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Arzt läuft durch Krankenhausflur

14.2.2014 | Von:
Thomas Gerlinger

Gesetzliche und private Krankenversicherung

Ein Hausarzt misst am Mittwoch (01.02.2012) in einer Gemeinschaftspraxis in Stuttgart-Zuffenhausen bei einer Patientin den Blutdruck. (© picture-alliance/dpa)


Die Trennung in eine gesetzliche und eine private Krankheitsvollversicherung ist ein Spezifikum des deutschen Gesundheitssystems. Sie ist gerade unter dem Gesichtspunkt der Solidarität immer wieder heftig diskutiert worden. Die Diskussionen dauern bis heute an.

Bisher hat sich am Nebeneinander der beiden System wenig geändert. Personen ohne Versicherungspflicht in der GKV können zwischen PKV und GKV wählen. Bis Ende 2008 hatten sie auch noch die Möglichkeit, auf jegliche Krankenversicherung zu verzichten. Diese Option steht ihnen seit dem 1.1.2009 nicht mehr offen. Seither gilt eine generelle Krankenversicherungspflicht für alle Wohnbürger in Deutschland. Dieser Schritt wurde mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz 2007 beschlossen. Er war eine Reaktion auf die zuvor deutlich gestiegene Zahl der Nichtversicherten in Deutschland. Alle Wohnbürger in Deutschland müssen sich nun also zwischen diesen beiden Versicherungsformen entscheiden.

Kritiker der Koexistenz von GKV und PKV verweisen vor allem darauf, dass diese Trennung mit dem Solidarprinzip nicht kompatibel sei:
  • Die Existenz einer privaten Krankenversicherung gestatte es Besserverdienenden sowie bestimmten Statusgruppen (Beamten, Selbständigen), sich dem Solidarausgleich zu entziehen. Dies wird als ungerecht empfunden, weil Privatversicherte nicht nur über höhere Einkommen verfügen, sondern obendrein auch noch ein durchschnittlich deutlich geringeres Krankheitsrisiko als GKV-Versicherte aufweisen. So ist die Zahl der privat Krankenversicherten in den letzten Jahrzehnten beständig gestiegen. Der GKV werden dadurch in beträchtlichem Umfang Mittel entzogen.

  • Die GKV werde demgegenüber zu einem Sammelbecken "schlechter Risiken", also von Mitgliedern, die hohe Kosten verursachen. Ihre Mitglieder haben im Vergleich zu privat Versicherten geringere Einkommen und einen durchschnittlich höheren Behandlungsbedarf. Außerdem werden sich chronisch Kranke und kinderreiche Familien in der Regel für die GKV entscheiden, wenn sie zwischen beiden Systemen wählen können.

  • Schließlich werden Privatpatienten bei der Behandlung von Ärzten gegenüber Kassenpatienten bevorzugt. Sie werden bei der Terminvergabe bevorzugt und erhalten oft eine aufwändigere Behandlung.
Befürworter eines Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung verweisen zum einen darauf, dass eine private Krankenversicherung Merkmal einer freiheitlichen Gesellschaft sei. Zum anderen trägt die PKV aus ihrer Sicht auch wesentlich zu einer effektiven und effizienten Versorgung auch in der PKV bei. Diese geschehe vor allem dadurch, dass die hohen Vergütungen für die ambulante Behandlung von Privatversicherten vielen Ärzten finanziell die häufig nicht kostendeckende Versorgung von gesetzlich Krankenversicherte ermöglichen oder erleichtern würde. Hier finde im Grunde eine stille Quersubventionierung der GKV durch die PKV statt. Schließlich sei die PKV auch besonders zukunftssicher, weil sie im Unterschied zur GKV Altersrückstellungen bilde. Diese Altersrückstellungen machten die PKV weniger anfällig für die finanziellen Risiken des demographischen Wandels. Siehe Kapitel: "Versicherungspflicht: Gilt nicht für alle - PKV"
Wissenscheck
Versicherte mit einer privaten Krankheitsvollversicherung

Frage 1 / 1
 
Welche Aussage zur Entwicklung der Versicherten mit einer privaten Krankheitsvollversicherung ist richtig?








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Autor: Thomas Gerlinger für bpb.de
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