Flüchtlinge am 31.08.2015 am Bahnhof in München.

Zahlen zu Asyl in Deutschland

Infografiken nach Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

15.11.2016
Wie viele Anträge auf Asyl werden in Deutschland gestellt? Wer sind die Antragsteller und woher stammen sie? Und wie viele Anträge sind erfolgreich? Wir stellen die wichtigsten Zahlen zum Thema Asyl und Flüchtlinge monatlich aktualisiert in einfachen Infografiken dar.

Wie viele Asylbewerber und Flüchtlinge sich derzeit in Deutschland aufhalten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Von ihrer Ankunft in Deutschland über die Verteilung in Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer bis zum Stellen des Asylantrags können Tage, manchmal auch Wochen oder Monate vergehen. Zentral erhoben werden nur die Zahlen der gestellten Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Diese Zahlen sowie weitere Daten zu Herkunftsländern, Altersgruppen und Entscheidungsquoten veröffentlicht das BAMF monatlich in seinen »Asylgeschäftsstatistiken«. Weitere Quellen sind die Jahresberichte »2014« und »2015« sowie die Reihe »Aktuelle Zahlen zu Asyl« des BAMF. Die Zahlen zur Registrierung ankommender Asylsuchender (im sogenannten EASY-System) veröffentlichen das BAMF und das Bundesministerium des Innern (BMI) in »monatlichen Pressemitteilungen«.

Hier kommen Sie zu den Grafiken:

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

Wie viele Asylsuchende kommen in Deutschland an?

Wer stellt Asylanträge und woher kommen die Menschen?

Wie viele Asylanträge sind erfolgreich?

Wie viele Asylverfahren bearbeitet das BAMF?

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Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?



Bei Asylverfahren wird seit 1995 zwischen Erst- und Folgeanträgen unterschieden: Beantragt ein Asylsuchender das erste Mal Asyl, liegt ein Erstantrag vor. Wird ein Asylantrag zurückgenommen oder vom BAMF abgelehnt, hat der Asylsuchende die Möglichkeit, einen Folgeantrag zu stellen. Ob ein Folgeverfahren aufgenommen wird, entscheidet das BAMF.





Seit Mitte der 1990er Jahre ging die Zahl der in Deutschland gestellten Asylanträge kontinuierlich zurück. Seit 2007/2008 steigen die Zahlen wieder. 2016 erreicht die Anzahl der Asylanträge einen Höchststand: Zwischen Januar und Oktober 2016 zählte das BAMF bislang 693.758 Erst- und Folgeanträge auf Asyl und damit bereits jetzt mehr als im Vorjahr. 2015 hatten 476.649 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Wichtig dabei ist: Da zwischen der Ankunft der Asylsuchenden in Deutschland und dem Stellen des Asylantrags Wochen oder Monate vergehen können, entspricht die Zahl der gestellten Asylanträge nicht zwingend den tatsächlich in Deutschland ankommenden Asylsuchenden.





Die meisten Asylerstanträge wurden 2015 Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gestellt. Im laufenden Jahr 2016 nahmen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen die meisten Erstanträge entgegen. Diese Bundesländer müssen nach dem sogenannten »Königsteiner Schlüssel« die meisten Asylsuchenden aufnehmen. Der Königsteiner Schlüssel regelt die Verteilung der Asylbewerber auf die einzelnen Bundesländer.





Wie viele Asylsuchende kommen in Deutschland an?



Wie oben erwähnt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie viele Asylsuchende sich tatsächlich in Deutschland aufhalten, da nicht alle Ankommenden sofort einen Asylantrag stellen können. Ankommende Asylsuchende werden zunächst im sogenannten »EASY-System« registriert, einer Software, die die Verteilung der Asylsuchenden auf die Erstaufnahme-Einrichtungen in den Bundesländern regelt. Bei den dort erfassten Asylsuchenden können Fehl- oder Doppelregistrierungen nicht ausgeschlossen werden. Die Zahl der EASY-Registrierungen lag 2015 deutlich höher als die Zahl der gestellten Asylanträge. Von Januar bis Dezember 2015 wurden im EASY-System 1.091.894 Zugänge von Asylsuchenden erfasst. Zwischen Januar und Oktober 2016 wurden bislang 287.363 Zugänge von Asylsuchenden registriert.











Wer stellt Asylanträge und woher kommen die Menschen?



Menschen, die 2015 und im laufenden Jahr 2016 in Deutschland Asyl suchten, stammen aus nahezu allen Altersgruppen: Die Mehrheit der Asylbewerber ist jünger als 40 Jahre. Die größte Gruppe sind Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Mehr Männer als Frauen haben einen Asylantrag gestellt. Die meisten Antragsteller kamen 2015 aus Syrien, gefolgt von Albanien, Kosovo, Afghanistan und Irak.














Wie viele Asylanträge sind erfolgreich?



Das BAMF entscheidet über jeden Asylantrag nach einer inhaltlichen Prüfung. Zu diesen sogenannten Sachentscheidungen gehören die Anerkennung der Rechtstellung als Flüchtling (nach »Art. 16 a GG« und »§ 3 Asylgesetz (AsylG)«), die Gewährung von subsidiärem Schutz (nach »§ 4 AsylG«, siehe Infobox) oder die Ablehnung des Asylantrags. Wird ein Antrag abgelehnt, prüft das BAMF ob ein Abschiebungsverbot vorliegt, weil bspw. eine konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit des Antragstellers im Herkunftsland besteht.

Infobox

Was bedeutet "subsidiärer Schutz"?

Subsidiärer Schutz kann Personen gewährt werden, die nicht die Voraussetzungen des grundgesetzlichen Asylrechts oder der Genfer Flüchtlingskonvention erfüllen, denen im Falle einer Rückkehr in ihr Herkunftsland aber ein "ernsthafter Schaden" (Art. 15 der EU-Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU ) droht. Dies ist der Fall, wenn dort mit:

a) der Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe oder

b) Folter, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung oder

c) einer ernsthaften individuellen Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts gerechnet werden muss.*

* »www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Subsidiaer/subsidiaer-node.html«



Bei bestimmten Verfahren findet keine inhaltliche Prüfung statt, hier trifft das BAMF eine formelle Entscheidung z.B. auf Verfahrenseinstellung, wenn ein Asylbewerber seinen Antrag zurückzieht, oder wenn nach dem sogenannten Dublinverfahren ein anderer europäischer Staat für den Asylsuchenden zuständig ist.





Die Quote der positiv beschiedenen Asylanträge (Anerkennung als Flüchtling, subsidiärer Schutz, Abschiebeverbot), die sogenannte Gesamtschutzquote für Flüchtlinge, lag 2015 bei 49,8 Prozent. Für das laufende Jahr 2016 (Januar bis Oktober) liegt sie bei 63,9 Prozent.





Wie viele Asylverfahren bearbeitet das BAMF?



Beim BAMF werden monatlich mehr Erst- und Folgeanträge gestellt, als die Behörde im selben Zeitraum bearbeiten und entscheiden kann. Die Summe der beim BAMF anhängigen, also noch nicht entschiedenen, Verfahren steigt daher seit Jahren an. Ende Oktober 2016 waren beim BAMF Verfahren von 547.174 Personen anhängig.







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