Konfliktstoff Kopftuch

Konfliktstoff Kopftuch

Es begann in Baden-Württemberg: 1998 verweigerte das Bundesland der muslimischen Lehrerin Fereshta Ludin die Einstellung in den Schuldienst, weil sie im Unterricht ihr Kopftuch nicht ablegen wollte. Frau Ludin klagte dagegen, der Fall ging bis vor das Bundesverfassungsgericht. Das entschied 2003, ohne besondere Rechtsgrundlage könne einer Lehrerin ihr Kopftuch nicht untersagt werden, und wies die Bundesländer an, entsprechende Gesetze zu schaffen.

Außerhalb der Gerichtssäle läuft die Debatte unvermindert weiter. Offenbar ist das Kopftuch weit mehr als nur ein Stück Stoff. Aber worum geht dann beim "Kopftuchstreit"? Wer steht wo, und warum? Was sind die Argumente? Um das Dickicht zu lichten, trennt "Konfliktstoff Kopftuch" die Debatte in ihre fünf Hauptfragen auf. Einführende Texte verschaffen Überblick, Meinungsführende aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Kultur machen in Statements ihre Position klar.

Es geht zunächst um die politische Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben und leben wollen. Unmittelbar damit verknüpft ist die rechtliche Seite: Das Grundgesetz verankert das Recht auf freie Religionsausübung. Zugleich schreibt es dem Staat und seinen Beamtinnen und Beamten religiöse Neutralität vor – ein unlösbarer Widerspruch? Nicht weniger schillert das Kopftuch in der feministischen Debatte: Kann es auch Zeichen von Emanzipation sein? Und was sagt der Koran? Religionsgelehrte sind sich keineswegs einig über das "Kopftuchgebot". Der Blick ins europäische Ausland hilft schließlich, das spezifisch deutsche Verhältnis von Religion und Staat besser einzuordnen.

Eine Frau mit Kopftuch im Bundestag in Berlin

Die politische Debatte

Nicht nur "ein Stück Stoff"

Der Streit um das Kopftuch spaltet die alten Blöcke von Parteien, Religionen und Interessensverbänden und bringt neue, ungewohnte Allianzen hervor. Warum, erklärt Heiner Bielefeldt: Beim Kopftuch geht es um die Frage, welches Bild die Nation von sich selbst hat. Weiter...

Fereshta Ludin, Vordergrund rechts, und ihr Anwalt Hansjoerg Melchinger, Vordergrund links, verfolgen die Urteilsverkündung des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe am Mittwoch, 24. September 2003. Nach dem Urteil aus Karlsruhe kann das Land Baden-Württemberg einer muslimischen Lehrerin das Tragen eines Kopftuches nur verbieten, wenn es dafuer ein neues Gesetz verabschiedet.

Die juristische Debatte

Religionsfreiheit oder Neutralitätsgebot?

Wessen Religionsfreiheit zählt mehr: die der Lehrenden, oder die der Schülerinnen und Schüler? Gehören auch christliche Symbole aus den Schulen verbannt? Was schreiben Grundgesetz und Verfassungsgericht dem Gesetzgeber vor? Hans Michael Heinig referiert die aktuelle Rechtslage. Weiter...

Islamische Mode in Berlin

Die feministische Debatte

Unterdrückung oder freies Bekenntnis?

Ist das Kopftuch Ausdruck der Unterdrückung der Frau? Oder bringen Frauen damit selbstbewusst ihre Religiösität zum Ausdruck? Yasemin Karakasoglu führt durch die feministische Debatte und macht anschaulich, dass die privaten Motive der Trägerinnen oft quer zu den sozialen Folgen des Kopftuchs steht. Weiter...

Zu sehen ist die europäische Flagge. Durch die Flagge hindurch ist die Quadriga zu sehen, die auf dem Brandenburger Tor in Berlin befestigt ist. (24.03.2007). Hintergrund: Europäer feiern den 50. Jahrestag der Verträge von Rom.

Die europäische Debatte

Das Kopftuch als Zeichen mangelnden Integrationswillens?

Laizismus oder Pluralismus, staatliches Religionsverbot oder Toleranz? Im Streit um das Kopftuch zerfallen die europäischen Nationen in zwei große historische Lager. Heide Oestreich stellt die beiden Seiten gegenüber: Welche Regelungen haben sie für den Umgang mit religiösen Symbolen gefunden? Weiter...

Ein Mann liest im Koran.

Die religiöse Debatte

Schreibt der Koran das Kopftuch vor?

Gerade drei Koranverse äußern sich über die Kleidung der Frau. Claudia Knieps zeichnet nach, wie daraus in Jahrhunderten der Tradierung das "Kopftuchgebot" wurde, und stellt das Spektrum der islamischen Haltungen zum Kopftuch vor. Weiter...

Materialien: Islam in Deutschland

Was ist Islam?

Das arabische Wort "Islam" bedeutet "Hingabe", "Ergebung". Jeder Muslim ist unmittelbar zu Gott und folgt seinen Geboten, die in den "fünf Säulen" als Minimalkonsens aller Muslime festgelegt sind: Glaubensbekenntnis, rituelles Gebet, Fasten, Almosengeben und die Wallfahrt nach Mekka. Weiter...

Materialien: Islam in Deutschland

Islamische Organisationen im Überblick

Die Organisierung des Islam hat von Beginn der 1980er Jahre an stark zugenommen und unterlag zugleich einem stetigen Wandel. Der Weg führte von den "klassischen" "Hinterhofmoscheen" zu einem Netzwerk von Moscheevereinen und islamischen Verbänden. Weiter...

 
Islamische BademodeNewsletter

Jugendkultur, Islam und Demokratie

Wofür stehen Koranverse auf dem T-Shirt? Welche Medien nutzen junge Migranten? Und warum ist für viele muslimische Jugendliche in Deutschland der Nahost-Konflikt so wichtig? Weiter...