Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Berufsständische Versorgungswerke

Bei der berufsständischen Altersversorgung handelt es sich um eine auf einer gesetzlichen Pflichtmitgliedschaft beruhende Altersversorgung für in Kammern organisierte freie Berufe, die durch einzelne Versorgungswerke erbracht wird. Die Versorgungswerke beruhen auf landesrechtlicher Grundlage.

Arzt und PatientBerufsständische Versorgungswerke leisten Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrenten für folgende Berufsgruppen: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, psychologische Psychotherapeuten und Ingenieure. (© ddp/AP)


Leistungsziel der berufsständischen Altersversorgung ist die Sicherung der Lebensstandards auf der Grundlage des versicherten und verbeitragten Einkommens. Es dominiert das Versicherungs- und Äquivalenzprinzip. Die für die Gesetzliche Rentenversicherung typischen Elemente eines sozialen Ausgleichs finden sich bei der berufsständischen Altersversorgung nicht.

Die Finanzierung beruht auf dem Kapitaldeckungsverfahren (Anwartschaftsdeckungsverfahren bzw. Deckungsplanverfahren; vgl. Umlage- versus Kapitaldeckungsverfahren): Die Beitragseinnahmen werden kapitalbildend angelegt, die Leistungen werden (zumindest zum Teil) aus dem Kapitalstock finanziert. Öffentliche (steuerfinanzierte) Zuschüsse gibt es bei der berufsständischen Altersversorgung nicht.

Mitgliederstruktur der berufsständischen Versorgungswerke 2013Mitgliederstruktur der berufsständischen Versorgungswerke 2013 (PDF-Icon Grafik zum Download 57 KB) (© bpb)
Die Versorgungswerke beziehen nur die Angehörigen der jeweiligen Berufsgruppe ein, wobei es die Möglichkeit gibt, dass auch Angestellte, die bei den freien Berufen beschäftigt sind, unter bestimmten Bedingungen Mitglied werden und sich von der Gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen können.

Derzeit werden 89 auf Landesrecht beruhende öffentlich-rechtliche Pflichtversorgungseinrichtungen gezählt. Diese Einrichtungen sind in der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen zusammengeschlossen. Im Einzelnen werden folgende Berufsgruppen erfasst: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, psychologische Psychotherapeuten, Ingenieure.

Die Zahl der beitragsleistenden Mitglieder lag Ende 2013 bei etwa 900.000 Personen, wobei den Ärzten (einschließlich Zahn- und Tierärzte) die mit Abstand größte Bedeutung zukommt (vgl. Abbildung "Mitgliederstruktur der berufsständischen Versorgungswerke 2013 "). Die Zahl der Rentenempfänger betrug 2013 gut 221.000 Personen, die durchschnittliche Höhe der Altersrente lag bei 2.047 Euro.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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