Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen?
Die Frage, wann eine Person als arbeitslos gilt, wird immer schon kontrovers diskutiert. Häufig wird unter Arbeitslosigkeit der Mangel an Erwerbsgelegenheiten für arbeitswillige und arbeitsfähige Personen verstanden. Eine eindeutige, allgemein verbindliche Definition und Messung von Arbeitslosigkeit gibt es im SGB III. Trotz der monatlichen Brisanz der verkündeten Arbeitslosendaten werden diese kaum hinterfragt. In unterschiedlichen Definitionen und Berechnungen spiegeln sich aber verschiedene Zwecke und auch Interessen. Definitionen haben daher ein hochgradig politisches Potenzial.Definitionen von Arbeitslosigkeit
Sowohl die statistischen Verfahren als auch die Frage, welche Personen als arbeitslos registriert werden, sind umstritten. Beispielhaft gegenübergestellt bietet die Tabelle die Definitionen von Arbeitslosigkeit der Bundesagentur für Arbeit nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) sowie von Eurostat nach dem Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Konzept).
| Definitionen von Arbeitslosigkeit | |
| Definition Deutschland (§§ 16 und 119 SGB III) | Definition Eurostat (ILO-Konzept) |
Arbeitslose sind Personen, die
|
Zu den Arbeitslosen zählen alle Personen von
15 bis 74 Jahren, die
|
| Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium der Justiz und eigene Darstellung | |
Die Tabelle zeigt, dass zwischen den Definitionen und damit auch zwischen der gemessenen Arbeitslosigkeit nach diesen beiden Konzepten sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede bestehen. Beide Definitionen haben eine ähnliche Beschreibung von Erwerbslosigkeit bzw. Arbeitslosigkeit. In beiden gelten jene Personen als arbeitslos oder erwerbslos, die ohne Arbeitsplatz sind, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und Arbeit suchen. Einer der wesentlichen Unterschiede besteht darin, dass nach der ILO-Definition arbeitslos nur ist, wer in der Berichtswoche gänzlich ohne Arbeit war. D.h. bereits eine einstündige Beschäftigung führt hier dazu, dass die Person nicht mehr zu den Arbeitslosen zählt.
Wie wird die ILO-Arbeitsmarktstatistik erhoben?
Die Zeitreihe der ILO-Arbeitsmarktstatistik über Erwerbslosigkeit wurde zum Berichtsmonat September 2007 auf die Arbeitskräfteerhebung umgestellt. Die Arbeitskräfteerhebung ist in Deutschland Teil des Mikrozensus, einer kontinuierlich durchgeführten computergestützten Haushaltsbefragung. Der Mikrozensus ist die größte Haushaltsbefragung in Europa und wird mit Auskunftspflicht durchgeführt. Er stellt eine Mehrzweckerhebung dar und wird neben der Bereitstellung von Strukturdaten im Rahmen der monatlichen ILO-Arbeitsmarktstatistik zusätzlich für die Ermittlung monatlicher Verlaufsdaten verwendet.
Kennzeichnend für die Methode der Arbeitskräfteerhebung ist, dass die Daten nicht wie bei den Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit aus einer Vollauszählung eines amtlichen Registers, das auf allen Arbeitslosmeldungen beruht, sondern aus einer zufällig gezogenen Haushaltsstichprobe stammen. Dabei wird ausgehend vom Stichprobenergebnis auf das Ergebnis in der Bevölkerung hochgerechnet.
Ziele des ILO-Konzeptes
Arbeitslosenquote in der EU, Mai 2010. Quelle: Eurostat, Statistisches Bundesamt. Lizenz: cc by-nc-sa/2.0/ (© bpb)
Arbeitslosenquoten im internationalen Vergleich Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Die Abbildung links zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquoten auf Basis des ILO-Konzeptes im internationalen Vergleich (Anteil der Arbeitslosen an der zivilen Erwerbsbevölkerung).
Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit
Saisonbereinigte Arbeitslosenquoten nach ILO-Definition Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Neben der absoluten Zahl von Arbeitslosen ist der Indikator mit der höchsten politischen und publizistischen Aufmerksamkeit die Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit bezieht monatlich den Bestand an Arbeitslosen auf alle zivilen oder nur die abhängigen Erwerbspersonen. Der Erhebungsstichtag lag bis zum Jahr 2004 am Monatsende, seitdem liegt er in der Monatsmitte. Zur Ermittlung der Arbeitslosenquote haben sich zwei Berechnungsverfahren etabliert:
- Arbeitslose in Prozent der abhängigen zivilen Erwerbspersonen (sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte, Beamte, Arbeitslose)
- Arbeitslose in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen (abhängige zivile Erwerbspersonen, Selbständige, mithelfende Familienangehörige)
Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Deutschland. Quelle: Bundesagentur für Arbeit; Statistisches Taschenbuch Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Bereits im Januar 2008 § wurde 53a SGB II eingeführt, wonach erwerbsfähige Hilfebedürftige, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist, nach Ablauf dieses Zeitraums nicht als arbeitslos gelten. Diese Regelung scheint einzig der Verschönerung der Statistik zu dienen.
Unterbeschäftigung und ihre Komponenten Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Die Abbildung links zeigt dies im Einzelnen auf, indem unterschiedliche Definitionen genutzt und die gesamte Unterbeschäftigung (allerdings ohne die so genannte Stille Reserve und ohne Teilzeitbeschäftigte Personen, die ihre Arbeitszeit ausdehnen möchten)in den Fokus genommen wird.
Eine Betrachtung der registrierten Arbeitslosen und der Bezieher von Arbeitslosengeld I und II ergibt folgendes Bild.
Arbeitslosigkeit und Lohnersatzleistungen. Quelle: Deutscher Bundestag. Lizenz: cc by/2.0/ (© bpb)Publikationen zum Thema

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