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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt


1.6.2010
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich laut offizieller Darstellung entspannt. Es wird häufiger von Bewerbermangel berichtet als von unversorgten Bewerbern. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt und den Verbleib der Bewerber. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sowie ein internationaler Vergleich runden diesen Abschnitt ab.

Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach der gesetzlichen Definition



In einigen Bereichen, wie im Bäckerhandwerk, herrscht ein Mangel an Ausbildungsbewerbern.In einigen Bereichen, wie im Bäckerhandwerk, herrscht ein Mangel an Ausbildungsbewerbern. (© AP)


Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich laut offizieller Darstellung entspannt. Es wird häufiger von Bewerbermangel berichtet als von unversorgten Bewerbern. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt und den Verbleib der Bewerber. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sowie ein internationaler Vergleich runden diesen Abschnitt ab.

Nach § 86 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ergibt sich das Angebot an Ausbildungsplätzen aus der Zahl der zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten noch unbesetzten Ausbildungsplätze.

Die Nachfrage errechnet sich aus der Zahl der bis zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten unversorgten Bewerber und Bewerberinnen.

Bei allen Daten zur Berufsausbildung ist zu beachten, dass nur bei der Bundesagentur für Arbeit registrierte Bewerber erfasst sind. Damit werden Jugendliche, die von der Berufsberatung als nicht ausbildungsgeeignet eingeschätzt werden, ebenso wie jene nicht erfasst, die sich gar nicht erst bei der (freiwilligen) Berufsberatung der BA melden – sei es, weil sie einen anderen Bildungsweg gehen, weil sie gar nicht erst eine Ausbildung suchen oder weil sie ohne Unterstützung der BA eine Ausbildung suchen.

Nach dieser Definition betrug das Angebot am 30.9.2007 644.273 Ausbildungsplätze. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen betrug 655.016. Die Nachfrage lag damit um 10.743 höher als das Angebot. Im Krisenjahr 2009 sank die Zahl der Ausbildungsverträge auf 561.300, 7,6 % weniger als 2008. In den neuen Ländern, einschließlich Berlin, wurden 13 % gleich 14.700 weniger Lehrverträge abgeschlossen. Selbst wenn demographisch bedingt weniger Schullabgänge vorliegen und mehr Abitur mit Studium vorziehen, in den "Übergangssystemen" stecken viele "Altbewerber", ebenso im Reservoir der Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder mit nicht anerkannten, ausländischen Abschlüssen.

Die gesetzliche Definition berücksichtigt allerdings relevante Nachfragegrößen, aber auch zusätzliche Angebote an Ausbildungsplätzen nicht. Dies liegt zum einen an der Freiwilligkeit der Inanspruchnahme der Vermittlungsdienste der Bundesagentur für Arbeit. Es werden daher nur unversorgte Jugendliche und unbesetzte Ausbildungsplatzangebote gezählt, die bei der Bundesagentur für Arbeit auch gemeldet sind.

Diese "amtliche Statistik" wird seit vielen Jahren stark kritisiert (beispielsweise alljährlich durch den Berufsbildungsbericht), weil sie nach Meinung ihrer Kritiker, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nur unzureichend wieder spiegelt. Zweifellos ist die Ausbildungslücke in der Bundesrepublik viel größer als die Bundesagentur für Arbeit offiziell angibt.

Zur Info

Problem mangelnder Ausbildungsplätze

"In der Öffentlichkeit wird das Problem mangelnder Ausbildungsplätze häufig schöngerechnet. Seit Jahren steht die geringe Zahl der "nicht vermittelten Bewerber" (...) im Zentrum der öffentlichen Diskussion und nicht die Zahl der Bewerber, die tatsächlich auch in eine Berufsausbildungsstelle einmünden."

Stein, Hans-Wolfram (2007): "Endlich mal die Wahrheit sagen!" – Jugendliche analysieren die Diskussion um die Schwierigkeiten auf dem Lehrstellenmarkt. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP, 2/2007; S. 56.


Bewerber für Berufsausbildungsstellen nach Art des Verbleibs



Verbleib der Bewerber um eine Ausbildungsstelle (Berufsberatungsjahr 2007/2008). Quelle: BIBBVerbleib der Bewerber um eine Ausbildungsstelle (Berufsberatungsjahr 2007/2008). Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)
Von den der BA registrierten Bewerbern des Ausbildungsjahres 2007/2008 mündeten 41,5 % in eine ungeförderte duale Ausbildung ein, 9 % fanden eine geförderte betriebliche Ausbildungsstelle. Damit war nur jeder zweite von der Arbeitsagentur als ausbildungsfähig eingestufte Bewerber in eine Lehrstelle vermittelt. 21 % der Bewerber besuchten in Ermangelung einer Lehrstelle eine weiterführende Schule oder befanden sich in einer Fördermaßnahme, 5,5 % nahmen eine (in der Regel ungelernte) Erwerbstätigkeit auf, 2,3 % konnten nicht vermittelt werden, fast 20 % verblieben "anderweitig" (sog. Sonstige).

Zur Info

Unterversorgung mit Lehrstellen

"Eine plausible Abschätzung der Unterversorgung mit Lehrstellen ergibt sich aus dieser Überlegung: Würde man alle alternativ verbliebenen Bewerber, die – nach einer Erhebung 2005 – ihren Vermittlungswunsch aufrechterhielten und diejenigen Jugendlichen, die nach intensiver, aber erfolgloser Suche (mindestens 20 schriftliche Bewerbungen) eine Alternative fanden zu den ausgewiesenen nicht vermittelten Bewerbern hinzu addieren, bekäme man eine Gesamtzahl an nicht befriedigter Ausbildungsplatznachfrage von etwa 160.000 Jugendlichen."

Engelbrech, Gerhard / Ebner, Christian (2006): Lehrstellenmangel: Alternativen müssen Lücken schließen; IAB Kurzbericht 28; Nürnberg, S. 2.


Altbewerberanteile nach Bundesländern 2006.Altbewerberanteile nach Bundesländern 2006. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)
Knapp die Hälfte aller Bewerber sind unterdessen so genannte Altbewerber, also Bewerber, die die Schule in früheren Jahren verlassen und bisher trotz Ausbildungseignung keine Ausbildung gefunden hatten. Diese Bewerber werden in der offiziellen Ausbildungsmarktbilanz nicht zu den Ausbildungsplatznachfragern gezählt, selbst wenn sie weiter auf Lehrstellensuche sind. Hinzu kommen rund 18 %, die nach dem Abgang von der Hauptschule im Vorjahr ihre Schulpflicht noch nicht erfüllt hatten, keine Ausbildung fanden und deshalb ein Berufsvorbereitungs- oder Berufsgrundschuljahr besucht hatten.

Um betriebliche Ausbildungsplatzdefizite zu kompensieren, wendet der Staat erhebliche öffentliche Mittel auf. Arbeitsverwaltung, Bund, Länder und die Europäische Union finanzieren ein breites Spektrum unterschiedlicher Ausbildungsplatzprogramme. Die wichtigsten Förderprogramme der Arbeitsverwaltung und des Bundes finden Sie im Kapitel Förderung: Förderung der Berufsausbildung.

Welche Betriebe bilden wie viel aus?



Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Quelle: BIBBNeu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)
Insgesamt ist die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge nach einer "Flaute" in den Jahren 2002-2006 auf das Niveau Ende der 1990er Jahre wieder gestiegen, 2009 gesunken, insgesamt also konjunkturabhängig.

Allerdings bildet nicht einmal jeder vierte Betrieb aus. Selbst unter den Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten finden sich fast 10 Prozent, die nicht ausbilden.

 
Betriebe und Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen (2006)
 
Betriebsgrößenklasse Betriebe insgesamt Ausbildungsbetriebe Ausbildungsbetriebsquote
1-9 Beschäftigte 1.627.256 275.331 16,9
10-49 Beschäftigte 307.899 148.305 48,2
50-499 Beschäftigte 81.100 57.076 70,4
500 und mehr Beschäftigte 4.798 4.342 90,5
Insgesamt 2.021.053 485.054 24,0
Quelle: Beschäftigten- und Betriebsstatistik der BA. Ergebnisse zum 31.12.2006; Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung

Insgesamt ist die Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten im Betrieb) umso niedriger, je größer der Betrieb ist. Gerade große und sehr große Betriebe leisten im Bereich der Ausbildung nur einen unterdurchschnittlichen Beitrag.

 
Beschäftigte und Auszubildende nach Betriebsgrößenklassen (2006)
 
Betriebsgrößenklasse Betriebe insgesamt Ausbildungsbetriebe Ausbildungsbetriebsquote
1-9 Beschäftigte 4.696.926 380.691 8,1
10-49 Beschäftigte 6.170.893 435.189 7,1
50-499 Beschäftigte 10.092.457 599.583 5,9
500 und mehr Beschäftigte 5.676.085 312.869 5,5
Insgesamt 26.636.361 1.728.332 6,5
Quelle: Beschäftigten- und Betriebsstatistik der BA. Ergebnisse zum 31.12.2006; Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung

Ausbildungsabgabe



Aufgrund der unbefriedigenden Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt wird seit Jahren eine Diskussion um die Einführung einer Ausbildungsabgabe geführt. Die Idee ist, die Anzahl der benötigten Lehrstellen eines Jahres festzustellen und aufgrund dieser Zahl jedem Betrieb mit mindestens zehn Beschäftigten eine Quote zuzuweisen, die er ausbilden müsste. Bleibt ein Betrieb unter dieser Quote, so muss er entsprechend in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Aus diesem Fonds sollen dann zum einen die Betriebe unterstützt werden, die mehr Auszubildende eingestellt haben, als ihrer Quote entspräche und zum anderen laufende sowie neue staatliche Ausbildungsprojekte für Jugendliche mitfinanziert werden.

Die Befürworter meinen, dass durch eine Ausbildungsplatzabgabe die finanzielle Belastung durch Ausbildung gerechter verteilt wird. Sie erhoffen sich auch mehr Ausbildungsstellen durch die Abgabe. Die Kritiker halten insbesondere folgendes entgegen:
  • Die Belastung der Unternehmen steigt.
  • Schaffung von Arbeitsplätzen wird bestraft.
  • Betriebe können sich von der Ausbildung freikaufen.
  • "Erzwungene" Ausbildung mindert die Qualität.
  • Die Abgabe schafft mehr Bürokratie.
  • Die Entwicklung einer Branche bleibt unberücksichtigt
Im Jahr 2004 wäre eine Ausbildungsabgabe beinahe beschlossen worden (der Bundestag hatte bereits zugestimmt). Stattdessen wurde letztlich der Ausbildungspakt geschlossen. Eine ähnliche Regelung hat sich in der Bauwirtschaft bewährt.


 

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