Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Die Bedeutung der verschiedenen Altersrenten im Zeitverlauf

Die Vielfalt der Erwerbsbiografien der RentnerInnen spiegelt sich auch im Bezug der verschiedenen Altersrenten wider. Merkliche Unterschiede gibt es zwischen Männern und Frauen, aber auch zwischen Ost und West.

Rentnerin beim Yoga im ParkBei den Frauen ist nach wir vor die besondere Altersrente für Frauen, die ab 60 bezogen werden konnte, sehr häufig. (© ddp/AP)


Rentenzugänge nach Rentenarten in Anteilen, Männer 1995 - 2014Rentenzugänge nach Rentenarten in Anteilen, Männer 1995 - 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 61 KB) (© bpb)
Die Abbildungen "Rentenzugänge nach Rentenarten 1995-2014" lassen die quantitative Bedeutung der jeweiligen Altersrenten und damit der Nutzung der jeweiligen Altersgrenzen für die Rentenneuzugänge bis 2014 erkennen. Es wird deutlich, dass bei den Männern die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit und nach Altersteilzeit, die in den zurückliegenden Jahren eine sehr große Bedeutung hatte, aber seit 2012 abgeschafft worden ist, rapide an Gewicht verliert. Diese Rentenzugangsart machte 2014 noch 10,1 Prozent aller Rentenneuzugänge aus. 1995 waren es noch 37,4 Prozent aller Rentenneuzugänge. Ein anhaltend großes Gewicht behalten demgegenüber die vorgezogenen Altersrenten für Schwerbehinderte, für langjährig Versicherte und für besonders langjährig Versicherte; sie umfassen 2014 in der Summe 43,7 Prozent aller Rentenneuzugänge bei den Männern.

Rentenzugänge nach Rentenarten in Anteilen, Frauen 1995 - 2014Rentenzugänge nach Rentenarten in Anteilen, Frauen 1995 - 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 65 KB) (© bpb)
Bei den Frauen (vgl. Abbildung "Rentenzugänge nach Rentenarten 1995-2014: Frauen") hat die besondere Altersrente für Frauen, die ab 60 bezogen werden konnte, eine stark nachlassende Bedeutung. Auf diese Rentenart entfallen 2014 nur noch 18,1 Prozent aller Rentenneuzugänge.

Bei den Männern hat die Regelaltersrente eine hohe Bedeutung. Diese Rentenart wird 2011 von 37,3 Prozent der männlichen Zugangsrentner in Anspruch genommen, gegenüber knapp 16 Prozent im Jahr 1997. Der Zuwachs dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass dies die einzige Altersrente war, die bis Ende 2011 ohne Abschläge bezogen werden konnte. Dies hat sich – beginnend im Jahr 2012 −infolge der Heraufsetzung der Regelaltersgrenze seit 2012 geändert: Wer jetzt noch mit 65 Jahren in Rente geht, kann dies abschlagsfrei nur dann, wenn die Bedingungen der Altersrente für besonders langjährig Versicherte mit 65 Jahren erfüllt sind; und seit 2014 sogar mit 63 Jahren (zeitlich befristete Sonderregelung) Der Anteilsrückgang des Bezugs der Regelaltersrente seit 2012 und der Zuwachs der Rente für besonders langjährig Versicherte in den Jahren 2012, 2013 und 2014 ist Ausdruck dieser Veränderungen im Rentenrecht.

Bei den Frauen wird die Regelaltersrente vor allem von jenen gewählt, die nur wenige Versicherungsjahre (Beitragszeiten aus eigener Erwerbstätigkeit und/ oder Kindererziehungszeiten) aufzuweisen haben. Meist folgt hier der Rentenbezug nicht aus einer Beschäftigung heraus; die (Ehe)Frauen haben sich z.T. Jahre vorher bereits aus dem Berufsleben zurückgezogen oder haben nach der Kindererziehungsphase ihre Berufstätigkeit nicht wieder aufgenommen und warten als passiv Versicherte auf den Rentenbeginn.

Rentenabschläge bei Altersrenten 2000 – 2014Rentenabschläge bei Altersrenten 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 70 KB) (© bpb)
Der Wegfall der vorgezogenen Altersrenten für Frauen und wegen Arbeitslosigkeit und nach Altersteilzeit führt dazu, dass ein sinkender Anteil der Altersrenten durch Abschläge gekürzt wird (Abbildung "Rentenabschläge bei Altersrenten 2000-2014"). Unterscheidet man nach Geschlecht sowie West und Ost, so zeigt sich für das Jahr 2014, dass in den neuen Bundesländern immerhin 41,3 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer entsprechende Rentenminderungen erfahren; in den alten Bundesländern liegen die Anteilswerte niedriger - bei den Männern bei 24,7 Prozent und bei Frauen bei 18,6 Prozent. Die Gründe für die merklichen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland dürften in erster Linie mit der schlechteren Arbeitsmarktlage in den neuen Ländern zu tun haben. Angesichts verbreiteter Langzeitarbeitslosigkeit wird - auch um den Preis von Abschlägen - ein vorgezogener Rentenbeginn gewählt.

Betrachtet man die durchschnittlichen Abschlagsmonate, so sind dies bei den Frauen 23,6 Monate bzw. 23,4 Monate (neue Bundesländer bzw. alte Bundesländer) und bei den Männern 22,5 Monate bzw. 23,8 Monate. Das entspricht einer Rentenminderung von etwa 7 Prozent.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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