Rentenpolitik

Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten

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Kindererziehungszeiten

"Vor allem in Westdeutschland - kaum dagegen in Ostdeutschland - ist ein deutlicher (negativer) Zusammenhang zwischen der Zahl der Kinder, die eine Frau erzogen hat, und ihrem eigenständigen Rentenanspruch zu konstatieren. Mit zunehmender Kinderzahl fällt das durchschnittliche Einkommen westdeutscher Rentnerinnen immer geringer aus. … Bei Männern existiert dieser Zusammenhang - analog zu den Befunden zur Vätererwerbstätigkeit - nicht".

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2011, S. 204.

Die Daten der Rentenstatistik zeigen, dass der Rentenanspruch einer Frau umso niedriger ist, je mehr Kinder sie erzogen hat.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Kindererziehung als Risiko für die spätere Rente

Die lohn- und beitragsbezogene Rentenversicherung lässt sich als ein Alterssicherungssystem charakterisieren, das sich einseitig auf die Erwerbsarbeit und das Erwerbseinkommen orientiert. Im Alter und im Fall von Erwerbsminderung soll das entfallene Einkommen in einem bestimmten Maße ersetzt werden. Personen, die entweder zeitweise oder dauerhaft nicht erwerbstätig sind, kommen in der Logik dieses Systems im Grundsatz nicht vor. Dieser Ausschluss von Zeiten der Nicht-Erwerbstätigkeit betrifft gerade jene Tätigkeiten, die wie die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen zwar gemeinhin als gesellschaftlich erforderlich und berücksichtigenswert erachtet werden, aber nicht erwerbsförmig erfolgen.

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Vater und Kind beim Schlittenfahren

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Kinderbezogene Leistungen in der Rentenversicherung

Die Berücksichtigung von Zeiten der Kindererziehung – eingeführt ab 1986 – erfolgt in dem grundsätzlich an der Erwerbstätigkeit (mit Beiträgen) orientierten Versicherungssystem durch vom Staat gezahlte Beiträge. Als Kindererziehungszeiten gelten die Zeiten der Erziehung eines Kindes (auch eines Adoptiv- oder Pflegekindes) in den ersten drei Lebensjahren nach der Geburt für Kinder, die ab 1992 geboren wurden. Um den Einfluss der "Familienpause" auf die Rentenhöhe bei Frauen zu verringern, wurden verschiedene "kinderbezogene" Regelungen in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen.

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Für Kindererziehungszeiten zahlt der Bund Beiträge an die Rentenversicherung nach Maßgabe der Zahl der Erziehenden.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Kindererziehungszeiten, -leistungen und Ausgaben

Da die Kindererziehungsleistungen auf die Geburtsjahrgänge der Mütter vor 1921 beschränkt sind, reduziert sich deren Zahl laufend. Am Jahresende 2010 gab es noch etwa 315 Tausend Empfängerinnen. Nahezu die Hälfte dieses Personenkreises hat keine eigenen Versicherungsrenten, d.h. die Kindererziehungsleistungen stocken Witwenrenten auf oder sind die einzigen Leistungen der Rentenversicherung.

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Maniküre. Über 90 Prozent der Pflege durch Pflegepersonen in der häuslichen Pflege durch Angehörige sind Frauen.

Gerhard Bäcker, Ernst Kistler

Anerkennung von Pflegezeiten

Pflegebedürftige Angehörige zu Hause zu pflegen ist eine zeitaufwändige Aufgabe und führt oft dazu, dass eine eigene Berufstätigkeit eingeschränkt oder ganz aufgegeben werden muss. Nachteile bei der späteren Rente werden jedoch teilweise ausgeglichen.

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