Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Kumulation von verschiedenen Alterssicherungsleistungen

In einem Alterssicherungssystem mit drei "Säulen" oder "Schichten" ist es normal, dass auf der individuellen Ebene verschiedene Alterssicherungsleistungen bestehen. Angesichts der Reformen der jüngeren Vergangenheit ist das auch politisch intendiert: Betriebliche und private Vorsorge sollen die Kürzungen des Versorgungsniveaus der Gesetzlichen Rentenversicherung, der "ersten Säule", kompensieren.

Präsentation eines Fitnessgeräts für Senioren auf der Freizeit- und Sport-Messe in Köln.Senioren auf der Freizeit- und Sport-Messe in Köln: Betriebliche und private Vorsorge sollen zunehmend die Kürzungen des Versorgungsniveaus der Gesetzlichen Rentenversicherung kompensieren. (© AP)


Angesichts der Rentenreformen der jüngeren Vergangenheit ist dies auch politisch intendiert: Betriebliche und private Vorsorge sollen die Kürzungen des Versorgungsniveaus der Gesetzlichen Rentenversicherung, der "ersten Säule", kompensieren (vgl. Betriebliche und private Altersvorsorge).

Quellentext

Datenquelle: Die Erhebung "Alterssicherung in Deutschland“ (ASID)

Informationen zu dieser Verknüpfung verschiedener Alterssicherungsleistungen und zu den Gesamteinkommen älterer Menschen lassen sich nicht aus der Rentenstatistik entnehmen, da diese als Prozessstatistik allein über die Zahlung der gesetzlichen Renten Auskunft geben kann. Deshalb ist man auf (repräsentative) Befragungsdaten angewiesen. Zentrale Datenquelle ist hier die Erhebung "Alterssicherung in Deutschland“ (ASID).

Die ASID liefert Informationen über die Einkommenssituation der Bevölkerung ab 55 Jahren auf der Ebene von Personen- und Ehepaaren. Den Kern bildet die Erfassung der Höhe der Einkommen aus den unterschiedlichen Einkommensquellen, differenziert nach eigenen und abgeleiteten Leistungen.
Einkommensquellen der älteren Bevölkerung, 2011Einkommensquellen der älteren Bevölkerung, 2011 (© bpb)
Nach den Ergebnissen der ASID (siehe Kasten) machen die gesamten Renten aus der Gesetzlichen Rentenversicherung deutschlandweit knapp Zweidrittel des gesamten Bruttoeinkommens aller Seniorenhaushalte mit einer Bezugsperson ab 65 Jahre aus (vgl. Abbildung "Einkommensquellen der älteren Bevölkerung 2011"). Aus anderen Alterssicherungssystemen stammt knapp ein weiteres Fünftel, aus der privaten Vorsorge noch einmal ein Zehntel. Der Rest verteilt sich auf Transferleistungen und "sonstige Einkommen".

Von Interesse ist nun die Verknüpfung dieser Einkommensquellen.

Die Tabelle zeigt die häufigsten Kombinationen verschiedener Alterssicherungsleistungen bei der Bevölkerung ab 65 Jahre/alte Länder nach sozialer Stellung:
  • Als häufigste Form des Zusammentreffens von Leistungen aus verschiedenen Systemen erweist sich der Bezug einer Betriebsrente neben einer gesetzlichen Rente. Diese Konstellation trifft auf 14 Prozent der gesamten Bevölkerung ab 65 Jahren zu (bei den Männern auf 30%).

  • In 8 Prozent der Fälle fällt eine GRV-Versichertenrente mit einer Rente aus der Zusatzversorgung für Arbeiter und Angestellte des Öffentlichen Dienstes zusammen. Der gemeinsame Bezug einer gesetzlichen Rente und einer Pension aus der Beamtenversorgung lässt sich in 2 Prozent der Fälle feststellen.

Häufige Kumulationsformen eigener Alterssicherungsleistungen nach früherer sozialer Stellung 2011

Bevölkerung ab 65 Jahre, in Prozent

Alterssicherungsleistung(en)Arbeiter/ Angestellte zuletzt SelbstständigeBeamte
Nur eigene GRV 68 61 3
Nur eigene BV 0 0 57
Nur eigene AdL 0 10 -
Eigene GRV/BAV 17 4 -
Eigene GRV/ZöD 11 1 0
Eigene GRV/BV 0 0 35
Eigene GRV/AdL 0 8 -
Keine ASL 3 10 2
Sonstige 1 6 2
Gesamt 100 100 100

GRV: Gesetzliche Rentenversicherung, BV: Beamtenversorgung, AdL: Altersversicherung der Landwirte, BAV: Betriebliche Altersversorgung, ZÖD: Zusatzversorgung Arb./Ang. Öff. Dienst, ASL: (Sonstige) Alterssicherungsleistung
Quelle: Eigene Zusammenstellung nach Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2013), S. 88 ff.

Diese Ergebnisse belegen aber auch, dass im Jahr 2011 die Mehrheit der ab 65jährigen über keine zusätzlichen Alterssicherungsleistungen verfügt, sondern nur auf die gesetzliche Rente angewiesen ist (bei 68 Prozent der früheren Arbeiter und Angestellten und auch bei 61 Prozent der ehemaligen Selbstständigen ist das der Fall).

Der Verweis auf die zweite Säule als Kompensation der Kürzungen im Leistungsniveau im Bereich der ersten Säule ist deshalb problematisch, da – zumindest 2011 – nur 17 Prozent der früheren Arbeiter/Angestellten über Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung plus 10 Prozent über solche aus der (dort fast flächendeckenden) Zusatzversorgung für Arbeiter und Angestellte des Öffentlichen Dienstes verfügten. Besonders in kleineren und mittleren Betrieben ist die betriebliche Altersvorsorge immer noch wenig verbreitet (vgl. Betriebliche Altersversorgung).

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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