Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Vorgezogene Altersrenten und -grenzen und Abschläge

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es auch künftig möglich, eine Altersrente auch schon vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze zu beziehen.

Ab 2012  wird die Altersgrenze für die frühest mögliche Inanspruchnahme der Rente für schwerbehinderte Menschen schrittweise von 60 auf 62 Jahren heraufgesetzt.Ab 2012 wird die Altersgrenze für die frühest mögliche Inanspruchnahme der Rente für schwerbehinderte Menschen schrittweise von 60 auf 62 Jahren heraufgesetzt. (© Doris Heinrichs - Fotolia.com)


Dabei sind mehrere vorgezogene Altersgrenzen und -renten zu unterscheiden.
  • Altersrente für langjährig Versicherte mit 65 Jahren und ab 63 Jahren,
  • Altersrente für besonders langjährig Versicherte,
  • Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Altersrente für langjährige Versicherte

Diese Altersrente kann ab dem 63. Lebensjahr bezogen werden. Voraussetzung ist, dass eine Wartezeit von 35 Jahren ("langjährig Versicherte") erfüllt worden ist. Die vorzeitige Inanspruchnahme dieser Rente ist mit Abschlägen verbunden, und zwar in Höhe von 0,3 Prozent je Monat, gemessen an der jeweils maßgeblichen Regelaltersgrenze. Liegt die Regelaltersgrenze (im Jahr 2016) bei 65 Jahren und fünf Monaten, so entspricht dies bei einem Rentenbeginn mit 63 Jahren einer Rentenkürzung von 8,7 Prozent. Im Jahr 2029, wenn die neue Regelaltersgrenze von 67 Jahren erreicht worden ist, hat sich dann der Kürzungsbetrag auf 14,4 Prozent erhöht.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte mit 65 Jahren

Wer eine Wartezeit von 45 Jahren erfüllt hat, kann mit 65 Jahren in Rente gehen - und zwar ohne Abschläge. Auf die Wartezeit von 45 Jahren ("besonders langjährige Versicherte") werden Pflichtbeiträge aus Zeiten einer Beschäftigung, selbständigen Tätigkeit und Pflege sowie Zeiten der Erziehung eines Kindes bis zum 10. Lebensjahr angerechnet. Nicht berücksichtigt werden hingegen Zeiten aufgrund des Bezuges von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II (Hartz IV).

Altersrente für besonders langjährig Versicherte ab 63 Jahren

Besonders langjährig Versicherte haben seit 2014 (im Rahmen des Rentenversicherung-Leistungsverbesserungsgesetzes) die Möglichkeit, eine abschlagsfreie Rente bereits vor Erreichen des 65. Lebensjahres, frühestens ab 63 Jahren, zu erhalten. Es handelt sich um eine zeitlich befristete Regelung, denn der Rentenbezug ohne Abschläge bereits mit 63 Jahren gilt nur für Versicherte, die zwischen Juli 1951 und Dezember 1952 geboren sind. Für die später geborenen Jahrgänge zwischen 1953 und 1963 wird im Zuge der Anhebung der Regelaltersgrenze das Zugangsalter schrittweise wieder auf 65 Jahre angehoben. Für Jahrgänge ab 1964 gilt dann wieder die bisherige Regelung der Altersgrenze für besonders langjährig Versicherte.

Abschlagsfreie Altersrente ab 63 Jahren

Möglicher Rentenbeginn mit und ohne Abschlag nach Jahrgang

JahrgangRegelaltersrente
ohne Abschlag
Altersrente für besonders langjährig Versicherte
ohne Abschlag
Monat / JahrAlter
Jahre / Monate
Alter
Jahre / Monate
1 / 1949 65 + 3 Monate63
2 / 1949 65 + 3 Monate63
3-12 / 1949 65 + 3 Monate63
1950 65 + 4 Monate63
1951 65 + 5 Monate63
1 / 1952 65 + 6 Monate 63
2 / 1952 65 + 6 Monate63
3 / 1952 65 + 6 Monate 63
4 / 1952 65 + 6 Monate63
5 / 1952 65 + 6 Monate 63
6 / 1952 65 + 6 Monate 63
1953 65 + 7 Monate 63 + 2 Monate
1954 65 + 8 Monate 63 + 4 Monate
1955 65 + 9 Monate 63 + 6 Monate
1956 65 + 10 Monate63 + 8 Monate
1957 65 + 11 Monate 63 + 10 Monate
1958 66 64
1959 66 + 2 Monate 64 + 2 Monate
1960 66 + 4 Monate 64 + 4 Monate
1961 66 + 6 Monate 64 + 6 Monate
1962 66 + 8 Monate 64 + 8 Monate
1963 66 + 10 Monate 64 + 10 Monate
1964 67 65
Zu den 45 Jahren zählen:
  • Pflichtbeiträge aus Beschäftigung
  • Pflichtbeiträge aus selbstständiger Tätigkeit
  • Freiwillige Beiträge (beim Vorliegen von mindestens 18 Jahren Pflichtbeiträge)
  • Zeiten der Kindererziehung bis zum 10. Lebensjahr
  • Zeiten der nichterwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen
  • Zeiten von Entgeltersatzleistungen (u.a. Krankengeld, Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld, Insolvenzgeld)
  • Leistungen bei beruflicher Weiterbildung
Nicht dazu zählen:
  • Zeiten der Arbeitslosenhilfe und von ALG II
  • Anrechnungszeiten wegen Schule, Studium usw.
  • Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld in den letzten beiden Jahren vor Rentenbeginn (es sei denn, es kommt zur Insolvenz des Betriebes oder zu einer vollständigen Geschäftsaufgabe)

Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Schwerbehinderte Menschen konnten bis Ende 2011 ab 63 Jahren eine vorzeitige Rente ohne Abschläge und ab 60 Jahren mit Abschlägen beziehen. Seit 2012 – beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1952 – wird die Altersgrenze für die frühest mögliche Inanspruchnahme dieser Rente schrittweise von 60 auf 62 Jahreheraufgesetzt. Gleichzeitig wird die bisherige Altersgrenze für einen abschlagsfreien Bezug dieser Rente – ebenfalls beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1952 – stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben (vgl. Tabelle). Damit verbleibt es bei einem maximalen Abschlag in Höhe von 10,8 Prozent bei der frühestmöglichen Inanspruchnahme.

Schwerbehinderte Menschen sind Personen, deren Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent beträgt. Die Schwerbehinderung wird durch den Schwerbehindertenausweis nachgewiesen. Dieser muss bei den (nach Bundesländern unterschiedlich geregelten) zuständigen Ämtern beantragt werden. Zugleich muss eine Wartezeit von 35 Jahren erfüllt sein.

Anhebung der Altersgrenze für schwerbehinderte Menschen

Geburtsjahr und -monatAbschlagsfreie Altersrente ab Alter vorzeitige Inanspruchnahme mit Abschlägen ab Alter
Bis 1951 63 60
1952 Januar 63 + 1 Monat 60 + 1 Monat
1952 Februar 63 + 2 Monate 60 + 2 Monate
1952 März 63 + 3 Monate 60 + 3 Monate
1952 April 63 + 4 Monate 60 + 4 Monate
1952 Mai 63 + 5 Monate 60 + 5 Monate
1952 Juni - Dezember 63 + 6 Monate 60 + 6 Monate
1953 63 + 7 Monate 60 + 7 Monate
1954 63 + 8 Monate 60 + 8 Monate
1955 63 + 9 Monate 60 + 9 Monate
1956 63 + 10 Monate 60 + 10 Monate
1957 63 + 11 Monate 60 + 11 Monate
1958 64 61
1959 64 + 2 Monate 61 + 2 Monate
1960 64 + 4 Monate 61 + 4 Monate
1961 64 + 6 Monate 61 + 6 Monate
1962 64 + 8 Monate 61 + 8 Monate
1963 64 + 10 Monate 61 + 10 Monate
1964 65 62

Wegfall der vorgezogenen Altersrente für Frauen sowie der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit

Die besondere Altersrente für Frauen sowie die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit können von den Jahrgängen ab 1952 – also beginnend Anfang 2012 – nicht mehr in Anspruch genommen werden. Diese Rentenarten, die in den zurückliegenden Jahren eine hohe Bedeutung hatten, sind entfallen.

Abschläge

Die bei einem vorzeitigen Rentenbezug anfallenden Rentenabschläge (versicherungsmathematisch neutrale Abschläge) sind für die gesamte Rentenlaufzeit, und nicht nur für die Zeit bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze wirksam und betreffen auch die Hinterbliebenenrenten. Sie sind in ihrer Höhe so bemessen, dass die mit einem vorgezogenen Rentenbeginn einhergehende Verlängerung der Rentenbezugsdauer nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung der Rentenversicherung führt. Dies gilt auf lange Sicht. Denn zunächst entstehen durch die früher einsetzenden Rentenzahlungen Mehrausgaben. Im Laufe der Jahre führt die Kürzung der Renten dann zu Minderausgaben, die – bei einer exakten versicherungsmathematischen Berechnung – am Ende des Rentenbezugs die Mehrausgaben genau ausgleichen.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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