Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Die 2. und 3. Säule: Betriebliche und private Altersvorsorge

Zur betrieblichen Altersversorgung zählen die betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft und die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Nur für eine sehr kleine Gruppe älterer Menschen basiert die Alterssicherung hauptsächlich auf privater Vorsorge. Allerdings nimmt für eine wachsende Zahl von Menschen die private Vorsorge eine ergänzende Funktion ein.

Zwei Aktenordner mit der Aufschrift Vorsorge und Versicherungen, ein Kugelschreiber und verschiedene Unterlagen liegen auf einem Tisch.Welche Bedeutung den zahlreichen Formen der Vermögensnutzung und -auflösung im Alter zukommt, ist empirisch schwer fassbar - längst nicht alle Formen der Vermögensbildung dienen direkt der Altersvorsorge. (© N-Media-Images - Fotolia.com)


Betriebliche Altersversorgung

Zur betrieblichen Altersversorgung zählen die betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft und die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Während die betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft weit überwiegend auf freiwilligen Zusagen der Arbeitgeber beruht (bzw. tarifvertraglichen Vereinbarungen) und damit nur einen Teil der Beschäftigten erfasst, bezieht die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und vergleichbarer Bereiche durch tarifvertragliche Regelungen ein. Charakteristisch für beide ist, dass ihre Leistungen andere Altersrenten, im Regelfall solche der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), ergänzen und aufstocken. Gezahlt werden Renten wegen Erreichen der Altersgrenze, Hinterbliebenenrenten sowie Renten wegen Erwerbsminderung (dazu im Detail vgl. Betriebliche Altersversorgung).

Die betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft hat in Deutschland lange Jahre eine eher nachrangige Rolle gespielt. Durch den ab 2000 eingeleiteten Richtungswechsel in der Renten- und Alterssicherungspolitik, der sich durch eine kontinuierliche Absenkung des Rentenniveaus in der GRV und zugleich einer öffentlichen Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge charakterisieren lässt, wächst ihr Gewicht. Insbesondere die neu eingeführte Möglichkeit zur Entgeltumwandlung, die durch eine Vielzahl von Tarifverträgen flankiert wird, dürfte dazu führen, dass die Zahl der Personen, die eine betriebliche Altersrente beziehen, in Zukunft deutlich wachsen wird.

Die Informationen über den Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung in der Privatwirtschaft sind nicht aus Routinestatistiken sondern nur aus Studien verfügbar: Im Jahr 2013 hatten 17,8 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst Anwartschaften auf eine Betriebsrente erworben, das entspricht (wenn man die Mehrfachnennungen ausklammert) etwa 60 % der Beschäftigten. Gut jede zweite Betriebsstätte in der Privatwirtschaft verfügt über ein Versorgungssystem.

Zur Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst gehören die Versorgungseinrichtungen der Beschäftigten von Kommunen, Bund und Ländern, der ehemaligen Mitarbeiter von Bundesbahn und Bundespost sowie vieler kirchlicher Träger und von Wohlfahrtsverbänden. Es handelt sich um ein tariflich vereinbartes Pflichtsystem, das die meisten der hier Beschäftigten einbezieht.

Private Vorsorge

Nur für eine sehr kleine Gruppe älterer Menschen basiert die Alterssicherung hauptsächlich auf privater Vorsorge (Bildung von Grund-, Produktiv- und Geldvermögen, Abschluss von Lebensversicherungen). Allerdings nimmt für eine wachsende Zahl von Menschen die private Vorsorge eine ergänzende Funktion ein. Dieser Trend wird sich durch die öffentliche Förderung im Rahmen der "Riester-Rente" noch verstärken (im Detail vgl. Private Altersvorsorge und öffentliche Förderung).

Welche Bedeutung den zahlreichen Formen der Vermögensnutzung und -auflösung im Alter zukommt, ist empirisch schwer fassbar. Denn längst nicht alle Formen der Vermögensbildung dienen direkt der Altersvorsorge. Dies trifft nur auf solche zu, die explizit auf das Ziel der späteren Sicherung des Lebensunterhalts im Alter hin aufgebaut und auch nicht vorzeitig anderen Zwecke zugeführt oder letztlich doch vererbt werden. In der privaten Altersvorsorge kommt in Deutschland vor allem den Lebensversicherungen eine herausragende Bedeutung zu. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft gab es 2014 rund 93 Mio. Verträge. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Lebensversicherungen nicht nur der Altersvorsorge dienen, sondern z.B. als Risikolebensversicherung auch der Absicherung bei der Finanzierung von Wohneigentum. Der Wert der ausgezahlten Versicherungsleistungen lag im Jahr 2014 bei rund 84 Mrd. €.

Wie für die gesamte private Altersvorsorge insgesamt gilt auch für Lebensversicherungen, dass sie in der Bevölkerung höchst ungleich verteilt und in den oberen Einkommens- und Berufsgruppen weit überrepräsentiert sind. Neben den Lebensversicherungen spielen auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung eine wichtige Rolle.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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