Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Frühinvalidität, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit, Erwerbsminderung

Versicherte der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten eine - volle oder teilweise - Erwerbsminderungsrente, wenn sie aufgrund ihres krankheits-/behinderungsbedingten Zustands (Invalidität) bereits vor Erreichen der Altersgrenze für eine Altersrente nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt durch Ausübung einer Erwerbstätigkeit selbst zu bestreiten.

Historisch gesehen war die (teilweise) Absicherung des Risikos der Erwerbsunfähigkeit/-minderung der Ausgangspunkt für die Einführung der Gesetzlichen Rentenversicherung.Historisch gesehen war die (teilweise) Absicherung des Risikos der Erwerbsunfähigkeit/-minderung der Ausgangspunkt für die Einführung der Gesetzlichen Rentenversicherung. (© ddp/AP)


Historisch gesehen war die (teilweise) Absicherung des Risikos der Erwerbsunfähigkeit/-minderung geradezu der Ausgangspunkt für die Einführung der Gesetzlichen Rentenversicherung, wie es auch in der ursprünglichen Bezeichnung (Invaliditäts- und Altersversicherung) zum Ausdruck kommt (vgl. Die Geschichte der Rentenversicherung in Deutschland). "So wurden 1902 in der Invalidenversicherung über 140.000 Invalidenrenten, aber nur 13.000 Altersrenten bewilligt"[1].

Angesichts der geringen Lebenserwartung zu damaliger Zeit wurde für die ab 70-Jährigen der Einfachheit halber angenommen (ohne den Nachweis der Erwerbsunfähigkeit führen zu müssen), dass sie in jedem Fall mehr oder weniger erwerbsunfähig sind. Da bis 1984 Altersrenten erst nach einer Wartezeit von 15 Jahren gewährt wurden, konnten viele Versicherte nur eine (damals so genannte) Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen. Ein Großteil der Renten aus der Gesetzlichen Rentenversicherung waren demgemäß lange Zeit die Invalidenrenten.

Erst in den letzten gut vier Jahrzehnten haben die Altersrenten die Invalidenrenten anteilsmäßig überrundet. In diesen Jahrzehnten unterlag der Anteil der Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrenten (seit der Reform von 2001 als Erwerbsminderungsrenten bezeichnet) an allen Versichertenrenten mehrfach Schwankungen (vgl. unten) – bei insgesamt jedoch sinkender Tendenz; bis auf die letzten Jahre, wo dieser Anteil seit 2006 wieder leicht steigt. Dies hat mit Veränderungen in den Zugangsvoraussetzungen im Leistungsrecht der Rentenversicherung und auch in der Bewilligungspraxis bei den Erwerbsminderungsrenten zu tun.

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Von der Invalidität zur Erwerbsminderung

Die Gewährung von Renten zum Ausgleich des Verdienstausfalls bei gesundheitlichen Einschränkungen unterlag im Zeitablauf verschiedenen rechtlichen Ausgestaltungen, wobei sich auch die Bezeichnungen unterschieden haben:
  • Invaliditätsrente bis 1957

  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrente von 1957 bis 2001
    • Berufsunfähigkeitsrente: Rente zum Ausgleich des Einkommensverlustes, sofern die bisherige Berufstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann
    • Erwerbsunfähigkeitsrente bei Verlust der Erwerbsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen
  • Erwerbsminderungsrente seit 2001
    • Rente wegen voller Erwerbsminderung
    • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

Fußnoten

1.
Schmähl 2001, S. 406.
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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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