Rentenpolitik

Grundlagen: Demografischer Umbruch, Faktoren und Folgen


30.9.2014
Deutschland altert. Die Bevölkerungszahl wird mittel- und längerfristig sinken. Diese Entwicklungen dienen – auch in anderen Ländern – als zentrale Begründungen für deutliche Leistungseinschränkungen in den Alterssicherungssystemen.

Ein Baby liegt im Bett und schläft.Der demografische Wandel ist keine neue Erscheinung: Die erste Generation von Frauen in Deutschland, die erstmals weniger Kinder geboren hat als zum natürlichen Bevölkerungserhalt nötig sind, wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts geboren. (© picture-alliance, Bildagentur-online/Tips )

Bevölkerungsvorausberechnungen



Der demografische Wandel gehört inzwischen, bezogen auf praktisch alle Lebens- und Politikbereiche, zu den meistdiskutierten (und meiststrapazierten) gesellschaftlichen Veränderungen. Im Kern versteht man unter demografischem Wandel die Entwicklung von Bevölkerungszahl und -struktur (v. a. hinsichtlich Alter, nationaler bzw. regionaler Herkunft – Stichwort: Migration – und auch Zusammenleben in Haushalten/Familien; letzteres als Problem im Schnittpunkt von demografischem und sozialem Wandel). Wesentliche Einflussfaktoren sind die Geburtenrate, die Lebenserwartung, Wanderungsbewegungen und auch die Bildung bzw. die Auflösung von Haushalten.

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Irrtümern ist der demografische Wandel keine neue Erscheinung (die z. B. mit dem so genannten "Pillenknick" eingesetzt hätte), sondern begleitet die Menschheit seit ihrem Bestehen. Ein Beispiel: Die erste Generation von Frauen in Deutschland, die erstmals weniger Kinder geboren hatte als zum natürlichen Bevölkerungserhalt nötig sind, wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Ein anderes Beispiel zeigt, Migration, d.h. die Ein- und Auswanderung, begleitet die Geschichte in Europa und in Deutschland über Jahrhunderte.

Zwei Eigenschaften der demografischen Veränderungen müssen berücksichtigt werden:
  • Demografische Prozesse verlaufen erstens in der Tendenz eher schleichend und bleiben damit, vor allem hinsichtlich ihrer Konsequenzen, oft lange außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit.
  • Zweitens sind sie nur schwer bzw. allenfalls langfristig zu beeinflussen. Dafür sind demografische Vorausberechnungen – von Sonderfällen wie Kriegen oder Seuchen abgesehen – zumindest auf mittlere Frist gemeinhin wesentlich sicherer/zuverlässiger als z. B. ökonomische Prognosen.
Allerdings: Langfristige Vorausberechnungen über 30 oder gar 50 und mehr Jahre sind aber ebenfalls höchst unsicher: Letztlich stellen sie immer nur ein mechanistisches Fortschreiben von Trends der Vergangenheit (sog. Stützzeitraum) unter bestimmten Annahmen dar.

Über die Entwicklungen der Vergangenheit gibt es Daten aus vielen Quellen. Spannend ist die Frage, wie sich die Bevölkerung insgesamt und einzelne Gruppen in Zukunft entwickeln werden und welche Prozesse dahinter stehen. Diese Fragen werden heute mit umfangreichen Modellrechnungen angegangen, wobei die Zahl der notwendigen Annahmen und die Einigung auf die Entwicklungstrends einzelner Größen (z.B. Lebenserwartung oder Geburtenrate) von großer Bedeutung für die Ergebnisse sind. In Deutschland werden daher amtliche Bevölkerungsvorausberechnungen durchgeführt. Deren Vorgehen, Annahmen und Ergebnisse werden vom Statistischen Bundesamt publiziert. Im kurzfristigen Zeithorizont kann man von Prognosen sprechen. Alle langfristigen Modellrechnungen sollten jedoch immer als solche auch bezeichnet und in ihren Annahmen und Vorgehensweisen transparent gemacht werden.

Alle Ergebnisse sind also als "Wenn – dann – Aussagen" zu interpretieren. Die amtliche Statistik arbeitet in Deutschland mit den so genannten koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen (kBvb); aktuell ist die 12. kBvb (vgl. Statistisches Bundesamt 2009). Insgesamt enthält die 12. kBvb zwölf verschiedene Varianten und drei Modellrechnungen. Solche Modellrechnungen werden erstellt, um die isolierten Auswirkungen singulärer Veränderungen – z. B. einer extremen Steigerung der Geburtenrate – als Referenz aufzuzeigen.

Geburten, Lebenserwartung, Wanderung



Geburten
Die Geburtenziffer liegt in Deutschland aktuell bei etwa 1,4 Kindern je Frau im gebärfähigen Alter. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Geburtenhäufigkeit in den alten Bundesländern seit Mitte der 70er Jahre relativ stabil ist (nach einem deutlichen Rückgang in der zweiten Hälfte der 60er Jahre. Währenddessen war sie in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung drastisch rückläufig, hat sich aber langsam erholt und auf das westdeutsche Niveau eingependelt (vgl. "Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland 1901-2011").

Der Eindruck, dass der Rückgang der Geburtenziffer erst seit Mitte der 1960er Jahre eingesetzt hat, täuscht aber. Auch hat der Rückgang der Geburten in den 1960-er Jahren nicht nur mit der Freigabe der Pille zu tun, sondern auch mit dem Ende des Wirtschaftswunders durch die (kleine) Krise zur Mitte dieses Jahrzehnts. Die übliche Rede vom "Pillenknick" verkennt, dass es sich bei der rückläufigen Geburtenhäufigkeit um einen sehr langfristigen Trend handelt, der schon Anfang des letzten Jahrhunderts mit dem Übergang in die Industriegesellschaft eingesetzt hat.

Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland 1901-2011Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland 1901-2011 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Mit Blick auf die Zukunft spricht wenig dafür, dass ein insgesamt grundlegender und dauerhafter Umschwung im generativen Verhalten geschehen wird und künftig absehbar eine Geburtenrate (von etwa 2,1) erreicht wird, die die Konstanz der Bevölkerung sichern würde. Das würde voraussetzen, dass die derzeit hohe Quote der Frauen, die kinderlos bleiben, zurück geht und dass zugleich die Kinderzahl je Frau ansteigt. Ein internationaler Vergleich zeigt aber auch, dass Deutschland zu den Staaten mit der niedrigsten Geburtenhäufigkeit zählt und dass in einer Reihe von europäischen Ländern höhere Geburtenziffern (z.B. Frankreich mit fast 2 und Dänemark mit 1,7 Kindern je Frau) realisiert werden. Um ein solches Niveau zu erreichen, müssten allerdings die Rahmenbedingungen für die Entscheidung, ein Leben mit Kindern zu führen, verbessert werden. Das gilt vor allem für die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kindererziehung.

Lebenserwartung
Für die demografische Betrachtung der Lebenserwartung bzw. Sterblichkeit sind von Bedeutung sowohl
  • die durchschnittliche Lebenserwartung (bezogen auf ein neugeborenes Kind) als auch
  • die fernere Lebenserwartung (durchschnittliche Restlebenserwartung von Personen, die ein bestimmtes Alter bereits erreicht haben).
Für die sozialpolitische Betrachtung ist natürlich die gruppenspezifische Differenzierung der Lebenserwartung zusätzlich von größter Bedeutung.

Lebenserwartung von Neugeborenen laut Sterbetafeln 1901/1910-2009/2011Lebenserwartung von Neugeborenen laut Sterbetafeln 1901/1910-2009/2011 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die steigende durchschnittliche Lebenserwartung hat wesentlichen Einfluss auf die Einwohnerzahl. Die niedrige Geburtenhäufigkeit wird teilweise kompensiert. Die fernere Lebenserwartung informiert über die im Durchschnitt noch übrig bleibenden Lebensjahre. Die Summe aus erreichtem Alter und fernerer Lebenserwartung steigt mit zunehmendem Alter, da die Risiken, früh zu sterben, überwunden sind. Die wichtigste Maßgröße ist hier die fernere Lebenserwartung der älteren Menschen (ab einer Altersgrenze von 60 oder 65 Jahren). Die also – in der Regel – nicht mehr erwerbstätig sind und Renten gleich welcher Art erhalten. Da diese Gruppe überwiegend von Einkommensübertragungen lebt, bedeutet eine Verlängerung der ferneren Lebenserwartung, dass sich die Dauer der Übertragungen verlängert und die Ausgaben in den Alterssicherungssystemen steigen.

Fernere Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren 1901-2060Fernere Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren 1901-2060 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die mittlere Lebenserwartung von Neugeborenen liegt 2009/2011 bei 77,7 Jahren (Männer) bzw. 82,7 Jahren (Frauen) (vgl. Abbildung "Lebenserwartung von Neugeborenen laut Sterbetafeln"). Die fernere Lebenserwartung (vgl. Abbildung "Fernere Lebenserwartung im Alter von 60 Jahren 1901-2060") von 60jährigen beträgt 21,3 Jahre (Männer) bzw. 25 Jahre (Frauen). Für die Zukunft kann von einem weiteren, langsamen Anstieg ausgegangen werden. Dafür sprechen die Trends der zurückliegenden Jahre, die internationalen Vergleiche (die Lebenserwartung in Deutschland liegt im Mittelfeld vergleichbarer Länder) sowie die Erwartungen über die Entwicklung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, des medizinisch-technischen und -pharmakologischen Fortschritts und der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung.

Die Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes (mittlere Variante/Basisannahme) gehen für die Zukunft davon aus, dass sich mittlere wie fernere Lebenserwartung bis 2060 kontinuierlich erhöhen und zwar
  • bis auf 83,5 Jahre (Männer) bzw. 88,0 Jahre (Frauen) bei den Neugeborenen und
  • bis auf 26,6 Jahre (Männer) bzw. 30,1 Jahre (Frauen) bei den 60jährigen. Damit werden Männer, die das 60. Lebensjahr erreicht haben, dann im Schnitt 86,6 Jahre und Frauen sogar 90,1 Jahre alt.
Durchschnittliches Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980 - 2012Durchschnittliches Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980 - 2012 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die Zunahme der Lebenserwartung wirkt sich – bei gegebenem Rentenzugangsalter – unmittelbar auf die Systeme der Alterssicherung aus. Ob in kapitalgedeckten oder umlagefinanzierten Systemen – die Renten müssen länger gezahlt werden. Die Daten der Rentenversicherungsstatistik weisen auf das Problem hin (vgl. Abbildung "Durchschnittliches Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980 - 2012"): So betrug die durchschnittliche Bezugsdauer einer Versichertenrente 1960 in den alten Bundesländern 9,9 Jahre und stieg – trotz langfristig gestiegenem Rentenzugangsalter – bis 2012 auf 16,9 Jahre (Männer) und 20,8 Jahre (Frauen).

Wanderungsbewegung
Die zu erwartenden Veränderungen im Umfang und in der Altersstruktur der Bevölkerung hängen darüber hinaus auch stark von der Nettozuwanderung (Zuwanderung nach Deutschland abzüglich von Ab- bzw. Rückwanderungen) ab. In der Vergangenheit haben die Zuwanderungen die jährlichen Geburtendefizite (Saldo von Sterbefällen und Geburten) mehr als ausgeglichen, so dass die Einwohnerzahl in Gesamtdeutschland von 78 Mio. (1970) auf etwa 82,3 Mio. (2000) gestiegen ist, seitdem aber wieder mit Schwankungen langsam sinkt.

Die zukünftige Einschätzung der Nettozuwanderung erweist sich als besonders schwierig. Der Trend der Zuwanderung ist nämlich durch politische Entscheidungen, aber auch von wirtschaftlichen, arbeitsmarktlichen und sozialen Rahmenbedingungen bestimmt. Die empirischen Befunde zeigen, dass die Nettozuwanderung in Zeiten eines eklatanten Arbeitsmarktungleichgewichts mit hoher Arbeitslosigkeit und schwacher konjunktureller Entwicklung rückläufig ist. Bei einem Beschäftigungszuwachs und einer (tatsächlichen oder unterstellten) Kräfteknappheit in bestimmten Sektoren, Berufen und Tätigkeitsprofilen aber nimmt dieser Trend verzögert wieder zu. Nicht zuletzt hängt die Zuwanderung von der Situation in den gegenwärtigen und potenziellen Auswanderungsländern (oder auch in anderen Zuwanderungsländern) ab.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Zuwanderung nach Deutschland sehr stark auch von der Situation in Europa abhängt. Die äußerst schlechte wirtschaftliche Lage in den südlichen Ländern der EU einerseits und die günstige Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland andererseits, führen ab 2010 wieder zu einer steigenden Nettozuwanderung (vgl. Kasten).

Quellentext

Erneuter Anstieg der Bevölkerung für 2013 erwartet

"Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist die Einwohnerzahl Deutschlands im Jahr 2013 erneut angestiegen. Lebten am Jahresanfang noch gut 80,5 Millionen Personen in Deutschland, waren es am Jahresende voraussichtlich knapp 80,8 Millionen Personen. Damit wird es das dritte Jahr in Folge eine Zunahme der Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr geben. Ursache hierfür sind die erneut hohen Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland, die das Geburtendefizit – die Differenz aus Geburten und Sterbefällen – mehr als nur ausgleichen konnten.

Für das Jahr 2013 wird mit 675.000 bis 695.000 lebend geborenen Kindern und 885.000 bis 905.000 Sterbefällen gerechnet. Da die erwartete Zunahme der Geburten etwas geringer ausfällt als die der Sterbefälle, wächst das Geburtendefizit voraussichtlich auf etwa 200.000 bis 220.000 an. Im Jahr 2012 betrug es 196.000; den 870.000 Sterbefällen standen 674.000 Geburten gegenüber.

Die ohnehin schon hohen Wanderungsgewinne in den beiden Vorjahren (2011: + 279.000, 2012: + 369.000) werden der Schätzung zufolge 2013 nochmals übertroffen: Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass sogar erstmals seit 1993 etwas mehr als 400.000 Personen mehr aus dem Ausland zugezogen als ins Ausland fortgezogen sind. Damals hatte der Wanderungssaldo bei 462.000 gelegen."

Quelle: Statistisches Bundesamt (2014), Pressemitteilung.


Insofern ist es kaum möglich, mittel- und längerfristig zuverlässige Prognosen zu erstellen. Die Altersstruktur der Zu- und Abgewanderten ist deshalb von besonderem Interesse, da in der Tendenz die Jüngeren zuwandern, die Älteren abwandern.

Insgesamt weisen alle Anzeichen darauf hin, dass der positive Wanderungssaldo, der in beiden deutschen Staaten und im vereinten Deutschland zwischen 1950 und 1995 über 8 Millionen Menschen betragen hat, nicht abbrechen wird. Obwohl es in einigen Jahren seit Mitte des letzten Jahrzehnts nur eine Netto-Zuwanderung gab, die um die Null pendelte. Ein Abbruch ist längerfristig nicht zuletzt angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung wenig wahrscheinlich. Das Statistische Bundesamt geht in seinen mittleren Varianten von einem durchschnittlichen Wanderungssaldo zwischen 100.000 Personen im Jahr und 200.000 Personen im Jahr ab 2015 aus.

Aber selbst bei einem höheren Wanderungssaldo werden die Zuwanderungsgewinne das Geburtendefizit nicht ausgleichen können. Rückgang und Alterungsprozess der Bevölkerung werden gebremst, nicht aber gestoppt.

Entwicklung der Gesamtbevölkerung und Verschiebung der Altersstruktur



Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1950-2060Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1950-2060 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Im Ergebnis zeigt sich für die beiden genannten mittleren Varianten der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (kBvb) des Statistischen Bundesamtes die in der Abbildung "Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1950-2060" wiedergegebene Entwicklung der Einwohnerzahl in Deutschland. Die Bevölkerungszahl nimmt laut amtlicher Statistik seit 2003 leicht ab und lag Ende 2010 bei ca. 81,8 Mio. Bis 2060 wird nach der "oberen mittleren" Variante eine Zahl von rund 70 Mio., nach der unteren von ca. 65 Mio. Einwohnern errechnet. Die Bevölkerung schrumpft also - allerdings keineswegs dramatisch, denn auch 1960 bestand die Gesamtbevölkerung in Deutschland (BRD und DDR zusammen) "nur" aus knapp 70 Mio. Einwohnern.

In diese Zahlen sind die erst unvollständig zugänglichen Ergebnisse des "Zensus" von 2011 noch nicht eingearbeitet. Der Zensus kommt zu niedrigeren Bevölkerungszahlen als die Fortschreibung (Daraus erklären sich auch einige andere Werte in der oben zitierten Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes).

Entwicklung von Bevölkerung und Altersstruktur 1960 - 2060Entwicklung von Bevölkerung und Altersstruktur 1960 - 2060 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Entscheidender als die Gesamtentwicklung der Bevölkerungszahl (in einem sehr dicht besiedelten Land) ist hingegen die Verschiebung der Altersstruktur: Die Zahl der älteren Menschen wird erheblich steigen, von 16,7 Mio. im Jahr 2008 auf etwa 23 Mio. im Jahr 2060 (vgl. Abbildung "Entwicklung von Bevölkerung und Altersstruktur 1960 - 2060").

Dies bedeutet, dass der Anteil der 65-Jährigen und älteren an der Gesamtbevölkerung sich dadurch deutlich von 20,4 Prozent (2008) auf 32,6 Prozent (2060) erhöht. Mit anderen Worten: Etwa jeder Dritte wird dann zur älteren Generation zählen. Allerdings: Als "ältere Generation" wird hier die Gruppe der 65-Jährigen und Älteren gezählt. Ob die 65- bis 70-Jährigen im Jahre 2060 aber wirklich noch als "alt" gelten oder ob im Zuge der ansteigenden Lebenserwartung und auch eventuell steigenden Alterserwerbstätigkeit die Grenze dann erst ab 70 Jahren gesetzt wird, bleibt zu problematisieren. Bei einer Grenzziehung ab 70 Jahren im Jahr 2060 würde natürlich der Altenanteil an der Bevölkerung entsprechend niedriger ausfallen.

Die Abbildung "Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland Ende 2008 und 2060" zeigt die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland im Vergleich der Jahre 2008 und 2060. Der Anteil der Älteren steigt weiter, am unteren Ende wachsen weniger Junge nach, weil trotz konstanter zusammengefasster Geburtenziffer, weniger Mütter weniger Töchter und diese weniger Enkelinnen zur Welt bringen.

Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland Ende 2008 und 2060Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland Ende 2008 und 2060 (© bpb)
Alterung der geburtenstarken Jahrgänge im Verlauf der Jahre 2010 - 2050Alterung der geburtenstarken Jahrgänge im Verlauf der Jahre 2010 - 2050 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Betrachtet man den Altersprozess über die Zeit, dann lässt sich erkennen, dass es gerade die geburtenstarken Jahrgänge sind ("Baby-Boomer"), die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ins Rentenalter nachrücken (vgl. Abbildung "Alterung der geburtenstarken Jahrgänge im Verlauf der Jahre 2010 - 2050").


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler, Uwe G. Rehfeld für bpb.de

 
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