Überwachungskamera

14.6.2012 | Von:
Christian Miesner

Jugendkriminalität - Tatsachen und öffentliche Wahrnehmung

Überfälle in der U-Bahn, emotionale Debatten: Spektakuläre Fälle lassen den Eindruck entstehen, dass schwere Gewalttaten unter Jugendlichen stark zugenommen haben. Immer wieder werden schärfere Sanktionen gefordert. Tatsächlich begehen Jugendliche hauptsächlich Bagatelldelikte, und härtere Strafen erscheinen oft kontraproduktiv.

Gewalttaten gilt oft besondere Aufmerksamkeit. Sie erzeugen Furcht, Ratlosigkeit und Unsicherheit. Vor allem nach Gewaltexzessen junger Menschen im öffentlichen Raum werden immer wieder höhere Strafen gefordert. Richtern wird in vielen Fällen vorgeworfen, zu milde zu urteilen. Die abschreckende Wirkung von Strafen ist umstritten. Viele Fachleute fordern stattdessen mehr Prävention. Die Gewaltkriminalität ist zwischen 2007 und 2010 zurückgegangen.Gewalttaten gilt oft besondere Aufmerksamkeit. Sie erzeugen Furcht, Ratlosigkeit und Unsicherheit. Vor allem nach Gewaltexzessen junger Menschen im öffentlichen Raum werden immer wieder höhere Strafen gefordert. Richtern wird in vielen Fällen vorgeworfen, zu milde zu urteilen. Die abschreckende Wirkung von Strafen ist umstritten. Viele Fachleute fordern stattdessen mehr Prävention. Die Gewaltkriminalität ist zwischen 2007 und 2010 zurückgegangen. (© AP)

Kaum ein Kriminalitätsthema ist in den vergangenen Jahren so intensiv diskutiert worden wie das der Straffälligkeit Jugendlicher und Heranwachsender. Dabei wurden im öffentlichen, nicht akademischen Diskurs Forderungen laut, die Strafpraxis zu verändern und härtere Strafen zu verhängen. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die meist von den Medien getragene Debatte mit den jüngsten U-Bahn-Überfällen und dem posthum veröffentlichten Buch "Das Ende der Geduld“ der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig.

Jugendkriminalität = schwere Kriminalität?

Durch die Fokussierung der Berichterstattung auf besonders schwerwiegende Taten entsteht der Eindruck, Jugendkriminalität sei in erster Linie schwere Kriminalität. Darüber hinaus kann durch überregionale Berichterstattung der lokale Zusammenhang der Tat in den Hintergrund gedrängt werden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass von Jugendlichen an jedem Ort eine potenzielle Gefahr ausgehe und dass, wenn es zu Gewalttaten kommt, diese für die Opfer meist schlimme Folgen habe.


Fußnoten

1.
Vgl. Brunner, Dölling: Jugendgerichtsgesetz. Kommentar. 11., neubearb. Aufl. Berlin: de Gruyter (De-Gruyter-Kommentar), 2002, 40ff.
2.
Vgl. Danwitz: Examens-Repetitorium Kriminologie. Heidelberg: Müller (Unirep Jura), 2004, 64.
3.
Vgl.Bundeskriminalamt (Hrsg.): Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2009, Bundesrepublik Deutschland, 2010, 3.
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Die Zahlen sind eindeutig: Jugendkriminalität ist rückläufig. Zugleich gibt es jugendliche Intensivtäter, die für Angst und Gewalt sorgen - an der Schule, im Stadtteil. Diese Täter bestimmen meist auch die öffentliche Diskussion über Jugendkriminalität.

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