Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Elemente der Einkommen im Alter

Welche Funktion haben die Regelsysteme bei den Gesamteinkommen im Alter? Wie setzen sich die Daten zusammen und welche Bedeutung ergibt sich?

Ein selbständiger Arzt in seiner PraxisSelbständiger Arzt: Viele Selbstständige haben eine andere Form der Altersvorsorge; einige sind in der Gesetzlichen Rentenversicherung, manche haben gar keine Altersvorsorge. (© picture-alliance, Bildagentur-online/Tetra-Images)


Dominanz der Regelsysteme

Die Abbildung "Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, alte Bundesländer 2011" enthält für die alten Bundesländer die Bezieherquoten von Zahlungen aus der eigenen Alterssicherung sowie die jeweiligen durchschnittlichen Bruttobeträge für über 65-Jährige auf Basis der aktuellsten Erhebung ASID 2011 (vgl. Alterseinkünfte der älteren Bevölkerung − Ein komplexer Untersuchungsgegenstand).

Die für die jeweiligen Bezieher dominanten Einkommensgrößen sind - als Konsequenz aus der oben geschilderten Situation die GRV und die Beamtenversorgung (mit Bezieherquoten, die ihren Bevölkerungsanteilen entsprechen). Bei der berufsständischen Versorgung von Freiberuflern/Selbstständigen ist das Bild heterogener: Die gezahlten Durchschnittsbeträge sind relativ hoch, die Bezieherquoten aber gering. Viele Selbstständige haben eine andere (private) - manche auch keine - Form der Altersvorsorge; einige sind in der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, alte Bundesländer 2011Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, alte Bundesländer 2011 (© bpb)
Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, neue Bundesländer 2011Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, neue Bundesländer 2011 (© bpb)


In den neuen Bundesländern sehen die Verhältnisse etwas anders aus. Wie aus der Abbildung "Einkommensquellen der Personen ab 65 Jahren, neue Bundesländer 2011" ersichtlich, haben hier weder die betriebliche Alterssicherung noch die weiteren Systeme der ersten Ebene eine wirkliche Bedeutung. Die Gesetzliche Rentenversicherung umfasst praktisch die gesamte Bevölkerung; der Aufbau der betrieblichen Altersversorgung (auch im öffentlichen Dienst) kommt nur sehr langsam voran.

Höhere Betriebsrenten bei höheren GRV-Renten

In Ost- aber auch in Westdeutschland sind die Beträge aus den betrieblichen Zusatzsystemen wesentlich geringer als diejenigen aus den Regelsystemen. Hinzu kommt (vgl. unten Tabelle "Einkommen von Rentnerhaushalten nach Haushaltseinkommensklassen ..."), dass es im Allgemeinen gerade nicht diejenigen Rentnerinnen und Rentner mit den geringeren Rentenzahlbeträgen sind, die über eine betriebliche Altersversorgung aus der zweiten Säule verfügen. Wenn dies dennoch der Fall ist, sind die Beträge im Durchschnitt als Ergänzung zwar nicht unerheblich, aber doch nicht so hoch.

Einkommen von Rentnerhaushalten nach Haushaltseinkommensklassen und ausgewählte Einkommensbestandteile 2013

Haushaltseinkommen von … bis unter … Euro
Haus-
halte insg.
unter 900900 - 1.3001.300 - 1.5001.500 - 2.0002.000 - 2.6002.600 - 3.6003.600 - 5.0005.000 - 18.000
Anteil an allen Rentnerhaus-
halten (in %)
100 11 16 8 19 18 17 74
Bruttoeinkommen aus unselbst-
ständiger Arbeit
82(8)303344 59105 212 543
Einnahmen aus Vermögen 412 -11511042294246581.0542.212
Einkommen aus öffentl. Transfer-
zahlungen
1.6708291.0741.3031.5201.849 2.247 2.595 2.823
darunter:
(Brutto)Renten der gesetzl. Rentenvers. 1.470700 976 1.175 1.388 1.673 1.995 2.136 2.147
Einkommen aus nichtöffentl. Transfer-
zahlungen
236 265793119 158275 651 1.803
darunter:
(Brutto)Werks- und Betriebsrenten130 (4)142545 76164 462 1.045
Haushaltsbrutto-
einkommen
2.438854 1.217 1.543 1.822 2.506 3.312 4.618 7.866
abzüglich:
Einkommen- u. Kirchensteuer, Solidaritäts-
zuschlag
30 / (3) / 5 15 25 97 356
Pflichtbeiträge
zur Sozial-
versicherung
211 87 113 145 171 216 284 405 568
Haushaltsnetto-
einkommen
2.206767 1.103 1.399 1.750 2.282 3.014 4.139 6.997

Quelle: Statistisches Bundesamt (2015a), S. 108 (EVS).


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