Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Struktur und Entwicklung der Rentenzahlen

Monat für Monat zahlt die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) etwa 25,3 Mio. Renten, zu zwei Dritteln Versichertenrenten (Alters- und Erwerbsminderungsrenten) und zu einem Drittel Hinterbliebenenrenten. Da eine Person mehrere Renten beziehen kann, nämlich neben einer Versichertenrente auch eine Hinterbliebenenrente, ist die Zahl der RentnerInnen mit 20,3 Mio. deutlich geringer als die der gezahlten Renten.

Rentner auf einer Demonstration gegen die Rentenpolitik in Berlin am 28.10.1999Da eine Person mehrere Renten beziehen kann, nämlich neben einer Versichertenrente auch eine Hinterbliebenenrente, ist die Zahl der RentnerInnen mit 20,6 Mio. deutlich geringer als die der gezahlten Renten. (© ddp/AP)


Rentenbestand nach Rentenarten, Männer und Frauen, 2014Rentenbestand nach Rentenarten, Männer und Frauen, 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 55 KB) (© bpb)
Monat für Monat zahlt die GRV etwa 25,3 Mio. Renten (vgl. Abbildung "Rentenbestand nach Rentenarten 2014"), zu 77 Prozent Versichertenrenten (Alters- und Erwerbsminderungsrenten) und 23 Prozent Hinterbliebenenrenten.

Da eine Person mehrere Renten beziehen kann, nämlich neben einer Versichertenrente auch eine Hinterbliebenenrente, ist die Zahl der RentnerInnen mit 20,6 Mio. deutlich geringer als die der gezahlten Renten. Etwa 4 Mio. Personen, d.h. knapp ein Fünftel aller RentnerInnen, bezogen 2014 zugleich mehrere Renten (Kumulation), dabei zumeist eine eigene Versichertenrente und eine abgeleitete Hinterbliebenenrente. Dies betrifft weit überwiegend Frauen.

Zahl der Rentnerinnen und Rentner 2014

Jahresmitte1

Rentner insgesamtEinzelrentnerMehrfach- rentner3
insgesamtVersicherten- rentenWitwen-/ Witwerrenter2
Alte Bundesländer
Männer 7.119.092 6.772.751 6.699.828 72.923 346.341
Frauen 9.486.855 6.717.133 5.657.310 1.059.823 2.769.722
Insgesamt 16.605.947 13.489.884 12.357.138 1.132.746 3.116.063
Neue Bundesländer
Männer 1.676.462 1.515.931 1.491.582 24.349 160.531
Frauen 2.334.634 1.551.535 1.441.588 109.947 783.099
Insgesamt 4.011.096 3.067.466 2.933.170 134.296 943.630
Deutschland
Männer 8.795.554 8.288.682 8.191.410 97.272 506.872
Frauen 11.821.489 8.268.668 7.098.898 1.169.770 3.552.821
Insgesamt 20.617.043 16.557.350 15.290.308 1.267.042 4.059.693

1am 01. Juli
2Einschließlich Erziehungsrentner
3Mehrfachrentner zeitgleicher Bezug von Versicherten- und Hinterbliebenenrente
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund 2015, Rentenversicherung in Zahlen.

Versichertenrenten und Hinterbliebenenrenten im Bestand 1992 – 2014Versichertenrenten und Hinterbliebenenrenten im Bestand 1992 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 66 KB) (© bpb)
Wie die Zahl der Versicherten so steigt auch die Zahl der Renten seit Jahren an (vgl. Abbildung "Versichertenrenten und Hinterbliebenenrenten im Bestand 1992-2014"). Abgesehen von der mit dem Einbezug der Ost-RentnerInnen in die GRV im Zuge der Vereinigung erfolgten sprunghaften Zunahme spiegelt diese Entwicklung ganz unterschiedliche Einflussgrößen wider.

Hier sind insbesondere zu nennen:
  • die Alterung der Bevölkerung (Anstieg von Zahl und Anteil der Älteren, wobei der Effekt noch relativ gering ist, da die geburtenstarken Jahrgänge des sog. "Babybooms“ noch einige Jahre im Erwerbsalter sind.) und die Zuwanderung,
  • die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit,
  • die Ausdehnung des Versichertenkreises,
  • die rentenbegründende Anrechnung von Kindererziehungszeiten,
  • das niedrige Rentenzugangsalter.
Durchschnittl. Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980 – 2014Durchschnittl. Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 76 KB) (© bpb)
Die Zahl der RentnerInnen wird schließlich auch durch die Rentenbezugsdauer beeinflusst. Von 1980 bis 2014 hat sich die Rentenbezugsdauer laufend erhöht, so in den alten Bundesländern, wie die Abbildung "Durchschnittliches Rentenzugangsalter und Rentenbezugsdauer 1980-2014 zeigt, von durchschnittlich 11,0 Jahren (Männer) bzw. 13,8 Jahre (Frauen) auf 17,2 Jahre (Männer) bzw. 21,4 Jahre (Frauen).

Verursacht wird dieser Anstieg durch die Doppelwirkung des über viele Jahre hinweg gesunkenen (seit etwa 2000 aber leicht wieder ansteigenden) Rentenzugangsalters einerseits und der steigenden Lebenserwartung andererseits. Durch die Anhebung der Altersgrenzen scheint dieser Prozess, der die Rentenfinanzen belastet, aber aktuell zum Stillstand zu kommen.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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