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Glossar

9.7.2007
Was bedeutet Segregation und was versteht die Forschung unter sozialer Kontrolle. Die wichtigsten Fachbegriffe der Stadtforschung werden hier erklärt.

Segregation



Der Begriff der Segregation bezeichnet in Verwendungszusammenhängen der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung die ungleiche Verteilung von gesellschaftlichen Gruppen im (städtischen) Raum. Ihr Ausmaß kann mit Segregations-Indicies gemessen und beschrieben werden.

Als Ursachen der Ungleichverteilung diskutiert die sozialwissenschaftliche Stadtforschung verschiedene Formen der gewählten oder unfreiwilligen gesellschaftlichen Differenzierung. Segregation wird sowohl als das Ergebnis einer bewussten und freiwilligen Wohnstandortwahl als auch als die Konsequenz ungleich verteilter Durchsetzungschancen auf dem (städtischen) Wohnungsmarkt beurteilt. Segregation kann somit als der verräumlichte Ausdruck sozialer Ungleichheit und/oder als das Abbild gesellschaftlicher Diskriminierungen im (städtischen) Raum betrachtet werden.

Die Auswirkungen unfreiwilliger Segregation werden in einer Summierung sozialer Problemlagen und in davon ausgehenden Einschränkungen der Lebenschancen und Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen vermutet. Segregation entlang den Mustern der gesellschaftlichen Macht- und Sozialstruktur wird damit als eine Form zusätzlicher Benachteiligung und als Verstärkung der bestehenden Formen sozialer Ungleichheit beschrieben.

Die sozialwissenschaftliche Beobachtung von die soziale Benachteiligung verschärfenden Segregationseffekten ist Argument und Ausgangspunkt für an normative Leitbilder eines "guten Zusammenlebens" gebundene sozialpolitische Strategien der Desegration.

Soziale Kontrolle



Mit dem Begriff und Konzept der sozialen Kontrolle versucht die Soziologie jene sozialen Prozesse in den Blick zu nehmen, die darauf zielen, ein die gesellschaftlichen Normen verletzendes, von ihnen abweichendes Verhalten einzuschränken oder zu verhindern.

In einem weiten Sinn werden mit sozialer Kontrolle alle Mechanismen angesprochen, die die Normkonformität der Gesellschaftsmitglieder herstellen und garantieren und somit zur Aufrechterhaltung einer sozialen Ordnung beitragen sollen. In einer engeren Fassung des Konzepts richtet sich das soziologische Interesse auf die sanktionierenden Mittel und Maßnahmen, die solchen Verhaltensweisen, die gegen Strafrechtsnormen verstoßen (Kriminalität), entgegenwirken oder sie unterbinden sollen.

Im Mittelpunkt von Untersuchungen zum Themenfeld soziale Kontrolle stehen regelmäßig Fragen nach den Formen, Arbeitsweisen und Wirkungen von Kontrollmaßnamen, die Analyse der sie tragenden und ausübenden sozialen Gruppen und Instanzen und die Erforschung der Genese und des Wandels komplexer Systeme der sozialen Kontrolle.

Sozialraum



Mit dem Kompositum Sozialraum wird in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung die Artikulation gesellschaftlicher Verhältnisse als räumliche Ordnungen angesprochen. Die semantische Verknüpfung von Räumlichem und Sozialen kennzeichnet die Übersetzung von sozialen Strukturen und Beziehungen in eine ortsbezogene Raumstruktur und ermöglicht so eine Beschreibung von räumlichen Phänomenen als gesellschaftlich hergestellt, verändert und veränderbar.

Erklärungsmuster für sozialräumliche Entwicklungsmuster sind u. a. der Hinweis auf den Boden- und Wohnungsmarkt, politisch-staatliche Interventionen und sozio-kulturelle Handlungsmuster.

Soziale Stadt



Soziale Stadt ist ein Leitbild der Stadtentwicklung und der Kurztitel eines seit 1999 laufenden sozialpolitischen Programms.

Das stadtentwicklungspolitische Leitbild der sozialen Stadt umfasst Vorstellungen, die sich auf die Stadt als den Ort der gesellschaftlichen Integration beziehen. Es folgt der Problemdefinition einer Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der politischen Stabilität durch eine soziale und räumliche Ausgrenzung von Teilen der Bevölkerung und verfolgt das Ziel, die Wohn- und Lebensverhältnisse in benachteiligten und benachteiligenden Stadtteilen zu verbessern.

Am Leitbild einer sozialen Stadt orientierte sozialpolitische Konzepte wurden seit Anfang der 1990er Jahre sukzessive in verschiedenen Bundesländern etabliert. Die politische Akzeptanz des Leitbilds mündete 1999 in dem von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt". Es verbindet traditionelle Instrumente der Städtebauförderung mit Maßnahmen und Methoden, die auf die Förderung einer stadtteilbezogenen Identität und auf die Eigenaktivität der Bewohnerschaft ausgerichtet sind. Sie sollen die Etablierung nachbarschaftlicher Beziehungsnetze und eine "Hilfe zur Selbsthilfe" ermöglichen. Begonnen in 124 Städten und Gemeinden mit 161 Programmgebieten, werden aktuell (2006) in 430 Gebieten aus 284 Städten und Gemeinden Programmvorhaben durchgeführt.



 

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