Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Gesamteinkommen von Seniorenhaushalten

Renten und andere Einkommen

Für die Seniorenhaushalte, also diejenigen Haushalte, deren Bezugsperson (normalerweise diejenige Person, die das Haupteinkommen bezieht) 65 Jahre alt oder älter ist, ermittelte die Studie ASID 2011 die Struktur der Einkommenskomponenten am gesamten Bruttoeinkommen.

Seniorenpaar auf einer Bank in Siebenbrunn, Österreich.Seniorenpaar in Österreich: Bei dem vergleichsweise hohen Haushaltsnettoeinkommen von Ehepaaren ist zu beachten dass davon zwei Personen leben müssen. (© picture-alliance/dpa, Themendienst)

Anteile von Einkommenskomponenten am Bruttoeinkommen 2011

in Prozent

Gesetzliche Renten-versicherung Andere Alters-sicherungs-leistungenPrivate VorsorgeTransfer-leistungenRestliche Einkommen
Deutschland
Ehepaare 57 21 10 1 12
Alleinstehende Männer 62 22 9 1 6
Alleinstehende Frauen 72 17 7 1 4
Alte Länder
Ehepaare 51 25 11 1 12
Alleinstehende Männer 58 25 9 1 6
Alleinstehende Frauen 67 20 8 1 4
Neue Länder
Ehepaare 85 3 3 0 9
Alleinstehende Männer 86 4 4 1 6
Alleinstehende Frauen 94 1 2 0 2

Quelle: Deutscher Bundestag (2013), S. 97 (ASID 2011)

Die Leistungen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung machen unter Berücksichtigung aller anderen Einkommen im Alter (wie Einkommen aus Vermögen, Erwerbstätigkeit usw.) mit 65 Prozent rund Zweidrittel des Bruttoeinkommensvolumens von Seniorenhaushalten in Deutschland aus.

Überdurchschnittlich hoch ist dieser Anteil bei Frauen und in den Neuen Bundesländern.

Neben der Rente werden relativ weniger andere Einkommen erzielt. Unter den "anderen Alterssicherungsleistungen" dominiert die Beamtenversorgung (daher ist der Anteil dieser Einkommenskomponente in Ostdeutschland sehr niedrig). Der höhere Anteil der "Restlichen Einkommen" bei Ehepaaren ist zum Teil durch eine noch berufstätige (meist jüngere) Ehefrau bedingt, teilweise auch durch die ansteigende Erwerbstätigkeit im Rentenalter und durch die längere Erwerbstätigkeit bei Selbstständigen.

Hohe und niedrige Renten und das Brutto-Haushaltseinkommen

Sozialpolitisch von besonderem Interesse ist der Zusammenhang zwischen der Höhe der individuellen gesetzlichen Altersrente von Älteren und der durchschnittlichen Höhe der Haushaltsbruttoeinkommen. Sehr niedrige Renten bedeuten, wie mehrfach angesprochen, keinesfalls, dass diese Personen auch in jedem Fall über ein nur geringes Haushaltsbruttoeinkommen verfügen.

Solche sehr geringen individuellen GRV-Renten sind meist durch kurze Beitragszeiten bedingt (Frauen mit Familienpause bzw. anschließend nur begrenzter Erwerbsintegration; Personen mit Statuswechsel von sozialversicherter Beschäftigung in die Selbstständigkeit oder ins Beamtenverhältnis). Vereinfacht gesagt haben diese Statuswechsler normalerweise dann anderweitige und meist durchaus höhere Alterseinkommen. Als Problemgruppe sind dabei aber teilweise die "Solo-Selbstständigen" anzusehen.

Bei den ehemals als Arbeiter bzw. Angestellte tätigen Personen mit geringen bis mittleren Einkommen ist oft trotz z. T. durchaus langen Beitragszeiten die gesetzliche Rente eher niedrig − und es kommen sehr oft keine oder nur sehr geringe andere Alterseinkommen hinzu. Solche zusätzlichen Alterseinkünfte − vor allem aus privater und/oder betrieblicher Altersvorsorge finden sich häufiger und mit höheren Beträgen erst bei Rentnern bzw. Rentnerhaushalten mit bereits relativ hohen Renten aus der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Bei alleinstehenden Männern und bei Ehepaaren ist − im Übrigen in allen Datenquellen − ein relativ deutliches West-Ost-Gefälle der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen zu konstatieren. Bei den alleinstehenden Frauen ist dieser Unterschied, bedingt durch die vollständigeren Erwerbsbiographien ostdeutscher Frauen und die höheren Witwenrenten im Westen, eher gering.

Bei dem vergleichsweise höheren Haushaltsnettoeinkommen von Ehepaaren ist zu beachten dass davon zwei Personen leben müssen. Wird das Haushaltseinkommen pro Kopf betrachtet - auch unter Berücksichtigung einer Bedarfsgewichtung als Nettoäquivalenzeinkommen - verringert sich die Einkommens- und Versorgungslage entsprechend.

Unbenommen der aufgezeigten Differenzierungen ist immer das für viele Rentnerhaushalte an sich bereits niedrige Niveau ihrer Haushaltseinkommen zu beachten (vgl. Tabelle "Einkommen von Rentnerhaushalten nach Haushaltseinkommensklassen"). Durchschnittlich lag 2013 das Haushaltsbruttoeinkommen von Rentnerhaushalten bei 2.438 Euro. Bei 11 Prozent dieser Haushalte lag der Betrag unter 900 Euro, bei weiteren 16 Prozent zwischen 900 und 1.300 Euro.

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