Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Formen der Verbindung von Erwerbstätigkeit und Erwerbseinkommen mit dem Bezug von Renten

Um das Feld einer "Erwerbstätigkeit trotz Rente" und einer "Erwerbstätigkeit im Rentenalter" abzustecken, lässt sich unter Berücksichtigung der derzeitigen rentenrechtlichen Regelungen zwischen unterschiedlichen Personengruppen und Fallkonstellationen unterscheiden. Berücksichtigt werden dabei aber nur jene, die auch Versicherte der Gesetzlichen Rentenversicherung sind (für Selbstständige ohne Rentenanwartschaften bzw. -bezug gelten besondere Bedingungen).

Ältere Marktfrau bei der ArbeitÄltere Marktfrau bei der Arbeit: Längeres Arbeiten ist durch eine verringerte Sicherung durch die GRV auch mit der Vorstellung eines Hinzuverdienstes im Alter verbunden. (© fotolia/ Jeanette Dietl)

Erwerbstätigkeit und Rentenbezug

  • Es gibt mehrere Möglichkeiten, neben dem Bezug einer Rente zu arbeiten: Hinzuverdienende RentnerInnen, die eine vorgezogene Altersrente (für langjährig Versicherte, für Schwerbehinderte, besonders langjährige Versicherte) oder eine Vollrente wegen Erwerbsminderung erhalten und deren Erwerbsbeteiligung sich auf den Bereich der geringfügigen Beschäftigung (Minijob) begrenzt (vgl. Altersrenten und Altersgrenzen).

  • Erwerbstätige RentnerInnen, die eine Regelaltersrente beziehen und deren Verdienstmöglichkeiten unbegrenzt sind – sei es im Bereich abhängiger oder selbstständiger Beschäftigung.

  • RentnerInnen, die vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine um Abschläge geminderte Teilrente (zwei Drittel, ein Drittel oder hälftig) beziehen und für die dementsprechend höhere Einkommensgrenzen bestehen und die im Rahmen ihres Restverdienstes zusätzliche Entgeltpunkte erwerben (vgl. Altersrenten und Altersgrenzen).

  • RentnerInnen, die (unabhängig von einer Altersgrenze) eine Teilrente wegen Erwerbsminderung erhalten. Diese Rente geht ausdrücklich von der Annahme aus, dass im Bereich zwischen 3 und 6 Stunden täglicher Arbeitszeit noch eine Erwerbstätigkeit möglich ist und dass die Rente das entsprechend verringerte Erwerbseinkommen aufstockt (vgl. Erwerbsminderungsrenten).

Erwerbstätigkeit über die Regelaltersgrenze hinaus, aber ohne Rentenbezug

Das Rentenrecht sieht die Möglichkeit vor, den Bezug der Regelaltersrente hinauszuschieben, sofern der bisherige oder auch ein neuer Arbeitgeber einem unbefristeten oder befristeten (neuen) Arbeitsverhältnis zustimmt Für jeden Monat des späteren Renteneintritts (ab 2012: 65 Jahre + Heraufsetzungsmonate) wird die spätere Rente um einen Zuschlag von 0,5 Prozent erhöht.

Ehrenamtliche Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung und Rentenbezug

Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten, die gerade für ältere Menschen im Ruhestand eine hohe Bedeutung haben, spielt "Geld" eigentlich keine Rolle. Tatsächlich werden jedoch häufig Aufwandsentschädigungen gezahlt, so dass nicht immer klar ist, ob es sich nicht doch um eine geringfügige Beschäftigung handelt.

Altersteilzeit

Die Altersteilzeit setzt vor dem Erreichen der rentenrechtlichen Altersgrenzen an und wird weit überwiegend in der Form des Blockmodells und eben nicht (wie es der Begriff Teilzeit vorgibt) in Form des Gleichverteilungsmodells angewendet. Sie weist insofern kein Nebeneinander, sondern ein Nacheinander von Erwerbstätigkeit und Einkommensersatzbezug auf, so dass die Passivphase als "vorgezogener Ruhestand" angesehen werden kann. Bei der eigentlichen Teilzeit hingegen überlagern sich Erwerbstätigkeit und Transferleistungen, allerdings erfolgt die finanzielle Absicherung nicht durch die Systeme der Alterssicherung, sondern durch den Arbeitgeber (und unter bestimmten Bedingungen bis Ende 2009 durch eine ergänzende Aufstockung der Bezüge durch die Bundesagentur für Arbeit).

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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