Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Empirische Befunde: Erwerbstätigkeit, versicherungspflichtige Beschäftigung und geringfügige Beschäftigung

Im Detail ist unklar, wie groß die Personengruppen und wie ihre Motive sind, die neben dem Rentenbezug einer Erwerbstätigkeit nachgehen und deren Alterseinkommen damit durch Erwerbseinkünfte flankiert oder gar bestimmt wird. Erst recht ist zu wenig bekannt, wie hoch die jeweiligen Einkommen sind, die hier erzielt werden und welchen Beitrag sie zum Gesamteinkommen leisten. Offen bleibt schließlich, wie sich die materielle Lage ändert, wenn mit fortgeschrittenem Alter und unter verschlechterten körperlichen und psychischen Bedingungen die Erwerbstätigkeit endgültig aufgegeben werden muss und das Zusatzeinkommen aus Erwerbstätigkeit entfällt.

Mitarbeiterin in einem SupermarktÄltere Mitarbeiterin in einem Supermarkt: Auffällig ist, dass zwar ab 65 Jahren ein unbegrenzter Verdienst möglich ist, sich aber die Beschäftigten in einem sehr hohen Maße auf ein Einkommen von bis zu 400 Euro beschränken. (© picture-alliance/dpa)


Erwerbstätigkeit

Erwerbstätige und Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe 65 Jahre u. älter, 2000 – 2014Erwerbstätige und Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe 65 Jahre u. älter, 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 63 KB) (© bpb)
Für die Erwerbstätigkeit der ab 65-Jährigen gilt, was sich schon für die Altersjahre kurz vor der Regelaltersgrenze andeutet: Die Erwerbstätigenquoten und die Zahl der Erwerbstätigen sowie diejenige der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind in den letzten Jahren zwar gestiegen, verbleiben aber auf niedrigem Niveau. So hat die Erwerbstätigenquote der ab 65-Jährigen in den letzten Jahren von 2,6 (2000) auf 5,6 Prozent (2014) zugenommen. Sie liegt bei Männern höher als bei Frauen (vgl. Abbildung " Erwerbstätige und Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe 65 Jahre u. älter, 2000 – 2014").

Die Erwerbstätigkeit konzentriert sich dabei im hohen Maße auf Selbstständige und mithelfende Familienangehörige. Eine Betrachtung der Gruppe nach sozialstrukturellen Merkmalen macht darüber hinaus deutlich: Der Bildungsstand der Erwerbstätigen ist im Vergleich zu den Nicht-Erwerbstätigen überdurchschnittlich hoch und die meisten sind teilzeitbeschäftigt.

Versicherungspflichtige Beschäftigung

Bei einer Betrachtung allein der versicherungspflichtig Beschäftigten fallen die Zahlen naturgemäß geringer aus, da die Selbstständigen, die mithelfenden Familienangehörigen und auch die geringfügig Beschäftigten nicht mitgezählt werden. So zählt die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit für März 2015 nur noch knapp 212.000 Personen im Alter ab 65 Jahren, die als abhängig Beschäftigte der Versicherungspflicht unterliegen (allerdings nicht mehr der Rentenversicherungspflicht, hier zahlt nur noch der Arbeitgeber die Beiträge).

Geringfügig Beschäftigte, 65 Jahre und älter, 2003 – 2014Geringfügig Beschäftigte, 65 Jahre und älter, 2003 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 52 KB) (© bpb)
In den Altersgruppen oberhalb der (bisherigen) Regelaltersgrenze waren 2014 rund 918.000 Personen (11,8 Prozent der gesamten Gruppe) geringfügig beschäftigt. Hier dürfte es sich weit überwiegend um RentnerInnen handeln. So ist auch verständlich, dass es sich weit überwiegend um eine Hauptbeschäftigung handelt und die (geringfügige) Nebenbeschäftigung in diesem Alter unbedeutend ist. Auffällig ist, dass zwar ab 65 Jahren ein unbegrenzter Verdienst möglich ist, sich aber die Beschäftigten in einem sehr hohen Maße auf ein Einkommen von bis zu 450 Euro beschränken (vgl. "Abbildung Geringfügig Beschäftigte 65 Jahre und älter, 2003 – 2014").

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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