30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Alterssicherung der Landwirte

Die Altersversorgung der Landwirte wurde 1957 durch das Gesetz zur Alterssicherung für Landwirte (ALG) eingeführt und 1995 durch das Agrarsozialreformgesetz umfassend reformiert. Die Alterssicherung der Landwirte ist kein Teil der GRV, sondern ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung.

Landwirt begutachtet das Wachstum der Kartoffeln auf seinem Feld in Fellbach.Unterscheidet man nach dem Geschlecht, fällt auch bei der Alterssicherung für Landwirte auf, dass Frauen gegenüber den Männern schlechter gestellt sind. (© picture-alliance/dpa)


Grundlagen

Die Alterssicherung der Landwirte ist kein Teil der GRV, sondern ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung. Träger sind die landwirtschaftlichen Alterskassen, die jeweils bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften eingerichtet sind. Pflichtversichert sind all diejenigen landwirtschaftlichen Unternehmer, für die die Tätigkeit als selbstständiger Landwirt oder Forstwirt, Winzer, Gartenbauer und dergleichen eine ausreichende Existenzgrundlage bildet. Seit 1995 sind ebenfalls mitarbeitende Familienangehörige des Unternehmers und seines Ehegatten pflichtversichert.

Die Alterssicherung der Landwirte gewährt Leistungen, die denen der gesetzlichen Rentenversicherung ähnlich sind:
  • Renten wegen Alters,
  • Renten wegen Erwerbsminderung,
  • Witwen- bzw. Witwerrenten und Waisenrenten und
  • Leistungen zur Teilhabe (medizinische Rehabilitation).
Außerdem werden Betriebs- und Haushaltshilfen oder Überbrückungshilfen gezahlt, damit das Unternehmen bei Krankheit oder Tod des Unternehmers weitergeführt werden kann.

Leistungshöhe

Im grundsätzlichen Unterschied zur Gesetzlichen Rentenversicherung stellt allerdings die Alterssicherung der Landwirte bei ihren Leistungen lediglich auf eine Teilsicherung ab. Dies schlägt sich sowohl in der Höhe der Beiträge als auch im Niveau der Renten nieder. Um einen ausreichenden Lebensunterhalt im Alter sicherzustellen, bedürfen die Renten der Alterssicherung der Landwirte deshalb einer individuellen Ergänzung, etwa durch Altenteilleistungen, Pachteinnahmen, Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung oder private Vorsorge.

Aus nachfolgender Tabelle ist ersichtlich, dass die durchschnittliche Rentenhöhe, hier bezogen auf die Regelaltersrente, recht niedrig liegt. So erhielten im Jahr 2013 Unternehmer im Durchschnitt eine Rente von 462 Euro, Ehegatten von 245 Euro und Familienangehörige von 179 Euro.

Unterscheidet man nach dem Geschlecht, fällt auch bei der Alterssicherung für Landwirte auf, dass Frauen gegenüber den Männern schlechter gestellt sind.

Regelaltersrenten in der Alterssicherung der Landwirte 2005-2013

durchschnittliche Rente in Euro/Monat nach Empfänger und Geschlecht

Unternehmer Ehegatten Familienangehörige
Männer und Frauen
2005 475 224 173
2007 462 226 173
2009 459 231 174
2011 459 237 176
2013 462 245 179
Männer
2005 483 233 198
2007 469 235 203
2009 466 243 206
2011 466 249 211
2013 469 255 221
Frauen
2005 356 224 164
2007 349 226 160
2009 347 231 158
2011 347 237 155
2013 349 245 153

Quelle: Bundesregierung (2009b), S. 5..- Bundesregierung (2013), S.6

In der Alterssicherung der Landwirte standen Mitte 2013 insgesamt 605 Tsd. Empfängern von Alterssicherungsleistungen ab 65 Jahren nur noch 237 Tsd. Versicherte gegenüber (vgl. Bundesregierung 2013; S. 5f. Die generelle Altersgrenze von 65 Jahren wird auch hier auf das 67. Lebensjahr angehoben. Ab dem 65. Lebensjahr wird in der Alterssicherung der Landwirte eine abschlagsbewehrte vorzeitige Altersrente möglich sein. Das sozialpolitische Ziel, dazu beizutragen, dass Landwirte und ihre Angehörigen ein ausreichendes Einkommen im Alter erhalten, hat zugleich auch agrarpolitische Hintergründe. Da die Zahlung von Altersrenten erst erfolgt, wenn der landwirtschaftliche Betrieb aufgegeben oder abgegeben worden ist, wird eine Überalterung und auch Zergliederung der Betriebe verhindert.

Finanzierung

Finanziert wird die Alterssicherung der Landwirte über Beiträge im Umlageverfahren. Der Bund beteiligt sich - begründet vor allem mit agrarstrukturpolitischen Argumenten - mit einer Defizitdeckung. 2012 beliefen sich die Gesamtausgaben auf 2,85 Mrd. Euro. Die Beiträge in der Alterssicherung der Landwirte sind einkommensunabhängig. Der monatliche Beitrag wird jährlich durch Rechtsverordnung festgesetzt. Er beträgt im Jahr 2013 für Landwirte, Ehegatten von Landwirten und freiwillig Versicherte jeweils 222 Euro (neue Bundesländer: 189 Euro).

Versicherungspflichtige Landwirte und ihre Ehegatten erhalten einen Zuschuss zu ihrem Beitrag, wenn das Einkommen des landwirtschaftlichen Unternehmens und seines nicht dauernd von ihm getrennt lebenden Ehegatten je 15.500 Euro (zusammen somit 31.000 €) nicht übersteigt. Der Beitragszuschuss ist nach der wirtschaftlichen Situation gestaffelt.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und der Autoren/-innen teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Publikation zum Thema

Die Zukunft des Generationenvertrags

Die Zukunft des Generationenvertrags

Wie können langfristig ein angemessenes Rentenniveau, eine tragbare Beitragsbelastung der Arbeitseinkommen und ein Schutz vor Altersarmut gesichert werden? Ebert fordert eine Reform des Rentensystems, bei der die Finanzierungsbasis verbreitert und die solidarische Umverteilung gestärkt wird.Weiter...

Zum Shop

Mediathek

Die Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

In diesem Film erfahren Sie, wie Sie sich auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung zurecht finden. Alle Inhalte des Films sind in Deutscher Gebärdensprache (DGS) übersetzt.

Jetzt ansehen

Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Das Dossier stellt Grundlagen, Ziele, Akteure und Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor.

Mehr lesen

Dossier

Gesundheitspolitik

Dossier über die Grundlagen, Strukturen und Akteure der Gesundheitspolitik, der Gesundheitsversorgung und der Pflegeversicherung.

Mehr lesen

Die Netzdebatte

Rente

Glaubt man den Prognosen steht unser Rentensystem vor einem Problem: Wir werden immer älter, die Gesellschaft schrumpft und unsere Lebensläufe werden immer fragmentierter. Künftig müssen also verhältnismäßig wenige junge Menschen immer mehr alte mit Ihren Rentenbeiträgen finanzieren. Gleichzeitig zahlen viele immer unregelmäßiger in die Rentenkassen ein. Was bedeutet das für den Sozialstaat? Welche Reformen werden diskutiert? Ist die Rente noch zu retten?

Mehr lesen

Dossier

Demografischer Wandel

Zu- und Auswanderung, Geburtenrate, Sterblichkeit - die sind die drei zentralen Faktoren für die demografische Entwicklung. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft spürbar verändern - ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, im Bereich der Sozialversicherungen, der Arbeitswelt, der Infrastruktur oder der Familienpolitik. Das Dossier beleuchtet die wichtigsten Bereiche und skizziert den Stand der Debatte.

Mehr lesen