Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Beitragseinnahmen

Die Gesetzliche Rentenversicherung als das wichtigste Teilsystem der deutschen Sozialversicherung finanziert sich im Wesentlichen über Beiträge. Entsprechend dem Prinzip der Parität werden die Beiträge je zur Hälfte von den Versicherten und ihren Arbeitgebern gezahlt.

Kugelschreiber und Kleingeld liegen auf einer LohnabrechnungEntsprechend dem Prinzip der Parität werden die Beiträge zur Rentenversicherung je zur Hälfte von den Versicherten und ihren Arbeitgebern gezahlt. (© svort - Fotolia.com)


Beiträge und Bemessungsgrundlagen

Der Beitragssatz wird im Gesetzgebungsverfahren festgelegt und liegt 2015 bei 18,7 Prozent. Die Höhe der Beiträge errechnet sich, indem der Beitragssatz auf das versicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelt bezogen wird. Im Unterschied zum System einer progressiven Einkommensteuer, bei dem der Steuersatz von der Höhe des Einkommens abhängt, bleibt bei der Beitragsfinanzierung der Beitragssatz konstant, Lohnhöhe und Beitragshöhe sind proportional miteinander verbunden. Allerdings unterliegen Einkommensbestandteile, die eine obere Grenze (Beitragsbemessungsgrenze) überschreiten, keiner Beitragspflicht. Diese Beitragsbemessungsgrenze wird jährlich an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst und entspricht seit 2003 in etwa dem Doppelten des durchschnittlichen Bruttoarbeitsentgelts (bis 2002 ca. das 1,8-fache). Im Jahr 2016 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 6.200 € (alte Länder) bzw. 5.400 € (neue Länder) im Monat. Die maximale Beitragshöhe beträgt insofern jeweils für Arbeitnehmer und Arbeitgeber 565,68 € (West) bzw. 486,20 € (Ost) Euro, zusammen also 1.131,36 € bzw. 972,40 €.

Gemäß dem Äquivalenzprinzip besteht zwischen dem verbeitragten Arbeitsentgelt (d.h. dem versicherungspflichtigen Arbeitseinkommen bis zur Bemessungsgrenze) und der Höhe der Rentenanwartschaften bzw. der späteren Rente ein Entsprechungsverhältnis: Je besser die individuelle Entgeltposition und je länger die Versicherungsdauer – umso höher auch die Rente. Da bei der Berechnung der individuellen Rente jedoch nur die Einkommensbestandteile berücksichtigt werden, die unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen, bedeutet dies später auch eine entsprechende Begrenzung der Renten nach oben.

Beitragspflichtig sind auch die Lohnersatzleistungen, wie z.B. Arbeitslosengeld I oder Krankengeld. Hier beträgt die Bemessungsgrundlage 80 Prozent des jeweils dieser Lohnersatzleistung zugrunde liegenden Arbeitsentgelts. Die Beiträge für diese Personen werden dabei jeweils vom zuständigen Sozialversicherungsträger abgeführt. Der Beitragspflicht unterliegen ebenfalls Eltern in der Elternzeit (hier werden die Beiträge vom Bund übernommen) sowie nicht erwerbsmäßig Pflegende (die Beiträge zahlt die Pflegeversicherung).

Die Gesamthöhe der Beitragseinnahmen hängt also zentral ab von
  • der Höhe des Beitragssatzes
  • der Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten
  • der Höhe der versicherungspflichtigen Arbeitsentgelte.
Von Bedeutung ist zudem, für welche Zeiten der Nicht-Erwerbstätigkeit (so Kindererziehung, Pflege, Arbeitslosigkeit, Krankheit) Beitragszahlungen erfolgen und wie hoch diese Beiträge sind und für welche Dauer sie gezahlt werden.

Beitragssätze

Die Beitragssätze sind zwischen 1957 und 1980 im Trend deutlich gestiegen, und zwar von 14 Prozent auf 18 Prozent. Seitdem verläuft die Beitragssatzentwicklung aber bemerkenswert stabil und seit 2011 sogar rückläufig Die Sätze schwanken um den Wert von 19,5 Prozent. Lediglich zwischen 1997 und März 1999 wurde mit 20,3 Prozent die Schwelle von 20 Prozent überschritten. Seit 2011 sinkt der Beitragssatz: Von 19,9 Prozent (zwischen 2007 und 2010) auf 19,6 Prozent (2012),auf 18,9 Prozent (2013, 2014) und auf 18,7 Prozent (seit 2015).
Beitragssätze zur Gesetzlichen Rentenversicherung und GRV-Anteil am BIP 1985 – 2014Beitragssätze zur Gesetzlichen Rentenversicherung und GRV-Anteil am BIP 1985 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 62 KB) (© bpb)


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Publikation zum Thema

Die Zukunft des Generationenvertrags

Die Zukunft des Generationenvertrags

Wie können langfristig ein angemessenes Rentenniveau, eine tragbare Beitragsbelastung der Arbeitseinkommen und ein Schutz vor Altersarmut gesichert werden? Ebert fordert eine Reform des Rentensystems, bei der die Finanzierungsbasis verbreitert und die solidarische Umverteilung gestärkt wird.Weiter...

Zum Shop

Mediathek

Die Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb

In diesem Film erfahren Sie, wie Sie sich auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung zurecht finden. Alle Inhalte des Films sind in Deutscher Gebärdensprache (DGS) übersetzt.

Jetzt ansehen

Dossier

Arbeitsmarktpolitik

Das Dossier stellt Grundlagen, Ziele, Akteure und Instrumente der Arbeitsmarktpolitik vor.

Mehr lesen

Dossier

Gesundheitspolitik

Dossier über die Grundlagen, Strukturen und Akteure der Gesundheitspolitik, der Gesundheitsversorgung und der Pflegeversicherung.

Mehr lesen

Die Netzdebatte

Rente

Glaubt man den Prognosen steht unser Rentensystem vor einem Problem: Wir werden immer älter, die Gesellschaft schrumpft und unsere Lebensläufe werden immer fragmentierter. Künftig müssen also verhältnismäßig wenige junge Menschen immer mehr alte mit Ihren Rentenbeiträgen finanzieren. Gleichzeitig zahlen viele immer unregelmäßiger in die Rentenkassen ein. Was bedeutet das für den Sozialstaat? Welche Reformen werden diskutiert? Ist die Rente noch zu retten?

Mehr lesen

Dossier

Demografischer Wandel

Zu- und Auswanderung, Geburtenrate, Sterblichkeit - die sind die drei zentralen Faktoren für die demografische Entwicklung. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft spürbar verändern - ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, im Bereich der Sozialversicherungen, der Arbeitswelt, der Infrastruktur oder der Familienpolitik. Das Dossier beleuchtet die wichtigsten Bereiche und skizziert den Stand der Debatte.

Mehr lesen