugendliche, denen der Einstieg in Ausbildung nicht unmittelbar gelingt." So urteilt das Bundesministerium für Bildung und Forschung im aktuellen Berufsbildungsbericht 2014 über die Problemlage am Ausbildungsmarkt.

Ausbildungsmarkt: Stellen, Bewerber und unbesetzte Ausbildungsplätze 2008 bis 2013Ausbildungsmarkt: Stellen, Bewerber und unbesetzte Ausbildungsplätze 2008 bis 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)

Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt

Im Berichtsjahr 2012/13 suchten gemäß Ausbildungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) etwa 561.000 Personen eine Ausbildungsstelle. Ihnen standen rund 505.000 Ausbildungsplätze gegenüber, mehr als 56.000 weniger als benötigt. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt ist somit nach einer zwischenzeitlichen Entspannung im Jahr 2010/11, als sie auf 26.000 Stellen gesunken war, zuletzt wieder deutlich gewachsen.

Ebenfalls zugenommen hat sowohl die Zahl der unversorgten Bewerber als auch der unbesetzten Stellen. Im Berichtsjahr 2012/13 fanden etwa 21.000 der gemeldeten Bewerber keinen Ausbildungsplatz, über 5.000 Personen mehr als noch im Vorjahr. Gleichzeitig konnten über 33.500 der gemeldeten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, 260 mehr als noch 2011/12. Die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen lag damit deutlich über der der unversorgten Bewerber.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2008 bis 2013

2008/092009/102010/112011/122012/13
gemeldete Bewerber561.673588.486545.908561.783561.168
gemeldete Ausbildungsstellen475.392483.540519.554517.102504.542
unbesetzte Stellen (September 2013)17.25519.60529.68933.27433.534
unversorgte Stellen (September 2013)15.48612.01611.34415.63721.034

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen. Ausbildungsstellenmarkt, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, Deutschland, September 2013, 2012 und 2010.

i

Aussagekraft der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit

In die Ausbildungsstellenmarktstatistik der BA gehen nur die Personen ein, die im Laufe des Beratungsjahres mindestens einmal die Vermittlungsdienste einer Agentur für Arbeit oder eines Trägers der Grundsicherung in Anspruch genommen haben. Die Statistik bildet daher nur einen Ausschnitt des Gesamtgeschehens am Ausbildungsmarkt ab. Jugendliche, die von der Berufsberatung als nicht ausbildungsgeeignet eingeschätzt werden, werden somit ebenso nicht erfasst wie jene, die sich nicht bei der freiwilligen Berufsberatung melden, beispielsweise weil sie ohne Unterstützung der BA eine Ausbildung suchen oder die aktive Suche nach einer Ausbildungsstelle aufgegeben haben. Gleiches gilt für die Ausbildungsstellen. Auch hier erfasst die Bundesagentur für Arbeit nur jene, die ihnen von den betreffenden Arbeitgebern gemeldet wurden. Die amtliche Statistik zum Ausbildungsmarkt der Bundesagentur für Arbeit wird daher seit vielen Jahren dafür stark kritisiert, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nur unzureichend widerzuspiegeln. Zweifellos ist die Ausbildungslücke in der Bundesrepublik deutlich größer als die Bundesagentur für Arbeit offiziell angibt.


Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge versus ausbildungsinteressierte Jugendliche

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09. (PDF-Icon Grafik zum Download 47 KB) (© bpb)
Zudem ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2013 gesunken. Mit 530.700 Ausbildungsverträgen wurde ein historischer Tiefstand erreicht: Die Zahl fiel auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um 20.500 Plätze beziehungsweise 3,7 Prozent. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge sank dabei um 16.300 (-3,1 Prozent) auf 509.000. Die Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge ging um 4.200 (-16,3 Prozent) auf 21.700 zurück.

Demgegenüber ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für 2013 816.541 junge Menschen, die ein ernsthaftes Interesse an einer Ausbildung hatten. Lediglich 65 Prozent von ihnen mündeten in eine duale Berufsausbildung ein. 2012 waren es noch 66,7 Prozent, 2011 noch 68,2 Prozent.

Ausbildungsinteressierte 2013

Junge Menschen mit Ausbildungsvertrag530.715
Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich mit Vermittlungsauftrag62.530
Bewerber/innen in Maßnahmen/Übergangsbereich ohne Vermittlungsauftrag106.640
Bewerber/innen, deren Verbleib nicht bekannt ist95.622
Offiziell unversorgte Bewerber/innen21.034
Insgesamt816.541

Quelle: Berufsbildungsbericht 2014, S.160.

i

Ausbildungsinteressierte: Anzahl

Die Zahl aller Personen, die sich im Laufe des Berichtsjahres als ausbildungsinteressiert entsprechend der Definition des BIBB gezeigt haben, fällt deshalb höher aus als die offiziell registrierte Ausbildungsplatznachfrage der Bundesagentur für Arbeit, weil nicht alle Jugendlichen, die sich für einen Ausbildungsplatz interessieren und auch als ausbildungsreif gelten, als Ausbildungsplatznachfrager erfasst werden. Dies ist beispielsweise bei Personen der Fall, die ihren Vermittlungswunsch vor dem Stichtag der Ausbildungsmarktbilanzierung aufgeben.


"Insgesamt verschlechterte sich die Marktlage zu Lasten der Jugendlichen, und es gelang nicht mehr im selben Ausmaß wie in den drei Jahren zuvor, ausbildungsinteressierte Jugendliche an dualer Berufsausbildung zu beteiligen", fasst das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die jüngste Entwicklung zusammen.

Hintergründe der Ausbildungsmarktsituation: Sinkende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe versus mangelnde Ausbildungsreife

Nicht einmal jeder vierte Betrieb bildet aus. 2011 lag der Anteil der ausbildenden an allen Betrieben bei lediglich 21,7 Prozent. Die so genannte Ausbildungsbetriebsquote ist zudem in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. 2008 betrug sie beispielsweise noch 24 Prozent. Unter den größeren Betrieben finden sich tendenziell mehr Ausbildungsbetriebe als unter den kleinen Betrieben.

Ausbildungsbetriebsquote nach Betriebsgrößenklassen (2011)

Betriebsgrößenklasse Betriebe insgesamt Ausbildungsbetriebe Ausbildungs-
betriebsquote
1-9 Beschäftigte 1.665.327 236.254 14,2%
10-49 Beschäftigte 334.601 152.924 45,7%
50-249 Beschäftigte 80.033 54.075 67,6%
250 und mehr Beschäftigte 13.953 11.827 84,8%
Insgesamt 2.093.914 455.080 21,7%

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Betriebe und Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen

Insgesamt ist aber die Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten im Betrieb) umso niedriger, je größer der Betrieb ist. Gerade große und sehr große Betriebe leisten im Bereich der Ausbildung nur einen unterdurchschnittlichen Beitrag. Selbst unter den Großbetrieben mit 250 und mehr Beschäftigten finden sich über 15 Prozent, die nicht ausbilden.

Ausbildungsquote nach Betriebsgrößenklassen (2011)

Betriebsgrößenklasse Beschäftigte insgesamt Auszubildende Ausbildungsquote
1-9 Beschäftigte 4.831.495 320.838 6,6%
10-49 Beschäftigte 6.734.942 429.327 6,4%
50-249 Beschäftigte 7.998.925 446.194 5,6%
250 und mehr Beschäftigte 9.222.128 445.683 4,8%
Insgesamt 28.787.490 1.642.042 5,7%

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Beschäftigte und Auszubildende nach Betriebsgrößenklassen

Zwar ist nicht jeder Betrieb auch tatsächlich ausbildungsberechtigt. Nach Daten des IAB-Betriebspanels verfügt aber etwa die Hälfte der Kleinstbetriebe (weniger als 10 Beschäftigte) über eine Ausbildungsberechtigung, während es bei den Großbetrieben über 90 Prozent sind. Sie sind als Ausbildungsstätte geeignet und verfügen über fachlich und persönlich befähigte Ausbilder.

Arbeitgeber begründen ihre sinkende Ausbildungsbereitschaft häufig mit einer mangelnden Ausbildungsreife der Bewerber. Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) aus dem Jahr 2012 kam zu dem Ergebnis, dass 44 Prozent der Unternehmen mit "Ausbildungshemmnissen" zu kämpfen hätten, zu denen hauptsächlich ein Mangel an geeigneten Bewerbern zähle. Die Arbeitnehmerseite wirft den potentiellen Ausbildungsbetrieben hingegen vor, dass sie Ausbildungsplätze mit unattraktiven Bedingungen anböten und aufgrund dessen Probleme hätten, die passenden Bewerber zu finden. Eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kam beispielsweise 2012 zu dem Ergebnis, dass die Branchen mit den größten Besetzungsproblemen, wie die Hotel- und Gaststättenbranche, besonders unattraktive Arbeitsbedingungen und nur geringe Bezahlung anbieten.

Hintergründe der Ausbildungsmarktsituation: Regionale und berufsspezifische Besetzungs- und Versorgungsprobleme

In manchen Regionen bieten Arbeitgeber deutlich mehr Ausbildungsplätze an, als Bewerber vorhanden sind, in anderen Regionen treffen die Ausbildungsbewerber auf einen sehr angespannten Ausbildungsmarkt, der ihnen kaum Perspektiven bietet. Dieses Missverhältnis schlägt sich nieder in Besetzungsproblemen auf Seiten der Arbeitgeber oder Versorgungsproblemen auf Seiten der Bewerber. Das Bundesinstitut für Berufsbildung indiziert die Situation anhand der Angebots-Nachfrage-Relation. Die Angebots-Nachfrage-Relation am Ausbildungsmarkt unterliegt starken regionalen sowie berufsspezifischen Schwankungen.

Bundesweit lag der Wert der Angebots-Nachfrage-Relation 2013 bei 91,9. Das bedeutet, 91,9 Ausbildungsplatzangebote trafen auf 100 Nachfrager. "Die bundesweit höchsten Angebots-Nachfrage-Relationen wurden 2013 wie im Vorjahr in Mecklenburg-Vorpommern (104,7), in Thüringen (102,3) und in Bayern (101,5) gemessen. In allen drei Ländern wurden demnach mehr Ausbildungsplatzangebote als Ausbildungsplatznachfrager registriert. Relativ niedrige Werte wurden dagegen aus Niedersachsen (85,1), Nordrhein-Westfalen (86,8) und Schleswig-Holstein (88,1) vermeldet."

Eckwerte zur Ausbildungsmarktentwicklung nach Ländern

Ergebnisse für das Jahr 2013

BundeslandAngebote je 100 institutionell
erfasste Ausbildungsinteressierte (AQI)
Baden-Württemberg 95,2
Bayern 101,5
Berlin 91
Brandenburg 94,4
Bremen 90,9
Hamburg 89
Hessen 88,3
Mecklenburg-Vorpommern 104,7
Niedersachsen 85,1
Nordrhein-Westfalen 86,8
Rheinland-Pfalz 90
Saarland 92,5
Sachsen 95,1
Sachsen-Anhalt 94,2
Schleswig-Holstein 88,1
Thüringen 102,3
Alte Länder 91,3
Neue Länder + Berlin 95,9
Bundesgebiet* 91,9

*Abweichungen in den Summen von "Alte Länder" und "Neue Länder und Berlin" zum "Bundesgebiet" können sich durch regional nicht zuordenbare Daten ergeben.
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fällt auf historischen Tiefstand - Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2013

Auch bei bestimmten Berufen ist das Missverhältnis größer als bei anderen. Hier ergibt sich ein Mismatch aus den Präferenzen der potentiellen Auszubildenden, die sich häufig nicht mit der Angebotssituation decken. So liegt die Nachfrage in bestimmten Berufen regelmäßig über, in anderen regelmäßig deutlich unter dem Angebot. Besonders beliebt sind beispielsweise die Ausbildung zum/zur Tierpfleger/-in, Gestalter/-in für visuelles Marketing sowie Mediengestalter/-in Bild und Ton.

"Im Jahr 2013 blieben in solchen Berufen zwischen 42% und 48% der Nachfrager mit ihren Bewerbungen erfolglos, während umgekehrt nur ein bis zwei Prozent der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote unbesetzt waren", fasst das BIBB die betriebliche Angebots-Nachfrage-Relation zusammen. "Umgekehrt gilt: Noch stärker als im vorausgegangenen Jahr 2012 lag 2013 die Anzahl der Ausbildungsangebote in den Berufen Restaurantfachmann/-frau, Klempner/-in, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk und Fleischer/-in deutlich über der Anzahl der Nachfrager, die sich auf diese Berufe bewerben. In diesen Berufen waren die Erfolgsaussichten der Ausbildungsplatznachfrager sehr hoch; nur wenige blieben bei der Suche erfolglos. Der Anteil unbesetzter Lehrstellen lag dagegen bei bis zu 30%", heißt es weiter.

Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt

Wenn sowohl eine zunehmende Zahl an Ausbildungsstellen frei bleibt, während parallel immer mehr Ausbildungsplatznachfrager erfolglos suchen, ist das ein Indiz für so genannte Passungsprobleme. Das BIBB bildet diese Probleme anhand eines Indikators ab. Dieser errechnet sich aus dem Prozentanteil der unbesetzten an allen betrieblichen Stellen und dem Prozentanteil der noch Suchenden an den gemeldeten Bewerbern. Je höher der Wert, desto größer das Matchingproblem.

Entwicklung des Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage am AusbildungsmarktEntwicklung des Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt (PDF-Icon Grafik zum Download 58 KB) (© bpb)
Deutschlandweit zeigt der BIBB-Indikator, dass die Passungsprobleme aufgrund des steigenden Anteils sowohl an erfolglosen Bewerbern als auch an unbesetzten Stellen zugenommen haben. Im Westen Deutschlands ist der Mismatch allerdings stärker gewachsen als in den neuen Bundesländern. Dort haben sich die Passungsprobleme 2013 sogar leicht entspannt. Hintergrund ist hier allerdings lediglich ein Rückgang des Anteils der noch suchenden an allen Bewerbern.

Für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist die zunehmende Passungsproblematik eine der zentralen Herausforderungen. "Obwohl bereits verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung von Matchingproblemen realisiert wurden, bleibt diese Thematik eine der wesentlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Gemeinsam mit allen für die berufliche Bildung verantwortlichen Akteuren müssen hier wirksame Strategien entwickelt werden, um Angebot und Nachfrage künftig besser zusammenzubringen", verkündete das Ministerium anlässlich der Veröffentlichung des Berufsbildungsberichtes 2014.

Erfolgreiche und erfolglose Ausbildungsplatzsuche: Verbleib von Bewerbern für Berufsausbildungsstellen

Verbleib der Bewerber um eine AusbildungsstelleVerbleib der Bewerber um eine Ausbildungsstelle (PDF-Icon Grafik zum Download 54 KB) (© bpb)
2013 mündeten lediglich 45 Prozent der von der Bundesagentur für Arbeit registrierten Bewerber (im Unterschied zu den vom BIBB zugrunde gelegten ausbildungsinteressierten Jugendlichen) in eine ungeförderte duale Ausbildung ein, 7 Prozent fanden eine geförderte betriebliche Ausbildungsstelle. Damit wurde nur etwa jeder zweite von der Arbeitsagentur als ausbildungsfähig eingestufte Bewerber in eine Lehrstelle vermittelt. 23 Prozent der Bewerber besuchten in Ermangelung einer Lehrstelle eine weiterführende Schule, befanden sich in einer Fördermaßnahme oder leisteten gemeinnützigen oder sozialen Dienst. 5 Prozent nahmen eine (in der Regel ungelernte) Erwerbstätigkeit auf, 21 Prozent verblieben "anderweitig" (sog. Sonstige).

Das Übergangssystem

Zahlreiche nicht vermittelte Ausbildungsbewerber landen (gemeinsam mit den nicht ausbildungsreifen Jugendlichen) im so genannten Übergangssystem. Es umfasst (Berufs-)Bildungsmaßnahmen für die Personen, die die allgemeine Schulpflicht beendet haben, aber (noch) nicht in eine Berufsausbildung übergehen konnten. Der Erfolg der Maßnahmen des Übergangssystems ist höchst umstritten. Ihr Ziel ist es, die Chancen der Teilnehmer auf eine voll qualifizierende Berufsausbildung zu erhöhen. Die Betroffenen holen beispielsweise ihren Haupt- oder Realschulabschluss nach oder absolvieren Praktika in Betrieben. Ein Teil der Jugendlichen besucht eine Berufsfachschule, ohne einen Abschluss zu erhalten. Weitere, die auch nach einer berufsvorbereitenden Maßnahme keinen Ausbildungsplatz finden, können ohne Anbindung an einen Betrieb, in der Regel bei einem sozialen Träger, ausgebildet werden.

Weitere Informationen zum Übergangssystem finden Sie hier.

Laut einer Studie des BIBB führen die Übergangsmaßnahmen nur bei etwa jedem zehnten Teilnehmer zu einem vollwertigen Berufsabschluss. Vergleichsweise wenige Teilnehmer beginnen nach der Übergangsphase direkt eine voll qualifizierende Berufsausbildung. Nach einem Jahr hat etwa die Hälfte eine Berufsausbildung beginnen können. Durchschnittlich nehmen die Jugendlichen an 1,3 Programmen teil und verbringen insgesamt fast 17 Monate im Übergangssystem. Problematisch sind vor allem eine fehlende zentrale Strukturierung der Maßnahmeinhalte und das Fehlen von Abschlusszertifikaten. So nehmen die Jugendlichen häufig wiederholt an Programmen mit ähnlichen Inhalten und Bildungszielen teil, ohne dem Ziel des Berufsabschlusses näher zu kommen.

Entwicklung der Teilnehmer im ÜbergangssystemEntwicklung der Teilnehmer im Übergangssystem (PDF-Icon Grafik zum Download 43 KB) (© bpb)
2012 lag die Zahl der Jugendlichen, deren Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos blieb und die deshalb an einer Maßnahme des Übergangssystems teilnahmen, bei rund 260.000. Gegenüber 2011 entspricht das einem Rückgang um etwa 22.000 Teilnehmer. 2011 sank die Zahl der Anfänger und Anfängerinnen im Übergangsbereich erstmals unter 300.000 Personen. Seit 2005 hat sie sogar um rund 160.000 Teilnehmer abgenommen. Dennoch ist ihre Zahl weiterhin hoch.

Altbewerber

Ein Teil der unversorgten und ausbildungsreifen Bewerber bewirbt sich im Folgejahr oder späteren Ausbildungsjahren erneut um einen Ausbildungsplatz. Laut Berufsbildungsbericht 2014, der sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit bezieht, hat sich die Zahl der Altbewerber zwar in den letzten Jahren deutlich entspannt, ist 2013 aber wieder etwas gestiegen. "Die bis 2005 angespannte Ausbildungsmarktsituation vergangener Jahre (rückläufiges Ausbildungsangebot bei steigenden Schulabgängerzahlen) hatte zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der sogenannten Altbewerber und Altbewerberinnen geführt. […]

In den Folgejahren konnte die Zahl der Altbewerber und Altbewerberinnen als Folge der gemeinsamen Anstrengungen und der sich entspannenden Ausbildungsmarktsituation reduziert werden", heißt es dort. 2013 war bundesweit allerdings wieder ein leichter Anstieg der Zahl der Bewerber aus früheren Berichtsjahren zu verzeichnen. 2013 gab es etwa 2.000 Altbewerber mehr als im Vorjahr, ihre Zahl stieg auf insgesamt 165.779. Die BA sieht hier einen Zusammenhang mit den doppelten Abiturjahrgängen des Jahres 2012.

Bewerber und Bewerberinnen aus früheren Berichtsjahren stellen rund ein Drittel aller gemeldeten Bewerber. Ihr Anteil lag 2013 bundesweit bei rund 30 Prozent. 2012 waren es noch 29 Prozent, 2011 31 Prozent.

Wie aus der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2012 hervorgeht, ist die Gruppe der Altbewerber sehr heterogen mit zum Teil guten, zum Teil aber auch sehr schlechten Ausbildungschancen. Negative Auswirkungen auf die Chancen am Ausbildungsmarkt haben vor allem ein lange zurückliegender Schulentlasszeitpunkt, ein schlechterer Notendurchschnitt und ein höheres Alter des jeweiligen Bewerbers. Auch angesichts des Fachkräftemangels gilt es in den kommenden Jahren zum einen, Altbewerber nachzuqualifizieren und zum anderen, den Übergangsbereich effizienter zu gestalten, um seinen Teilnehmern tatsächlich den Weg in eine reguläre Ausbildung zu erleichtern.

Zum Weiterlesen

Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsstellenmarkt

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berufsbildungsbericht 2014 und weitere...

Statistisches Bundesamt, Berufliche Bildung

Quellen

Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen - Statistik zum Ausbildungsstellenmarkt

Bundesinstitut für Berufsbildung, Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30.09.

Bundesinstitut für Berufsbildung, Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fällt auf historischen Tiefstand - Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2013

Bundesinstitut für Berufsbildung, BIBB Report (11/2009), Verbesserung der Ausbildungschancen oder sinnlose Warteschleife?

BA/BIBB-Bewerberbefragung 2012, Zusammenfassung erster Ergebnisse im Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013

Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Ausbildung 2012, Ergebnisse einer DIHK-Online-Unternehmensbefragung

Hans Böckler Stiftung, Böckler Impuls (Ausgabe 09/2012), Klischee mangelnde Ausbildungsreife
1|2|3 Auf einer Seite lesen
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autoren: Sabrina Bersheim, Frank Oschmiansky, Jürgen Kühl, Stefan Sell für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Dossier

Rentenpolitik

Die Alterssicherung stellt, egal wie sie organisiert ist, in allen modernen Gesellschaften einen erheblichen Anteil an der Verwendung des Sozialprodukts dar. Sie ist quantitativ der Kernbereich des Sozialstaats.

Mehr lesen

Dossier

Gesundheitspolitik

Der Reformdruck im deutschen Gesundheitswesen hat deutlich zugenommen. Während noch vor wenigen Jahren nur Experten über die Finanzierbarkeit und Qualitätssicherung des Gesundheitssystems nachdachten, suchen heute viele Bürgerinnen und Bürger nach Antworten.

Mehr lesen

Publikationen zum Thema

Coverbild APuZ 26-2017 Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt-
politik

Arbeitsmarktpolitik versucht den Rahmen zu setzen, in dem wir arbeiten. Dass sie dabei nicht immer a...

APuZ_15/2011_80.jpg

Humanisierung der Arbeit

"Hauptsache Arbeit!" lautet oft der Ruf – die Qualität der Arbeitsplätze rückt dabei in den Hin...

Gewerkschaften

Gewerkschaften

Mit dem Übergang vom wohlfahrts-
staatlichen Kapitalismus zum Finanzmarkt-Kapitalismus setzte ei...

Migration und Arbeitsmarkt

Migration und Arbeitsmarkt

Durch den demografischen Wandel droht der deutschen Gesellschaft nicht nur die Überalterung, sonder...

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt-
politik

Die Instrumente der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungs-
politik haben sich im Laufe der Jahre stä...

APuZ48_2010.jpg

Arbeitslosigkeit

2003 verkündete Gerhard Schröder ein umfassendes Reformprogramm für Deutschland: die "Agenda 2010...

Arbeitslosigkeit: Psychosoziale Folgen

Arbeitslosigkeit: Psychosoziale Folgen

Der Verlust der eigenen Arbeit kann kann zu psychischen Beeinträchtigungen führen, die den Betroff...

Abstieg - Prekarität - Ausgrenzung

Abstieg - Prekarität - Ausgrenzung

Die Mittelschicht schrumpft. Immer mehr Menschen haben Angst vor dem sozialen Abstieg. Die aktuelle ...

Entgrenzung von Arbeit und Leben

Entgrenzung von Arbeit und Leben

Die Ansprüche der Arbeitswelt wachsen, dabei bleibt das Privatleben oft auf der Strecke. Aber wie l...

Grundeinkommen?

Grund-
einkommen?

Seit einiger Zeit diskutiert Deutschland über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ist e...

Zum Shop

Dossier

Demografischer Wandel

Zu- und Auswanderung, Geburtenrate, Sterblichkeit - die sind die drei zentralen Faktoren für die demografische Entwicklung. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft spürbar verändern - ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, im Bereich der Sozialversicherungen, der Arbeitswelt, der Infrastruktur oder der Familienpolitik. Das Dossier beleuchtet die wichtigsten Bereiche und skizziert den Stand der Debatte.

Mehr lesen