Dossier Familienpolitik

5.11.2014 | Von:
C. Katharina Spieß

Familienbezogene Infrastruktur

Die Qualität der Infrastrukturleistungen

Für Familien ist neben einem wohnortnahen Infrastrukturangebot insbesondere auch die Qualität der Angebote von großer Bedeutung. Deutschlandweit verfügen 97,5 Prozent des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen über einen formalen Ausbildungsabschluss. Das Personal in Tageseinrichtungen umfasst mehrheitlich Erzieherinnen, daneben aber auch Kinderpflegerinnen und Personen mit einem pädagogischen oder sozialpädagogischen Studienabschluss. Insgesamt macht der Anteil des Personals mit einem Hochschulabschluss im Bundesdurchschnitt aber nur knapp fünf Prozent aus – dies mit sehr großen regionalen Differenzen (Bock-Famulla und Lange 2013). Der Anteil der Akademikerinnen wird jedoch in Zukunft vermutlich zunehmen, da in den vergangenen Jahren die fachpolitische Debatte zunehmend die Professionalisierung des pädagogischen Personals in den Vordergrund stellt.

Was die pädagogische Qualität der Einrichtungen angeht, so sind hier ebenfalls große regionale Unterschiede festzuhalten. Dabei variieren z.B. die Gruppengröße, der Personalschlüssel und auch die Ausbildungsstandards nach Alter der betreuten Kinder und insbesondere auch nach Region und Träger. In Deutschland existieren keine einheitlichen Qualitätsmindeststandards. Vielmehr zeichnet sich die familiale Infrastruktur durch starke regional divergierende pädagogische Qualitäten aus.

Eine aktuelle Untersuchung der pädagogischen Qualität der Kindertagesbetreuung zeigt, dass mehr als 80 Prozent der untersuchten Krippengruppen nur ein mittleres Qualitätsniveau aufweisen. Gute pädagogische Prozessqualität kommt dabei in jedem der untersuchten Betreuungssettings in weniger als zehn Prozent der Fälle vor, unzureichende Qualität dagegen in zum Teil deutlich mehr als zehn Prozent der Fälle. Es zeigt sich außerdem, dass Familien mit Migrationshintergrund, die teilweise ohnehin in einem geringeren Umfang ihre Kinder früh in Kindertageseinrichtungen betreuen lassen, tendenziell eher in Einrichtungen mit relativ betrachtet schlechteren Qualitäten sind – dies kann zu einer doppelten Benachteiligung dieser Gruppen führen (Tietze et al. 2012).

Angebote in Ganztagsschulen

Ganztagsschulen sind neben den Hortangeboten der Kinder- und Jugendhilfe insbesondere für Kinder im Grundschulalter ein zentrales Infrastrukturangebot. In den vergangenen Jahren ist der Anteil von Grundschulkindern, die am Ganztagsschulbetrieb teilnehmen, stark gestiegen: Im Jahr 2004 waren dies lediglich knapp 7 Prozent, im Jahr 2011 betrug der Anteil bereits 26 Prozent. Das bedeutet, dass inzwischen mehr als jedes vierte Kind im Grundschulalter eine Ganztagsschule besucht.

Zu dem Ausbau von Ganztagsschulen hat das Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) des Bundes beigetragen: Von 2003 bis 2009 stellte die Bundesregierung den Ländern insgesamt vier Milliarden Euro für den Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen zur Verfügung (Spieß 2011). Finanziert wurden allerdings primär bauliche Maßnahmen – die Länder mussten entsprechend im Bereich der Personalkosten erheblich investieren. Es ist zwischen offenen, teilweise gebundenen und voll gebundenen Ganztagsschulen zu differenzieren – die große Mehrheit der Ganztagsschulen sind offene Ganztagsgrundschulen, zwischen 2002 bis 2011 waren dies um die 90 Prozent (Marcus et al. 2013).

Auch bei der Nutzung von Ganztagsschulen sind sozioökonomische Unterschiede bei der Nutzung festzumachen: So weisen in Westdeutschland Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien – etwa Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund und/oder aus Transferempfängerhaushalten – eine höhere Wahrscheinlichkeit der Nutzung von Ganztagsangeboten auf. In Ostdeutschland sind Kinder aus sozioökonomisch schwächeren Haushalten tendenziell seltener in Ganztagsschulen vertreten (Marcus et al. 2013).

Ganztagsschulische Angebote sind ein wichtiger Beitrag zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf – mit ihnen ist allerdings auch das Ziel verbunden die Bildungschancen, insbesondere von Kindern aus bildungsfernen Gruppen zu verbessern. In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, qualitativ gute Angebote an Ganztagsschulen vorzuhalten, welche die Entwicklung von Kindern nachhaltig positiv beeinflussen können.

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Autor: C. Katharina Spieß für bpb.de
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