Arzt läuft durch Krankenhausflur

1.3.2012 | Von:
Thomas Gerlinger
Wolfram Burkhardt

Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 3: Institutionen und Interessenvertretungen

Neben den staatlichen Akteuren und den Verbänden der gemeinsamen Selbstverwaltung gibt es eine große Zahl von weiteren wichtigen Organisationen im Gesundheitswesen. Dazu gehören die Kammern der freien Berufe, Institutionen wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung sowie viele Interessenvertretungen.
Auf einer Leinwand ist das Logo der Bundesärztekammer am 28.05.2013 auf dem 116. Deutschen Ärztetag in Hannover (Niedersachsen) zu sehen.Die Bundesärztekammer (BÄK) ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Landesärztekammern. (© picture-alliance/dpa)

Kammern, Verbände und nachgeordnete Institutionen

Die wichtigsten Akteure des deutschen Gesundheitswesens auf staatlicher Ebene sowie in der gemeinsamen Selbstverwaltung werden in jeweils einem Lernobjekt vorgestellt. Neben diesen beiden Akteursgruppen mit ganz oder teilweise gesetzlich geregelten Aufgaben gibt es noch eine große Zahl von weiteren "Mitspielern" im Gesundheitswesen, die in diesem Lernobjekt vorgestellt werden.

Zum einen werden Institutionen vorgestellt, die nicht unmittelbar Teil der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen sind, aber in enger Beziehung zu den dortigen Akteuren stehen und ebenfalls öffentliche Aufgaben erfüllen, die teilweise gesetzlich geregelt sind:

Die Ärztekammern und die Bundesärztekammer, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sowie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK). Als eine weitere Vertretung eines Heilberufes wird die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vorgestellt.

Ferner werden einige wichtige Interessenvertretungen aufgeführt: Die Berufs- und Interessenverbände der Ärzteschaft, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Verbände der Arzneimittelhersteller.

Ärztekammern

Die Ärztekammern sind die Berufsvertretungen aller approbierten Ärztinnen und Ärzte und unterliegen der jeweiligen Landesgesetzgebung.

Außer in Nordrhein-Westfalen, wo es zwei Kammern gibt, existiert in jedem Bundesland eine Landesärztekammer. Mitglied der Kammer müssen alle Ärztinnen und Ärzte sein, die in dem betreffenden Land ihren Beruf ausüben – also keineswegs nur die Vertragsärztinnen und -ärzte, sondern auch die in Krankenhäusern, Gesundheitsämtern oder sonstigen Einrichtungen tätigen Ärztinnen und Ärzte. Ende 2010 waren 439.090 Ärztinnen und Ärzte bei der Bundesärztekammer (BÄK) gemeldet (Bundesärztekammer 2010).

Auch für die Psychotherapeutinnen und -therapeuten wurden inzwischen Landespsychotherapeutenkammern sowie eine Bundespsychotherapeutenkammer gebildet, die analoge Aufgaben und Strukturen wie die Ärztekammern haben.

Die Ärztekammern sind selbstverwaltete Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Rechtsaufsicht übt das zuständige Landesministerium aus. Oberstes Entscheidungsgremium ist die von den Kammermitgliedern gewählte Delegierten- oder Kammerversammlung. Die Geschäfte führt der Vorstand, an dessen Spitze eine Präsidentin/ein Präsident und eine Vizepräsidentin/ein Vizepräsident stehen.

Die Ärztekammern haben die Aufgabe, die ärztliche Berufsausübung zu regeln. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört es:
  • eine ärztliche Berufsordnung zu erlassen,
  • die ärztliche Weiterbildung (zur Fachärztin/zum Facharzt für ...) im Rahmen einer Weiterbildungsordnung zu regeln,
  • sich um die ärztliche Fortbildung zu kümmern,
  • über die Einhaltung der Berufspflichten zu wachen (einschließlich der Berufsgerichtsbarkeit),
  • Maßnahmen der Qualitätssicherung festzulegen sowie
  • Schlichtungs- und Gutachterkommissionen für ärztliche Behandlungsfehler ("Kunstfehler") einzurichten.
Ferner nehmen die Ärztekammern, so wie die vergleichbaren Einrichtungen anderer freier Berufe, Aufgaben der Daseinsfürsorge für ihre Mitglieder wahr (Altersversorgungssysteme, Absicherung bei Berufsunfähigkeit usw.).

Ähnliche Strukturen wie bei den Ärztekammern finden sich auch bei den Zahnärzte- und Apothekerkammern.

Die Bundesärztekammer (BÄK)

Die Bundesärztekammer (BÄK) ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Landesärztekammern. Sie ist keine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Wichtigstes Organ der BÄK ist die jährlich einmal tagende Hauptversammlung, der 250 Delegierte aus den einzelnen Ärztekammern angehören und die auch als "Deutscher Ärztetag" bezeichnet wird. Die Hauptversammlung wählt den Vorstand, den eine Präsidentin/ein Präsident und zwei Vizepräsidentinnen/Vizepräsidenten leiten.

Nach ihrer Satzung nimmt die Bundesärztekammer unter anderem folgende Aufgaben wahr:
  • Vertretung der Positionen der Ärzteschaft in Politik und Gesellschaft
  • Hinwirken auf eine möglichst große Einheitlichkeit der ärztlichen Berufsausübung und Weiterbildung durch Beschluss einer Muster-Berufsordnung und einer Muster-Weiterbildungsordnung, an denen sich die Landesärztekammern orientieren sollen
Darüber hinaus nimmt die BÄK auf Bundesebene Funktionen wahr, die die Landesärztekammern in ihren jeweiligen Regionen ausüben (zum Beispiel Förderung der ärztlichen Fortbildung und in der Qualitätssicherung).Der BÄK angegliedert sind eine Reihe von weiteren Institutionen. Beispielhaft sei auf die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) verwiesen: Die AkdÄ informiert die Ärztinnen und Ärzte über eine vernünftige Arzneimitteltherapie sowie insbesondere über Fragen der Arzneimittelsicherheit. Jede Ärztin/jeder Arzt, die/der bei den eigenen Patientinnen und Patienten eine unerwünschte Arzneimittelwirkung feststellt, ist laut Berufsordnung verpflichtet, dies der AkdÄ mitzuteilen, die bei Bedarf ihrerseits im Zusammenwirken mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weitere Maßnahmen veranlasst (vgl. Lernobjekt "Staatliche Akteure").

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Verwandte Lerntour:


Ferner gibt es gemeinsame Einrichtungen von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, wie beispielsweise das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das unter anderem an der Entwicklung von Behandlungsleitlinien für einzelne Krankheitsbilder mitwirkt und auch Informationsangebote für Patientinnen und Patienten bereithält.