Rentenpolitik

Durchschnittliche Altersrenten


16.11.2016
Unterschiede bei den Altersrenten in den neuen Bundesländern gibt es nicht nur im Rentenbestand, sondern auch beim Rentenzugang und in der Rentenhöhe.

Eine Arbeiterin im Jahr 1971 im Petrolchemischen Kombinat in Schwedt.Eine Arbeiterin im Jahr 1971 im Petrolchemischen Kombinat in Schwedt. - Die langjährige Vollzeittätigkeit von Frauen in der DDR schlägt sich in den Renten nieder. (© Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Bild 183-K0810-002 / Hartmut Reiche)
Im Folgenden soll dargestellt werden, wie sich diese spezifischen Bedingungen in den neuen Ländern auf die durchschnittliche Rentenhöhe (Bestands- und Zugangsrenten) und auf die Rentenschichtung auswirken und welche Unterschiede zwischen Ost und West festzustellen sind. Dabei wird sich zeigen, dass der maßgebliche Faktor für die aktuellen Unterschiede nicht die abweichende Höhe des aktuellen Rentenwerts ist, sondern die Summe der Entgeltpunkte, die wiederum von der Höhe der rentenrechtlichen Zeiten bestimmt wird. Vor allem die Frauen im Osten weisen deutlich längere Versicherungszeiten als die Frauen im Westen auf.

…. im Rentenbestand



Die skizzierten Unterschiede in der Rentenberechnung sagen noch wenig über die tatsächlich gezahlten Renten in den neuen Ländern aus. Denn es kommt bei der Rentenhöhe ja nicht nur auf die Höhe des aktuellen Rentenwerts und auf die Berechnung der Entgeltpunkte an, sondern auch ganz entscheidend auf die Erwerbs- und Versicherungsbiografien, die die Rentner im Laufe ihres Lebens durchlaufen haben. Für die vormalige DDR war es nun gerade charakteristisch, dass die Bevölkerung eine hohe und dauerhafte Erwerbsbeteiligung aufwies. Eine kontinuierliche Vollzeitbeschäftigung in der Zeit zwischen Schulabschluss bis zum Renteneintrittsalter (Regelaltersgrenze 65) war üblich. Und im grundlegenden Unterschied zu den alten Bundesländern galt dies auch für Frauen und wurde durch Vereinbarkeitsregelungen (Kinderbetreuung) ermöglicht.

Durchschnittliche Rentenhöhen nach Rentenart und Geschlecht 2014Durchschnittliche Rentenhöhen nach Rentenart und Geschlecht 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 57 KB) (© bpb)
So kann es nicht verwundern, dass die durchschnittlichen Zahlbeträge der Bestandsrenten insbesondere für Frauen in den neuen Ländern höher liegen als in den alten Ländern, trotz des niedrigeren aktuellen Rentenwerts (vgl. Abbildung "Durchschnittliche Rentenhöhen nach Rentenart und Geschlecht 2014, neue und alte Bundesländer"). Dagegen zeigen sich bei den Männern weniger große Unterschiede.

Auch in den neuen Bundesländern unterscheiden sich die durchschnittlichen Altersrenten in ihrer Höhe deutlich nach der Rentenart und nach dem Geschlecht. Frauen erzielen merklich niedrigere Renten als Männer, über alle Rentenarten hinweg. Bei den Männern sind die Unterschiede zwischen den Rentenarten eher schwach ausgeprägt, die Durchschnittsbeträge schwanken zwischen rund 950 und 1.100 Euro.

…. Im Rentenzugang



Bei den Bestandsrenten finden sich alle Renten, auch jene, die schon vor vielen Jahren zugegangen sind. Die neueren Entwicklungen im Rentenzugang werden deshalb nicht sichtbar. Das wird vor allem für die Analyse der Situation in den neuen Ländern zu einem Problem, da im Bestand nach wie vor die Erwerbsbiografien aus der DDR-Zeit dominieren, während die schwierige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nach der Wende erst langsam bei den Entgeltpunkten und den Rentenzugängen der betroffenen Jahrgänge zur Geltung kommt. Deshalb ist es gerade für die neuen Länder sinnvoll, auf die Höhe der Zugangsrenten zu achten.

Durchschnittliche Rentenhöhen nach Rentenart und Geschlecht, neue Länder 2014Durchschnittliche Rentenhöhen nach Rentenart und Geschlecht, neue Länder 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 137 KB) (© bpb)
Betrachtet man die neu zugehenden Renten, so kehren sich die Verhältnisse zumindest bei den Männern teilweise um. Denn angesichts der besonders massiven und auch weiterhin andauernden Arbeitsmarktprobleme in den neuen Ländern erhalten mehr und mehr Rentnerinnen und Rentner besonders aus den nachrückenden Kohorten nur noch recht niedrige Renten: Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit, Niedriglöhne, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die sich ausweitende Teilzeitarbeit machen sich hier in niedrigen Entgeltpunkten bemerkbar. Und angesichts der Schwierigkeiten im Alter noch beschäftigt zu werden bzw. eine Beschäftigung zu finden, ist die Inanspruchnahme vorgezogener Altersgrenzen, die mit entsprechenden Rentenabschlägen verbunden sind, sehr hoch.

Die durchschnittlichen neu zugegangenen Versichertenrenten des Jahres 2014 sind bei Männern im Osten dadurch niedriger als im Westen. Zudem fallen die neuen Versichertenrenten in der Tendenz niedriger aus als die Bestandsrenten (vgl. Tabelle "Durchschnittliche Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenzugang" und Abbildung "Durchschnittliche Rentenhöhen im Rentenbestand und im Rentenzugang nach Rentenart und Geschlecht 2014, neue Bundesländer").

Durchschnittliche Zahlbeträge der Versichertenrenten im Rentenbestand und Rentenzugang nach Rentenart und Geschlecht 2014

in Euro

Versichertenrenten insgesamtdavon
ErwerbsminderungsrentenAltersrenten
BestandZugang Bestand Zugang Bestand Zugang
alte Länder
Männer 944 925 737 659 1.020 981
Frauen 576 586 702 594 566 562
neue Länder
Männer 1.057 888 676 603 1.111 952
Frauen 818 801 761 662 824 841

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund (2015) Zeitreihen.

Rentenabschläge bei Altersrenten 2000 – 2014Rentenabschläge bei Altersrenten 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 138 KB) (© bpb)
Dies hat nicht zuletzt auch mit den durch die Rentenreformen eingeführten Abschlägen zu tun (vgl. Vorgezogene Altersrenten und -grenzen und Abschläge). Über 40 Prozent der Frauen in den neuen Ländern gehen dabei mit Abschlägen in die Rente – um den Preis von durchschnittlich 23,6 Abschlagsmonaten (vgl. Abbildung "Rentenabschläge bei Altersrenten 2000 - 2014"). Das entspricht im Schnitt einer Rentenminderung von 7,1 Prozent.

Höhe der ostdeutschen Altersrenten im Rentenzugang seit 2000



Vergleicht man die Höhe der durchschnittlichen Zugangsrenten im zeitlichen Verlauf zwischen 2000 und 2014 (vgl. Abbildung "Durchschnittliche Höhe von Altersrenten im Rentenzugang 2000-2014 bei den Rentenzugängen, neue Bundesländer"), so lässt sich in den neuen Bundesländern seit etwa 2000 ein Rückgang der Zahlbeträge nahezu aller Rentenarten erkennen. Für die Frauen allerdings, die die Regelaltersrente und die Frauenaltersrente in Anspruch genommen haben (das betrifft im Jahr 2014 immerhin 43 % aller Altersrentenzugänge von Frauen), erhöhen sich die Beträge. Aber: Diese Abbildung berücksichtigt noch nicht, dass in den Jahren seit 2000 der aktuelle Rentenwert ja merklich angestiegen ist.

Durchschnittliche Höhe von Altersrenten im Jahr des Rentenzugangs 2000 – 2014Durchschnittliche Höhe von Altersrenten im Jahr des Rentenzugangs 2000 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 145 KB) (© bpb)
Durchschnittsrenten im Rentenbestand im Vergleich neue/alte Bundesländer 1993 – 2014Durchschnittsrenten im Rentenbestand im Vergleich neue/alte Bundesländer 1993 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 51 KB) (© bpb)


Verhältnis der Durchschnittsrenten Ost/West (Bestand)



Wie verhalten sich die Strukturen und Trends im Osten im Vergleich mit dem Westen? Vergleicht man die durchschnittlichen Zahlbeträge im Osten mit denen im Westen und errechnet Relationswerte (Abbildung "Durchschnittliche Zahlbeträge ausgewählter Rentenarten, Vergleich"), so wird sichtbar, dass in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung die Ostrenten unterhalb der Westrenten lagen, aber schnell aufgeholt haben. Aktuell übersteigen (bis auf die vorgezogenen Altersrenten für Männer wegen Arbeitslosigkeit und bei langjähriger Versicherung) die Ostrenten die Westrenten sogar - trotz des niedrigeren aktuellen Rentenwerts. Besonders auffällig ist dies bei den Frauenrenten: So liegen die von den Frauen in Anspruch genommenen Regelaltersrenten in ihren Zahlbeträgen um 86,2 Prozent über den entsprechenden Renten im Westen, bei den Frauenaltersrenten liegt der Abstand bei 15 Prozent. Die durch langjährige Vollzeittätigkeit charakterisierten Erwerbsbiografien in den neuen Ländern bzw. in der DDR schlagen sich hier nieder.


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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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