Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich laut offizieller Darstellung entspannt. Es wird häufiger von Bewerbermangel berichtet als von unversorgten Bewerbern. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt und den Verbleib der Bewerber. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sowie ein internationaler Vergleich runden diesen Abschnitt ab.Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach der gesetzlichen Definition
In einigen Bereichen, wie im Bäckerhandwerk, herrscht ein Mangel an Ausbildungsbewerbern. (© AP)Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich laut offizieller Darstellung entspannt. Es wird häufiger von Bewerbermangel berichtet als von unversorgten Bewerbern. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt und den Verbleib der Bewerber. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sowie ein internationaler Vergleich runden diesen Abschnitt ab.
Nach § 86 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ergibt sich das Angebot an Ausbildungsplätzen aus der Zahl der zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten noch unbesetzten Ausbildungsplätze.
Die Nachfrage errechnet sich aus der Zahl der bis zum 30. September neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sowie der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten unversorgten Bewerber und Bewerberinnen.
Bei allen Daten zur Berufsausbildung ist zu beachten, dass nur bei der Bundesagentur für Arbeit registrierte Bewerber erfasst sind. Damit werden Jugendliche, die von der Berufsberatung als nicht ausbildungsgeeignet eingeschätzt werden, ebenso wie jene nicht erfasst, die sich gar nicht erst bei der (freiwilligen) Berufsberatung der BA melden – sei es, weil sie einen anderen Bildungsweg gehen, weil sie gar nicht erst eine Ausbildung suchen oder weil sie ohne Unterstützung der BA eine Ausbildung suchen.
Nach dieser Definition betrug das Angebot am 30.9.2007 644.273 Ausbildungsplätze. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen betrug 655.016. Die Nachfrage lag damit um 10.743 höher als das Angebot. Im Krisenjahr 2009 sank die Zahl der Ausbildungsverträge auf 561.300, 7,6 % weniger als 2008. In den neuen Ländern, einschließlich Berlin, wurden 13 % gleich 14.700 weniger Lehrverträge abgeschlossen. Selbst wenn demographisch bedingt weniger Schullabgänge vorliegen und mehr Abitur mit Studium vorziehen, in den "Übergangssystemen" stecken viele "Altbewerber", ebenso im Reservoir der Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder mit nicht anerkannten, ausländischen Abschlüssen.
Die gesetzliche Definition berücksichtigt allerdings relevante Nachfragegrößen, aber auch zusätzliche Angebote an Ausbildungsplätzen nicht. Dies liegt zum einen an der Freiwilligkeit der Inanspruchnahme der Vermittlungsdienste der Bundesagentur für Arbeit. Es werden daher nur unversorgte Jugendliche und unbesetzte Ausbildungsplatzangebote gezählt, die bei der Bundesagentur für Arbeit auch gemeldet sind.
Diese "amtliche Statistik" wird seit vielen Jahren stark kritisiert (beispielsweise alljährlich durch den Berufsbildungsbericht), weil sie nach Meinung ihrer Kritiker, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt nur unzureichend wieder spiegelt. Zweifellos ist die Ausbildungslücke in der Bundesrepublik viel größer als die Bundesagentur für Arbeit offiziell angibt.
Problem mangelnder Ausbildungsplätze
"In der Öffentlichkeit wird das Problem mangelnder Ausbildungsplätze häufig schöngerechnet. Seit Jahren steht die geringe Zahl der "nicht vermittelten Bewerber" (...) im Zentrum der öffentlichen Diskussion und nicht die Zahl der Bewerber, die tatsächlich auch in eine Berufsausbildungsstelle einmünden."
Stein, Hans-Wolfram (2007): "Endlich mal die Wahrheit sagen!" – Jugendliche analysieren die Diskussion um die Schwierigkeiten auf dem Lehrstellenmarkt. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP, 2/2007; S. 56.
Bewerber für Berufsausbildungsstellen nach Art des Verbleibs
Verbleib der Bewerber um eine Ausbildungsstelle (Berufsberatungsjahr 2007/2008). Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Unterversorgung mit Lehrstellen
"Eine plausible Abschätzung der Unterversorgung mit Lehrstellen ergibt sich aus dieser Überlegung: Würde man alle alternativ verbliebenen Bewerber, die – nach einer Erhebung 2005 – ihren Vermittlungswunsch aufrechterhielten und diejenigen Jugendlichen, die nach intensiver, aber erfolgloser Suche (mindestens 20 schriftliche Bewerbungen) eine Alternative fanden zu den ausgewiesenen nicht vermittelten Bewerbern hinzu addieren, bekäme man eine Gesamtzahl an nicht befriedigter Ausbildungsplatznachfrage von etwa 160.000 Jugendlichen."
Engelbrech, Gerhard / Ebner, Christian (2006): Lehrstellenmangel: Alternativen müssen Lücken schließen; IAB Kurzbericht 28; Nürnberg, S. 2.
Altbewerberanteile nach Bundesländern 2006. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Um betriebliche Ausbildungsplatzdefizite zu kompensieren, wendet der Staat erhebliche öffentliche Mittel auf. Arbeitsverwaltung, Bund, Länder und die Europäische Union finanzieren ein breites Spektrum unterschiedlicher Ausbildungsplatzprogramme. Die wichtigsten Förderprogramme der Arbeitsverwaltung und des Bundes finden Sie im Kapitel Förderung: Förderung der Berufsausbildung.
Welche Betriebe bilden wie viel aus?
Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb)Allerdings bildet nicht einmal jeder vierte Betrieb aus. Selbst unter den Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten finden sich fast 10 Prozent, die nicht ausbilden.
| Betriebe und Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen (2006) | |||
| Betriebsgrößenklasse | Betriebe insgesamt | Ausbildungsbetriebe | Ausbildungsbetriebsquote |
| 1-9 Beschäftigte | 1.627.256 | 275.331 | 16,9 |
| 10-49 Beschäftigte | 307.899 | 148.305 | 48,2 |
| 50-499 Beschäftigte | 81.100 | 57.076 | 70,4 |
| 500 und mehr Beschäftigte | 4.798 | 4.342 | 90,5 |
| Insgesamt | 2.021.053 | 485.054 | 24,0 |
| Quelle: Beschäftigten- und Betriebsstatistik der BA. Ergebnisse zum 31.12.2006; Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung | |||
Insgesamt ist die Ausbildungsquote (Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten im Betrieb) umso niedriger, je größer der Betrieb ist. Gerade große und sehr große Betriebe leisten im Bereich der Ausbildung nur einen unterdurchschnittlichen Beitrag.
| Beschäftigte und Auszubildende nach Betriebsgrößenklassen (2006) | |||
| Betriebsgrößenklasse | Betriebe insgesamt | Ausbildungsbetriebe | Ausbildungsbetriebsquote |
| 1-9 Beschäftigte | 4.696.926 | 380.691 | 8,1 |
| 10-49 Beschäftigte | 6.170.893 | 435.189 | 7,1 |
| 50-499 Beschäftigte | 10.092.457 | 599.583 | 5,9 |
| 500 und mehr Beschäftigte | 5.676.085 | 312.869 | 5,5 |
| Insgesamt | 26.636.361 | 1.728.332 | 6,5 |
| Quelle: Beschäftigten- und Betriebsstatistik der BA. Ergebnisse zum 31.12.2006; Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung | |||
Ausbildungsabgabe
Aufgrund der unbefriedigenden Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt wird seit Jahren eine Diskussion um die Einführung einer Ausbildungsabgabe geführt. Die Idee ist, die Anzahl der benötigten Lehrstellen eines Jahres festzustellen und aufgrund dieser Zahl jedem Betrieb mit mindestens zehn Beschäftigten eine Quote zuzuweisen, die er ausbilden müsste. Bleibt ein Betrieb unter dieser Quote, so muss er entsprechend in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Aus diesem Fonds sollen dann zum einen die Betriebe unterstützt werden, die mehr Auszubildende eingestellt haben, als ihrer Quote entspräche und zum anderen laufende sowie neue staatliche Ausbildungsprojekte für Jugendliche mitfinanziert werden.
Die Befürworter meinen, dass durch eine Ausbildungsplatzabgabe die finanzielle Belastung durch Ausbildung gerechter verteilt wird. Sie erhoffen sich auch mehr Ausbildungsstellen durch die Abgabe. Die Kritiker halten insbesondere folgendes entgegen:
- Die Belastung der Unternehmen steigt.
- Schaffung von Arbeitsplätzen wird bestraft.
- Betriebe können sich von der Ausbildung freikaufen.
- "Erzwungene" Ausbildung mindert die Qualität.
- Die Abgabe schafft mehr Bürokratie.
- Die Entwicklung einer Branche bleibt unberücksichtigt
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