Arzt läuft durch Krankenhausflur

1.3.2012 | Von:
Thomas Gerlinger
Michael Noweski

Individualakteurinnen und -akteure

Wer zählt zu den Individualakteurinnen und -akteuren im Gesundheitswesen? Welche Machtverhältnisse herrschen zwischen Leistungserbringenden und Leistungsempfängerinnen und -empfängern?
Im Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) arbeitet die Krankenschwester Karola Müller am 16.07.2013 in Jena (Thüringen) mit einer Blutkonserve.Krankenschwester bei der Arbeit im Institut für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Jena. (© picture-alliance/dpa)

Die Mitglieder der korporatistischen und freien Verbände sind die Individualakteurinnen und -akteure. Sie sind diejenigen, die Gesundheitsleistungen beziehungsweise -güter nachfragen, anbieten oder finanzieren. Das Spektrum der einzelwirtschaftlichen Akteurinnen und -akteure ist denkbar breit. Als grobe Kategorien können Leistungserbringende, Versicherer und Versicherte beziehungsweise Patientinnen und Patienten unterschieden werden.

Unter den Leistungserbringenden sind Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte von besonderer Bedeutung. Die Beziehungen zwischen den Gesundheitsberufen sind durch eine ausgeprägte Dominanz der Ärzteschaft gekennzeichnet. Sie kommt zum Ausdruck im ärztlichen Definitions- und Behandlungsmonopol und der darauf gründenden Weisungsbefugnis von Ärztinnen und Ärzten, insbesondere gegenüber dem Pflegepersonal.

Im Krankenhaus sind Ärztinnen und Ärzte (wie auch die Pflegekräfte) überwiegend als Angestellte tätig. Als abhängig Beschäftigte haben sie dabei durchaus eigenständige Interessen gegenüber ihrem Arbeitgeber, dem Krankenhausträger. Demgegenüber sind Ärztinnen und Ärzte als Niedergelassene in der Praxis selbst kleine Unternehmerinnen und Unternehmer. Ärztinnen und Ärzte spielen nicht nur in der gesundheitlichen Versorgung eine herausgehobene Rolle, sondern haben auch einen großen Einfluss auf die Gesundheitspolitik. Dieser gründet auf ihrer Schlüsselstellung im Versorgungsprozess, auf ihrer Fähigkeit, durch den tagtäglichen Kontakt mit der Patientin/dem Patienten die öffentliche Meinung zu beeinflussen und auf ihren lobbyistischen Verbindungen mit politischen Entscheidungsträgern.

Daneben sind auch andere Gruppen außerordentlich einflussreich. Hervorzuheben sind insbesondere Arzneimittelhersteller, Krankenversicherungen und Krankenhauskonzerne. Der weltweit größte Pharmahersteller, der natürlich auch auf dem deutschen Markt aktiv ist, war 2013 das amerikanische Unternehmen Pfizer Inc. mit einem Umsatz von 51,6 Milliarden US-Dollar. Die größten Hersteller aus Deutschland sind Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG (14.69 Milliarden Euro, 2012), Bayer HealthCare AG (18,92 Milliarden Euro, 2013), Merck KGaA (10,7 Milliarden Euro, 2013). Die größte gesetzliche Krankenkasse war im Jahr 2013 die Barmer GEK mit Erträgen in Höhe von 25,8 Milliarden Euro. Die größten Beitragseinnahmen bei den privaten Krankenversicherungen hatten die Debeka (9,6 Milliarden Euro, 2013), die DKV Deutsche Krankenversicherung AG (4,84 Milliarden Euro, 2013), die Allianz (3,28 Milliarden Euro, 2013) und die Signal (2,77 Milliarden Euro, 2012). Die größten Krankenhauskonzerne sind die Helios Kliniken GmbH (3,4 Milliarden Euro, 2013), Rhön-Klinikum AG (3,02 Milliarden Euro, 2013), Asklepios Kliniken GmbH (2,84 Milliarden Euro, 2013), und Sana Kliniken AG (2,01 Milliarden Euro, 2013).

Eine alte Frau geht am 17.02.2003 durch einen Flur eines Berliner Seniorenheimes auf ihr Wägelchen gestützt.Frau in Berliner Seniorenheim. (© picture-alliance/dpa)
Demgegenüber verfügt die einzelne Paientin/der einzelne Patient aufgrund ihrer/seiner begrenzten materiellen und sonstigen Ressourcen nur über geringe wirtschaftliche und politische Macht im Gesundheitswesen.