Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

11.8.2014 | Von:
Frank Oschmiansky
Jürgen Kühl
Tim Obermeier

Das Ende des Ernährermodells

Das männliche Ernährermodell ist ein sozialwissenschaftliches Modell. Es bezeichnet die Konstellation in einer Familie, in welcher der Mann einer bezahlten beruflichen, mit entsprechenden Sozialleistungen ausgestatteten Tätigkeit nachgeht und als Hauptverdiener die Familie ernährt. Die Frau leistet in erster Linie unbezahlte Arbeit (Versorgung der Familie und Hausarbeit) und erwirbt höchstens einen Zuverdienst. In den letzten Jahren haben sich jedoch vielfältige Arrangements der Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit gebildet.

Der Ausbau von Kindertagesstätten ermöglicht es mehr Frauen einen Beruf auszuüben.Der Ausbau von Kindertagesstätten ermöglicht es mehr Frauen einen Beruf auszuüben. (© AP)


Das deutsche Wohlfahrtssystem wird im internationalen Vergleich als "starkes Ernährermodell" charakterisiert. Indikatoren dafür sind die geringe kontinuierliche Müttererwerbstätigkeit, die abgeleitete soziale Sicherung der Mütter sowie die geringe öffentliche Betreuungsleistung für Kinder.

Das (männliche) Alleinernährermodell hat allerdings seinen Status als absolut dominantes Rollenmodell auch in der Bundesrepublik verloren. Diesem Modell steht unterdessen ein Modell zweier "erwerbstätiger Erwachsener" ("adult worker model") gegenüber. Im "adult worker model" werden erwachsene Bürger grundsätzlich als Erwerbstätige angesehen und ihre Ansprüche auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen weitgehend an diesen Status geknüpft. Ausschlaggebend für diesen normativen Wandel sind gesellschaftliche, rechtliche, ökonomische und wohlfahrtsstaatliche Wandlungsprozesse. Als ein so genanntes modifiziertes Ernährermodell oder Zuverdienermodell gilt ein Regime, in dem beide Partner einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Der eine Partner, häufig die Frau, geht neben der Haus- und Familienarbeit einer Teilzeittätigkeit oder einer geringfügigen Beschäftigung nach, während der andere Partner, häufig der Mann, weiterhin Vollzeit erwerbstätig bleibt.

Zunehmend finden sich Arrangements, bei denen nicht die Männer, sondern die Frauen den Großteil des Einkommens erwirtschaften. Man spricht dann von Familienernährerinnen. Endet die Ära des männlichen Ernährermodells?

Das Modell des männlichen Familienernährers bildete nach 1945 nicht nur in der Bundesrepublik die Grundlage des Sozialstaatskompromisses. Das traditionelle Familienmodell der Nachkriegszeit in Westdeutschland sah eine Differenzierung der Geschlechterrollen vor. Die Übernahme der finanziellen Versorgung der Familie durch den Mann und die Zuweisung der Haus- und Erziehungsarbeit an die Frau. Insbesondere eine berufstätige Mutter entsprach nicht dem Idealbild, war mangels Männern aber häufig unausweichlich. Sie stand unter dem Generalverdacht, dass ihr die Entwicklung ihrer Kinder nicht wichtig genug sei, um auf ihre "Selbstverwirklichung" im Erwerbsleben zu verzichten. Es entwickelte sich ein so genanntes "Drei-Phasen-Modell": Erwerbstätigkeit bzw. Ausbildung der Frau vor der Geburt des ersten Kindes als Phase 1; Mutter und Hausfrau als Phase 2 und erneute Erwerbstätigkeit nach der Zeit der Erziehung als Phase 3. Seit den siebziger Jahren wurde dieses Geschlechterarrangement nicht nur aufgrund der ökonomischen Krisen, sondern auch von Seiten der neuen sozialen Bewegungen, insbesondere den Frauenbewegungen, zunehmend in Frage gestellt.

Unterstützt wurde die Nicht- oder eingeschränkte Erwerbstätigkeit verheirateter Frauen durch ein Sozialleistungssystem, welches Sicherungsansprüche in der Renten- und Krankenversicherung vom Ehemann ableiteten und Familientransfers, die nicht neutral gegenüber dem Erwerbs- und Familienmodell waren, sondern die Ehe und die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern förderten. Das männliche Ernährermodell verband sich mit der Vorstellung eines Familienlohns als ein Erwerbseinkommen, welches nicht nur individuell existenzsichernd ist, sondern den ganzen Familienbedarf decken sollte.

Die Geschlechterbeziehungen und die Familienstrukturen haben sich allerdings in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert. So ist inzwischen eine Pluralisierung von Lebensformen eingetreten. Hier sind der zunehmende Anteil der Alleinerziehenden, der Bedeutungsverlust der Mehr-Generationenfamilie, der steigende Anteil unverheiratet zusammenlebender Paare, gleichgeschlechtliche Beziehungen und dauerhaft kinderlos bleibende Menschen zu nennen. 2011 lebten 1,6 Millionen Personen als alleinerziehende Mütter (90%) und Väter (10%) mit minderjährigen Kindern in Deutschland, die sich Erwerbs- und Sorgearbeit nicht teilen können und eine Doppelrolle erfüllen müssen.

Nach der britischen Sozialwissenschaftlerin Jane Lewis lassen sich nunmehr folgende Muster der Aufteilung der Erwerbs- und der Familienarbeit innerhalb von Paarbeziehungen unterscheiden:

Muster der Aufteilung der Erwerbs- und der Familienarbeit innerhalb von Paarbeziehungen

Ernährermodell ("Male breadwinner model")männlicher Vollzeiterwerbstätiger und weibliche Vollzeit-Familienarbeitende
Doppelverdienermodell
("Dual breadwinner model")
Variante 1
Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes, kurze Teilzeiterwerbstätigkeit der Frau. Die Familienarbeit wird hauptsächlich von der Frau geleistet.
Doppelverdienermodell
Variante 2
Vollzeiterwerbstätigkeit des Mannes und lange Teilzeit-erwerbstätigkeit der Frau. Die Familienarbeit wird hauptsächlich von Verwandten und staatlichen/ zivilgesellschaftlichen/ marktförmig organisierten Einrichtungen erbracht.
Doppelverdienermodell
Variante 3
Mann und Frau sind in Teilzeiterwerbstätigkeit und teilen sich die Familienarbeit.
Doppelkarrieremodell
("Dual career model")
Mann und Frau sind in Vollzeiterwerbstätigkeit. Die Familienarbeit wird hauptsächlich über den Markt zugekauft.

Quelle: Lewis, Jane (2001): The Decline of the Male Breadwinner Model: Implications for Work and Care. In: Social Politics 2, S. 152-169; hier S. 157.
PDF-Icon Tabelle als PDF zum Download

In immer mehr Haushalten trägt die Frau einen größeren Anteil als der Mann zum gemeinsamen Einkommen bei. In den dargestellten Mustern der Aufteilung der Erwerbs- und der Familienarbeit innerhalb von Paarbeziehungen können somit auch die Frauen den Großteil der Erwerbsarbeit erledigen, während die Familienarbeit meistens weiterhin geteilt wird.

Schauen wir zunächst, ob es empirische Belege dafür gibt, dass das "männliche Ernährermodell" zunehmend seltener wird.

Daten und Fakten

Die Erwerbsbeteiligung der Frauen in der alten Bundesrepublik war bereits in den siebziger und achtziger Jahren kontinuierlich angestiegen. Der Trend steigender Erwerbsquoten setzte sich auch nach der Vereinigung fort, während die traditionell höhere Quote in Ostdeutschland 2000 mit 69,3 Prozent einen Tiefstand erreichte und dann aber wieder kontinuierlich stieg.

Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten nach Geschlecht 1960 – 2012

JahrErwerbsquote*Erwerbstätigenquote*
InsgesamtMännerFrauenInsgesamtMännerFrauen
Alte Bundesländer (ohne Berlin)**
196067,690,747,667,290,347,2
197066,288,246,265,887,7345,9
198067,184,450,265,282,548,3
199070,882,758,566,378,453,8
199169,281,160,766,778,454,6
199570,781,359,964,874,754,5
200070,380,762,966,174,357,7
200573,280,865,566,573,359,7
200674,381,467,168,174,561,5
200774,881,767,969,676,063,1
200875,281,968,370,677,064,1
200975,481,968,970,576,364,7
201075,781,969,471,176,665,5
201176,382,170,572,577,867,1
201276,482,170,672,878,167,5
Neue Bundesländer (inkl. Berlin)**
199178,984,277,272,578,566,8
199576,879,273,964,070,557,5
200073,777,969,362,366,757,7
200575,779,172,161,263,558,8
200676,980,173,463,465,960,8
200777,981,374,466,068,963,1
200878,281,674,767,870,664,9
200979,282,375,869,171,366,8
201079,682,876,170,672,868,2
201179,682,776,471,774,069,3
201279,082,075,871,874,369,1
Deutschland
199171,381,860,767,878,457,0
199571,981,062,664,673,955,1
200071,078,464,065,472,857,7
200573,780,466,865,471,259,5
200674,881,168,467,172,761,4
200775,581,669,268,974,563,1
200875,881,869,670,075,764,2
200976,282,070,370,275,365,1
201076,582,170,770,975,666,1
201177,082,271,672,477,167,6
201276,982,171,672,677,367,8

*Ab 2005 Jahresdurchschnitt
** Abweichende Gebietsunterscheidungen für die Erwerbstätigenquoten der Jahre 1991 bis 2000: Früheres Bundesgebiet sowie Neue Länder und Berlin-Ost
Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus (Arbeitstabellen), verschiedene Jahrgänge (eigene Berechnungen)

Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in den alten Bundesländern von 1960 – 2012Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in den alten Bundesländern von 1960 – 2012 (PDF-Icon Grafik zum Download 63 KB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in den neuen Bundesländern von 1991 – 2012Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in den neuen Bundesländern von 1991 – 2012 (PDF-Icon Grafik zum Download 61 KB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in Deutschland von 1991 – 2012Erwerbsquoten und Erwerbstätigenquoten in Deutschland von 1991 – 2012 (PDF-Icon Grafik zum Download 60 KB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
In den 20 Jahren nach 1990 stieg die Erwerbsquote der Frauen um über 20 Prozentpunkte und erklomm seitdem jährlich immer neue Höchststände. Der geschlechtsspezifische Abstand zwischen den Erwerbstätigenquoten von Männern und Frauen hat sich in den letzten Jahren halbiert. Das männliche Ernährermodell wird also immer seltener und Frauen beteiligen sich immer häufiger am Erwerbsleben. Allerdings beschränkte sich die Zunahme der Frauenerwerbsbeteiligung auf die Teilzeitarbeit, einschließlich der geringfügigen Beschäftigung ("Minijobs").

Weitere Informationen zu der unterschiedlichen Wahl der Beschäftigungsverhältnisse zwischen Männer und Frauen finden sich im Modul Beschäftigungsverhältnisse.

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Info

Erwerbsquote und Erwerbstätigenquote

Erwerbsquote

Die Erwerbsquote entspricht dem prozentualen Anteil der Erwerbspersonen im Alter von 15 Jahren und älter an der Bevölkerung dieser Altersgruppe. Die Zahl der Erwerbspersonen ergibt sich aus der Summe der Erwerbstätigen und Erwerbslosen.

Erwerbstätigenquote

Die Erwerbstätigenquote beschreibt den Anteil der Erwerbstätigen einer Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung derselben Altersgruppe.

Erwerbstätige Personen sind alle Personen, die in der Berichtswoche mindestens eine Stunde gegen Entgelt gearbeitet haben. Dazu zählen außerdem Personen, die z. B. aufgrund von Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit vorübergehend nicht gearbeitet haben.

Erwerbslose Personen sind all diejenigen, die in der Berichtswoche nicht gearbeitet, aber in den letzten vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben. Um als erwerbslose Personen zu gelten, müssen die Arbeitssuchenden innerhalb von zwei Wochen eine Tätigkeit aufnehmen können. Auf den zeitlichen Umfang der gesuchten Tätigkeit, sowie der Meldung bei einer Agentur für Arbeit oder einem kommunalen Trägers kommt es nicht an.

Nichterwerbstätige Personen sind Personen, die in der Berichtswoche nicht erwerbstätig oder erwerbslos sind.

Die Angaben beruhen auf dem international vergleichbaren Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und werden aus den Daten der Arbeitskräfteerhebung, die in allen Staaten der Europäischen Union sowie in der Schweiz, Norwegen und Island durchgeführt wird, ermittelt. In Deutschland ist die Arbeitskräfteerhebung in den Mikrozensus integriert.

Quelle: Statistisches Bundesamt


Auch das Arbeitsvolumen, also die tatsächlich geleistete Arbeitszeit der Frauen, ist seit 1991 kontinuierlich angestiegen. 2010 entfielen 42,9 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden auf Frauen. Das Arbeitsvolumen der Frauen steigt aber deutlich langsamer an als der Anteil der Frauen an der Beschäftigung insgesamt. Ein leicht erhöhtes Arbeitsvolumen verteilt sich also auf eine weitaus größere Zahl von Arbeitnehmerinnen. Grund ist die Verbreitung von Teilzeitbeschäftigung und geringfügiger Beschäftigung bei Frauen. Zum internationalen Frauentag am 8. März 2014 hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass 2012 45 Prozent der Frauen ihren Lebensunterhalt durch eine eigene Erwerbstätigkeit deckten.

Trotz der zunehmenden Erwerbsbeteiligung steht Deutschland im internationalen Vergleich der Erwerbstätigenquote von Frauen im Mittelfeld. Der Teilzeitanteil an allen Erwerbstätigen ist jedoch hoch und liegt über dem OECD Durchschnitt. Die Tabelle zeigt die Erwerbstätigenquoten der Frauen in ausgewählten Ländern im Jahr 2012 sowie die Teilzeit- und Arbeitslosenquoten.

Erwerbstätigenquoten der Frauen von 15-64 Jahren, Teilzeitanteil an allen Erwerbstätigen und Arbeitslosenquoten 2012


In ausgewählten Ländern, in Prozent

Landin Erwerbstätigkeitin TeilzeitArbeitslosenquote
Dänemark70,019,47,7
Norwegen73,819,83,3
Schweden71,814,38,1
Schweiz73,626,04,3
Finnland68,213,07,8
Großbritannien65,724,98,1
USA62,713,48,2
Niederlande70,437,85,3
Österreich67,319,24,4
Deutschland68,022,15,5
Japan60,720,54,6
Frankreich60,013,89,9
Belgien56,818,77,6
Italien47,817,810,8
OECD insgesamt57,216,98,2

Quelle: OECD Employment policies and data http://www.oecd.org/els/emp/

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Info

Das Beispiel Schweden

"Das "adult worker model" wurde, was die Beschäftigungsquoten von Frauen betrifft, erfolgreich auf den Weg gebracht. Im Jahr 2000 waren 86% der Mütter von Kindern im Vorschulalter und 94% der Mütter von Schulkindern erwerbstätig. In Vollzeit (vierzig Stunden und mehr) arbeiten fünfundvierzig Prozent der Mütter, in langer Teilzeit (30-39 Stunden) vierzig Prozent und weniger als zwanzig Stunden pro Woche nur fünfzehn Prozent. Die durchschnittliche Stundenzahl, die Mütter mit Kindern im Vorschulalter arbeiteten, betrug 31 Stunden im Jahr 2001."

Björnberg, Ulla (2004): Sind Zwei-Verdiener-Familien "partnerschaftliche" Familien? Sozialpolitik und Geschlechtergleichheit in schwedischen Familien. In: Leitner, Sigrid / Ostner, Ilona / Schratzenstaller, Margit (Hrsg.): Wohlfahrtsstaat und Geschlechterverhältnis im Umbruch. Was kommt nach dem Ernährermodell? Wiesbaden; S. 356-380; hier S. 362.


Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes 2011Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes 2011 (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Mütter sind in Deutschland noch immer seltener berufstätig als Väter. Dennoch zeigt sich, dass das Dreiphasenmodell, bei dem nach der Geburt von Kindern die Erwerbstätigkeit von Frauen für eine Familienphase unterbrochen wird, sich langsam wandelt. Die Berufstätigkeit von Müttern mit Kindern unter 15 Jahren ist in den letzten Jahren gestiegen. Doch mit der Geburt eines Kindes gibt weiterhin ein Teil der Mütter ihre Erwerbstätigkeit zeitweise auf und kehrt erst mit zunehmendem Alter des Kindes wieder in das Erwerbsleben zurück. Bei Vätern hingehen ist nur eine minimale Veränderung der Erwerbstätigenquote in Abhängigkeiten vom Alter der Kinder festzustellen. Die Erwerbsbeteiligung von Vätern mit Kindern unter 15 Jahren hat sich in den letzten Jahren auch kaum verändert. Bei den Vätern ist die traditionelle "Ernährerrolle" immer noch weit verbreitet. Die egalitäre Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern ist somit noch lange nicht erreicht.

Paarfamilien nach Vollzeit-/Teilzeittätigkeit der Partner 2011Paarfamilien nach Vollzeit-/Teilzeittätigkeit der Partner 2011 (PDF-Icon Grafik zum Download 51 KB) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Empirisch zeigt sich also, dass das "Ernährermodell" in Deutschland zwar seltener wird, aber weiterhin noch häufig anzutreffen ist. Am weitesten verbreitet ist das "modernisierte Ernährermodell", bei dem der Vater vollzeit- und die Mutter teilzeiterwerbstätig ist. 2011 hatten fast drei Viertel (73%) aller Ehepaare und über die Hälfte (52%) alles nichtehelichen Lebensgemeinschaften dieses Arrangement. Das beliebteste Erwerbsmuster ist nicht das Alleinverdienermodell, sondern die Kombination Mann Vollzeit, Frau Teilzeit. Häufig ist es jedoch so, dass auch Paare mit einer egalitären Vorstellung von familiärer Arbeitsteilung, nach Geburt des Kindes in eine traditionelle Arbeitsteilung zurückfallen. Man spricht von einer Traditionalisierungsfalle. Möglicherweise werden diese Diskrepanzen durch das Familien-, Sozial- und Steuerrecht begünstigt.

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