Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

(Langzeit)Arbeitslosigkeit Älterer

Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, ist ein zentrales Problem für die Älteren am Arbeitsmarkt. Insgesamt haben sich in den zurückliegenden Jahren die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt erheblich verbessert: Die Zahl der (auch versicherungspflichtig) Beschäftigten ist gestiegen sowie Zahl und Quote der Arbeitslosen sind kontinuierlich gesunken (vgl. Abbildung "Arbeitslose und Arbeitslosenquoten 1975 - 2015"). Aber die Älteren haben von dieser positiven Entwicklung nur unterproportional profitiert.

Demonstration von Langzeitarbeitslosen vor dem Bundestag in Berlin 2013. Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, ist ein zentrales Problem für die Älteren am Arbeitsmarkt.Demonstration von Langzeitarbeitslosen vor dem Bundestag in Berlin 2013. Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, ist ein zentrales Problem für die Älteren am Arbeitsmarkt. (© picture-alliance/dpa)


Die Anzahl von älteren Arbeitslosen (55 bis unter 65 Jahre) ist zwar langfristig von 2001 über 700 Tsd. auf knapp über 400 Tsd. im Jahr 2008 gesunken, bis 2014 aber schon wieder auf gut 580 Tsd. angestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt seit 2008 konstant bei etwa 8 Prozent (mit besonderer Betroffenheit in den neuen Bundesländern) (vgl. Abbildung "Arbeitslosenquoten Älterer, 55 bis unter 65 Jahre, 2008 - 2014").

Arbeitslose und Arbeitslosenquoten 1975 - 2015Arbeitslose und Arbeitslosenquoten 1975 - 2015 (PDF-Icon Grafik zum Download 59 KB) (© bpb)
Arbeitslosenquoten Älterer (55 bis unter 65 Jahre), 2008 – 2014Arbeitslosenquoten Älterer (55 bis unter 65 Jahre), 2008 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 130 KB) (© bpb)


Der Anteil der Älteren an allen Arbeitslosen hat bis 2004 abgenommen, steigt seitdem aber wieder kontinuierlich an, von 11 Prozent (2004) auf 20,0 Prozent (2014), (vgl. Abbildung "Ältere Arbeitslose (55 bis unter 65 Jahre) 2001-2014").

Ältere Arbeitslose (55 bis unter 65 Jahre), 2001 – 2014Ältere Arbeitslose (55 bis unter 65 Jahre), 2001 – 2014 (PDF-Icon Grafik zum Download 132 KB) (© bpb)
Wenn Ältere arbeitslos werden, dann haben sie sehr schlechte Chancen auf eine berufliche Wiedereingliederung. Es erweist sich als sehr schwierig, aus einer Arbeitslosigkeit heraus eine neue Beschäftigung zu finden. Unterteilt man das Arbeitslosigkeitsrisiko in das Risiko, arbeitslos zu werden (Zugangsrisiko), und in das Risiko, arbeitslos zu bleiben, d. h. keine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu erreichen (Verbleibsrisiko), dann überwiegt bei den Älteren, und zwar insbesondere im rentennahen Alter, das Verbleibsrisiko. Das Zugangsrisiko ist demgegenüber und im Unterschied zu den jüngeren Arbeitnehmern geringer, da in der Regel eine langfristige Beschäftigung in den Unternehmen vorliegt und gesetzliche wie tarifliche Bestandsschutzregelungen (Kündigungsschutz) eine Entlassung weniger wahrscheinlich machen.

Das hohe Verbleibsrisiko kommt darin zum Ausdruck, dass die Arbeitslosigkeit Älterer in der Regel über eine längere Zeit andauert. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen älteren Arbeitslosen hat sich nur in den Jahren 2004 - 2006 vorübergehend leicht reduziert, liegt aber ansonsten recht konstant bei etwas unter 60 Prozent.

Von unmittelbarer Bedeutung für die Höhe der Arbeitslosenzahlen Älterer ist das Auslaufen der sog. 58er Regelung im SGB III gegen Ende 2007 (für Neuanträge). Der bis dahin mögliche Bezug des Arbeitslosengelds I unter "erleichterten Voraussetzungen" ab dem 58. Lebensjahr (keine Verfügbarkeit mehr) war verbunden mit der Ausklammerung dieser Personen aus der Arbeitslosenstatistik. Im SGB II gibt es eine vergleichbare Regelung aber noch: Nach § 53a Abs. 2 SGB II zählen Ältere nicht als arbeitslos, wenn sie nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, ohne dass ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten worden ist). 2014 wurden jahresdurchschnittlich 162.000 über 58-Jährige aufgrund des § 53a SGB II als nicht arbeitslos registriert.

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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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