Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Komplexität und Vielfalt

In allen Ländern Europas zeichnen sich die Alterssicherungssysteme durch eine – meist historisch gewachsene – hohe Komplexität aus, die Vergleiche ebenso wie Harmonisierungsbemühungen erschwert.

Radfahrer in AmsterdamRadfahrer in Amsterdam: Es gibt in Europa und der Welt nicht "das" System der Alterssicherung, sondern so viele Systeme wie es Mitgliedstaaten gibt. (© istock.com/charliedotgilbert)


Die Alterssicherung in Deutschland ist – genauer: die Alterssicherungssysteme in Deutschland sind – ein hoch komplexer Gegenstand. Im Prinzip gilt das auch für die Alterssicherung in den meisten anderen entwickelten Ländern. Praktisch überall gibt es beispielsweise Sondersysteme/Sonderregelungen für bestimmte Gruppen. In den meisten Ländern existieren verschiedene Säulen oder Schichten der Alterssicherung nebeneinander. Überall bestehen zwischen der Alterssicherung und anderen Bereichen der sozialen Sicherung, aber auch zu anderen Politikfeldern, wie der Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik, komplizierte Überschneidungs- und Abstimmungsprobleme.

Auch gibt es überall durchaus ähnliche Schwierigkeiten und Diskussionen: Beispielhaft seien die Alterung der Gesellschaft sowie die mehr oder weniger ausgeprägte Betroffenheit durch die immer kürzer getakteten Finanz- und Wirtschaftskrisen genannt. Dennoch treffen solche an sich vergleichbaren Schwierigkeiten von Land zu Land auf unterschiedliche Strukturen der Systeme und Problemverarbeitungsmodi. Gerade deswegen ist es sinnvoll, sich bei Debatten über internationale Aspekte und Vergleiche der Rentenpolitik zumindest mit Grundlageninformationen über andere Länder zu versorgen (vgl. Kasten).

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Informationsquellen zu internationalen Vergleichen von Alterssicherungssystemen und -politik

Publikationen mit Überblicksanspruch über eine größere Zahl von Ländern werden herausgegeben von der
  • OECD (zuletzt 2015) mit ihren jährlichen Berichten "Pensions at a Glance" . Diese enthalten neben vielen Zahlen Reports zur Rentenpolitik in vielen Ländern und Überblicke über Strukturunterschiede und Reformtrends;
  • Europäischen Kommission mit dem "Pension Adequacy Report" (zuletzt 2015)
  • Europäischen Kommission mit MISSOC - dem laufend fortgeschriebenen gegenseitigen Informationssystem für soziale Sicherheit
  • Europäischen Kommission mit dem jährlichen Bericht "Employment and Social Developments" (Informationen über die soziale Lage der Menschen im Rentenalter)
Schließlich bietet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine online-Datenbank "Sozialkompass Europa" an.

So annähernd vergleichbar die finanziellen und demografischen Herausforderungen der Alterssicherung auch sind, so muss doch berücksichtigt werden, dass die globalen Daten die kaum überschaubare Vielfalt der Ausgestaltung der Alterssicherung in den jeweiligen Ländern verdecken. Es gibt in Europa und der Welt nicht "das" System der Alterssicherung, sondern so viele Systeme wie es Mitgliedstaaten gibt. Eine Übersicht und Vergleichbarkeit lässt sich deshalb nicht einfach darstellen, zumal der "Teufel" mitunter im Detail steckt [1]. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern beziehen sich im Besonderen auf folgende Aspekte:
  • die abgedeckten Leistungsbereiche (Alterssicherung, Hinterbliebenensicherung, Invaliditätssicherung, Rehabilitation),
  • die Sicherungsziele und -niveaus,
  • die institutionelle Ausgestaltung,
  • den gesicherten Personenkreis,
  • die Anspruchsvoraussetzungen,
  • die Leistungsbemessung und -anpassung,
  • die Finanzierungsverfahren,
  • die Organisation und Verwaltung.

Fußnoten

1.
Vgl. Schmid 2010.
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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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