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Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat


24.1.2011
Der Wahl-O-Mat hat sich als feste Informationsgröße in Wahlkampfzeiten etabliert. Sein Erfolg beruht auch auf einem Wandel im Wahlverhalten. Dabei bietet der Wahl-O-Mat Grundlagen für eine stärker sachpolitisch ausgerichtete Wahlentscheidung und entwickeln somit ein Gegenkonzept zu den Tendenzen der Personalisierung.

Einleitung



Seit der ersten Onlinestellung eines Wahl-O-Mat anlässlich der Wahl zum Deutschen Bundestag im Jahr 2002 sind bei den sich anschließenden Bundestagswahlen 2005 und 2009, bei den Europawahlen 2004 und 2009 sowie bei zahlreichen Landtagswahlen verschiedene Versionen dieser Internet-Applikation entwickelt und eingesetzt worden. Das Funktionsprinzip dieses Online-Tools ist vergleichsweise einfach: Der Wahl-O-Mat konfrontiert den User mit 30 bis 40 Thesen aus unterschiedlichen Politikfeldern, die im jeweiligen Wahlkampf eine Rolle spielen, etwa: "Es soll ein flächendeckender Mindestlohn eingeführt werden." Die Internetnutzer können sich zu diesen Aussagen positionieren, indem sie "stimme zu", "stimme nicht zu" oder "neutral" anklicken (respektive die These überspringen). Bevor der Wahl-O-Mat online gestellt wird, haben die Parteien ihre Positionen zu den Thesen festgelegt. Der Wahl-O-Mat kalkuliert, nachdem der jeweilige Nutzer über alle Thesen "abgestimmt" hat, welche Partei dem User mit Blick auf die Thesen am nächsten steht und wie weit entfernt andere Parteien von dieser Position liegen. Vor der Ergebnisanzeige besteht die Möglichkeit, Thesen zu markieren, die dem Nutzer besonders wichtig sind; diese werden bei der Berechnung der Nähe zu den Parteien stärker gewichtet. Außerdem wählt der Nutzer Parteien aus, die bei der Kalkulation berücksichtigt werden sollen. Am Ende hat der User die Möglichkeit, sich die Ergebnisse thesen- und parteigenau anzuschauen sowie Begründungen der Parteipositionen einzusehen.

Der Wahl-O-Mat, der von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) entwickelt und bereitgestellt wird, gehört zu den am stärksten nachgefragten Online-Angeboten im Bereich der politischen Bildung. Schon bei seinem ersten Einsatz erreichte er eine große Zahl potenzieller Wähler. Der vorläufige Höchstwert an Nutzungen war anlässlich der Bundestagswahl 2009 zu verzeichnen; unmittelbar vor jener Wahl wurde der Wahl-O-Mat rund 6,7 Millionen Mal gespielt(vgl. Tabelle der PDF-Version).

Seit 2002 sind das äußere Erscheinungsbild und das Rahmenangebot des Wahl-O-Mat modifiziert worden. Es wurden zusätzliche Auswertungs- und Informationsmöglichkeiten integriert sowie didaktische Materialien für den Schulunterricht entwickelt und eingestellt. Verändert hat sich auch die Auswahl der Parteien, die berücksichtigt werden. Bis in das Jahr 2008 wurden nur die bereits im Parlament vertretenen Parteien ins Tool aufgenommen sowie Parteien, denen aufgrund einschlägiger Umfragen Chancen zugesprochen wurden, Mandate im jeweiligen Parlament zu erlangen - in der Regel also vier bis sechs Parteien. Anlässlich einer richterlichen Intervention entschied die bpb, im Weiteren alle zur jeweiligen Wahl mit einer Landesliste zugelassenen Parteien einzuladen, die Wahl-O-Mat-Thesen zu beantworten, sodass nun mitunter weit mehr als 20 Parteien teilnehmen können. Dies hatte wiederum technische Veränderungen des Tools zur Folge. In der neuen Variante nimmt der Nutzer vor Anzeige des Ergebnisses aus der Gesamtgruppe der zugelassenen und am Wahl-O-Mat beteiligten Parteien eine Auswahl von acht Parteien vor, deren Positionen mit seinen eigenen abgeglichen werden sollen. Um trotz der Zunahme der Parteienanzahl eine ausreichende Unterscheidbarkeit zu gewährleisten, wurde zudem die Anzahl der Thesen von vormals 30 auf nun 38 erhöht. Schließlich wurde die Gewichtungsoption gestärkt.

Nach mehr als 15 online gestellten Versionen scheint der Wahl-O-Mat zu einem obligatorischen Bestandteil der Vorwahlöffentlichkeit geworden zu sein. Die Wahl-O-Mat-Einsätze werden von einer intensiven Medienberichterstattung begleitet. Auf das Tool wird von vielen anderen Websites verlinkt, und die jeweilige Version des Wahl-O-Mat wird von prominenten Medienpartnern gehostet. Der Begriff "Wahl-O-Mat" hat mittlerweile sogar einen Platz im Duden gefunden.

Mit seiner Funktionslogik gehört der Wahl-O-Mat zur Gruppe von Online-Tools, die in der wissenschaftlichen Debatte als Voting Advice Application (VAA) bezeichnet werden.[1] Neben dem deutschen Wahl-O-Mat hat sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl baugleicher oder zumindest ähnlicher Tools in anderen Ländern etabliert. Zu den - gemessen an ihrer Nachfrage - besonders erfolgreichen VAAs gehören "StemWijzer" und "Kieskompas" (Niederlande), "Wahlkabine" (Österreich), "smartvote" (Schweiz), der "VoteMatch UK" (Großbritannien) und "Yleisradiossa" (Finnland). Auch für die Wahlen zum Europäischen Parlament sind bereits Voting Advice Applications zum Einsatz gekommen ("VoteMatch EU", "EU Profiler"). Den VAAs ist gemeinsam, dass sie ihre Nutzerinnen und Nutzer auffordern, zu ausgewählten politischen Fragen Stellung zu beziehen. Auf der Grundlage eines Abgleichs mit Parteipositionen kalkulieren VAAs die Nähe zu den jeweiligen Parteien. Unterschiede bestehen freilich im Detail, etwa wie die Thesen entwickelt werden, von welcher Art von Organisation das Tool betrieben wird oder in welcher Form das Ergebnis berechnet und angezeigt wird.

Vieles spricht dafür, dass die Ausbreitung von VAAs anhält und dass sie in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen werden. Der Wahl-O-Mat und seine Verwandten werden davon profitieren, dass sich die Bedeutung der Online-Kommunikation in den kommenden Wahlkämpfen festigen und ausbauen wird. Bereits jetzt hat sich das Internet zu einer Plattform entwickelt, auf der ein großer Anteil der Wahlkampfkommunikation stattfindet und die für die Wähler zu einem immer wichtigeren Ort der Meinungsbildung vor dem Wahltag geworden ist. Das wird sich auch positiv auf das Angebot und die Nachfrage parteiunabhängiger Internet-Applikationen auswirken. Aber auch andere Entwicklungen sprechen für den weiteren Erfolg.


Fußnoten

1.
Vgl. Lorella Cedroni/Diego Garzia (eds.), Voting Advice Applications in Europe: The State of the Art, Napoli 2010.

 
Universität Düsseldorf

Wahl-O-Mat Forschung

Der Wahl-O-Mat wird seit Anfang an wissenschaftlich begleitet und sein Einsatz untersucht. Auf diesen Seiten präsentiert die Universität Düsseldorf ihre Forschungsergebnisse zum Wahl-O-Mat. Weiter... 

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Wahl-O-Mat als App für Smartphone und Tablet-PC

Wahl-O-Mat App

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