Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

Vermittlungswege und Marktanteile der Vermittlungsakteure


1.6.2010
Deutsche und internationale Befunde zeigen, dass der Anteil öffentlicher Arbeitsvermittlung an der gesamten Stellenbesetzung eher gering ausfällt. Im Vordergrund stehen andere Such- und Rekrutierungswege wie informelle Kontakte und Netzwerke, Stelleninserate und Initiativbewerbungen. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über Marktanteile der Vermittlungsakteure und die erfolgreichsten Vermittlungswege.

Stellenangebote der Bundesagentur für Arbeit: eine Studie des DIW stellte fest, dass persönliche Beziehungen und Bewerbungen auf Stellenanzeigen am ehesten zum Erfolg führen.Stellenangebote der Bundesagentur für Arbeit: eine Studie des DIW stellte fest, dass persönliche Beziehungen und Bewerbungen auf Stellenanzeigen am ehesten zum Erfolg führen. (© AP)


Es ist nicht einfach, Vermittlungswege und Marktanteile der Vermittlungsakteure zu erheben. Im Wesentlichen beruhen die Erkenntnisse auf Befragungen. Die Bundesagentur für Arbeit verzichtet seit dem sog. "Vermittlungsskandal" auf die Verwendung von Kennziffern wie Marktanteil und Einschaltungsgrad.

Zur Info

Marktanteil der öffentlichen Arbeitsvermittlung

"Nach amtlichen Schätzungen betrug der Marktanteil der öffentlichen Arbeitsvermittlung (Anteil der BA-Arbeitsvermittlungen über 7 Tage an den voll sozialversicherungspflichtigen Einstellungen) 35 Prozent und der Einschaltungsgrad (Anteil der Stellenabgänge bei der Arbeitsverwaltung an allen sozialversicherungspflichtigen Einstellungen) 46 Prozent. Nach Angaben der Arbeitsverwaltungen in europäischen Nachbarländern lag der Marktanteil (bzw. Einschaltungsgrad) bei 37 Prozent (42,5 Prozent) in Frankreich, 16 Prozent (33 Prozent) in Großbritannien und 18 Prozent (40 Prozent) in den Niederlanden. Im Allgemeinen wird der Marktanteil der öffentlichen Vermittlung in Verwaltungsdaten überschätzt. Laut einer unabhängigen Arbeitgeberbefragung wurde im Jahr 2000 das Arbeitsamt bei schätzungsweise 38 Prozent aller Stellenbesetzungen im Westen (48 Prozent im Osten) eingeschaltet, wobei es nur in 12 Prozent (29 Prozent) der Fälle erfolgreich zur Stellenbesetzung beitrug. Auf keinem Fall ist der relativ geringe Marktanteil des Arbeitsamts durch private Konkurrenz zu erklären. Deren Marktanteil beträgt nur etwa 1 Prozent, wie in vielen anderen Ländern auch (z.B. Österreich, Schweden). Selbst in Ländern mit größerer Bedeutung der privaten Arbeitsvermittlung (z.B. Australien, Schweiz) liegt der Grund für den beschränkten Marktanteil vielmehr darin, dass Stellenbesetzungen überwiegend über andere Suchmethoden erfolgen."

Schmid, Günther / Mosley, Hugh / Schütz, Holger (2002): Der Beitrag der Arbeitsvermittlung zur Vollbeschäftigung. In: Gewerkschaftliche Monatshefte 8; S. 499.


Betriebsbefragungen des IAB zeigen seit Jahren, dass die informelle Suche die größte Bedeutung bei der Einstellung neuen Personals hat. Auch im Jahr 2006 wurde jeder dritte neu Eingestellte über persönliche Kontakte oder Empfehlungen von Mitarbeitern gefunden. Zweithäufigster erfolgreicher Suchweg sind Inserate der Betriebe. Mit den Diensten der öffentlichen Arbeitsvermittlung kamen "nur" 12 Prozent aller Einstellungen zustande, aber immerhin 43 Prozent der Gesuche wurden (auch) an die BA-Dienststellen gerichtet. Die internet-basierten Dienste waren mit 5 Prozent, der direkte Kontakt zur Arbeitsagentur mit 7 Prozent am Gesamtergebnis beteiligt. Die Nutzung von Internetdiensten (der Arbeitsagentur und anderer) ist in den letzten Jahren deutlich zunehmend. Die private Arbeitsvermittlung konnte zwar ebenso zulegen, bleibt aber auf einem insgesamt bescheidenen Niveau.

 
Einschaltung und Erfolge verschiedener betrieblicher Suchwege im Jahr 2006
 
Suchwege Beschrittener Suchweg Erfolgreicher Suchweg
Eigene Inserate 41 22
Stellenangebote im Internet (ohne Internetdienste der Arbeitsagenturen) 29 9
Antwort auf Inserate Arbeitsuchender 5 1
Kontakt zur Arbeitsagentur (ohne Internetdienste der Arbeitsagenturen) 25 7
Nutzung der Internetdienste der Arbeitsagentur 18 5
Private Arbeitsvermittlung 9 3
Interne Stellenausschreibung 20 2
Auswahl aus Initiativbewerbungen 27 12
Interne Praktika 4 2
Über eigene Mitarbeiter / persönliche Kontakte 40 34
Sonstiger Suchweg 6 3
Quelle: IAB (http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb1107.pdf)

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie des DIW. Diese basiert auf Befragungen von Arbeitnehmern. Einbezogen wurden Personen, die im Jahr 2004 / 2005 eine neue oder erstmals eine Stelle angetreten haben. Befragt wurden 1162 Personen. Danach waren bei mehr als einem Drittel Freunde und Bekannte bei der erfolgreichen Stellensuche beteiligt. Bei einem Viertel führte eine Anzeige zum Erfolg, die der neue Arbeitgeber geschaltet hatte. Über eigene Anzeigen kamen nur wenige zu einer Anstellung. Jeder zehnte kam durch eine Stellenanzeige im Internet zu einem neuen Job; ebenso viele durch die Arbeitsverwaltung. Praktisch keine Bedeutung haben private Stellenvermittler.

Zum Weiterlesen



Brenke, Karl / Zimmermann Klaus F. (2007): Erfolgreiche Arbeitsuche weiterhin meist über informelle Kontakte und Anzeigen. DIW Wochenbericht 20; S. 325-331.

Brixy, U. und B. Christensen (2002): Wie viel würden Arbeitslose für einen Arbeitsplatz in Kauf nehmen? IAB Kurzbericht 25; Nürnberg.
»http://doku.iab.de/kurzber/2002/kb2502.pdf«

Brixy, U., R. Gilberg, D. Hess und H. Schröder (2002): Wie nah am Arbeitsmarkt sind die Arbeitslosen? IAB Kurzbericht 2; Nürnberg.
»http://doku.iab.de/kurzber/2002/kb0202.pdf«

Brixy, U., R. Gilberg, D. Hess und H. Schröder (2002): Was beeinflusst den Übergang von Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit. IAB Kurzbericht 1; Nürnberg.
»http://doku.iab.de/kurzber/2002/kb0102.pdf«

Cramer, R., R. Gilberg, D. Hess und H. Schröder (2002): Suchintensität und Einstellungen Arbeitsloser. Ergebnisse einer Befragung zur Struktur der Arbeitslosigkeit zu Beginn des Jahres 2000. BeitrAB 261. Nürnberg.

Granovetter, M.S. (1974): Getting a Job. A Study of Contacts and Careers. Cambridge.

Kettner, Anja / Spitznagel, Eugen (2007): Gesamtwirtschaftliches Stellenangebot: Kräftige Konjunktur stärkt die Arbeitsnachfrage. IAB Kurzbericht 11; Nürnberg.
»http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb1107.pdf«


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