Header Wahl-O-Mat

12.12.2005 | Von:
Stefan Marschall

Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat

Nutzer, Nutzung und Wirkung

Der Wahl-O-Mat ist von sehr vielen Nutzern durchgespielt worden - das zeigt allein der dokumentierte "Traffic" auf der Seite. Was aber wissen wir über die Nutzerinnen und Nutzer - und damit über das Internet als Instrument der politischen Mobilisierung?

Ein Teil der Benutzer ist im Anschluss an ihre Wahl-O-Mat-Sitzung gefragt worden, ob sie an einer anonymisierten Umfrage teilnehmen möchten. Insgesamt liegen 14 455 ausgefüllte Fragebögen vor.[7] Der Fragebogen umfasste neben den üblichen demografischen Variablen (zu Geschlecht, Alter, Bildungsgrad usw.) Fragen zur Motivation der Wahl-O-Mat-Nutzung, zur Bewertung des Programms und zu seinen Wirkungen auf das Wahl- und sonstige politische Verhalten.

Was lässt sich über die Nutzer sagen?

Der Wahl-O-Mat spricht eine vergleichsweise junge Gruppe an. Fast 40 Prozent sind unter 30 Jahre alt, nur fünf Prozent über 60 Jahre alt (vgl. Tabelle 1 der PDF-Version). Hier spiegelt sich die typische Zusammensetzung der Internet-Gemeinde wider.

Aufschlussreich ist allerdings folgende Entwicklungstendenz: In der ersten Online-Befragung, die anlässlich des Bayern-Wahl-O-Mat 2003 durchgeführt worden ist, waren noch weit über 50 Prozent unter 30 Jahre alt. Bei aller Vorsicht des Vergleichs von Bundes- und Landesebene gibt es deutliche Hinweise, dass die Nutzergemeinde des Wahl-O-Mat "älter" wird - ebenso wie sich die Altersstruktur der Online-Gemeinde generell der Altersverteilung der Gesellschaft angleicht.[8]

Das Bildungsniveau der Wahl-O-Mat-Nutzer ist vergleichsweise hoch: Über Abitur respektive einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss verfügen 65 Prozent der Befragten. In der Gesamtbevölkerung beträgt ihr Anteil nur rund 20 Prozent.[9]

Die Gruppe der Wahl-O-Mat-Nutzer ist vergleichsweise hoch politisch interessiert, aber nicht zwangsläufig entsprechend organisiert. Dass sie politisch interessiert seien, sagen von sich rund vier Fünftel der Befragten. 88 Prozent geben an, eine klare parteipolitische Präferenz zu haben. Gleichwohl sind nur rund sechs Prozent aller Befragten Mitglied einer Partei. Über das Alter aufgeschlüsselt, nimmt der Anteil der Parteimitgliedschaft erheblich und stetig zu, von drei Prozent bei den unter 18-Jährigen bis zu 12,4 bei den über 60-Jährigen. In einer "sonstigen politischen Organisation" (z.B. Bürgerinitiative) sind rund fünf Prozent engagiert.

Warum wird der Wahl-O-Mat genutzt?

Die Nutzer des Wahl-O-Mat sind gefragt worden, mit welcher Hauptmotivation sie das Angebot aufgerufen haben (vgl. Tabelle 2 der PDF-Version). Die meiste Zustimmung erhielt die Antwortoption, dass die Befragten überprüfen wollten, ob die eigenen Standpunkte mit denen der ihnen nahe stehenden Parteien korrespondierten (51 Prozent). 13 Prozent antworteten, sie seien neugierig gewesen, wie der Wahl-O-Mat funktioniere. Etwa ebenso viele sagten, den Wahl-O-Mat gespielt zu haben, um sich von dem Ergebnis überraschen zu lassen. Nur wenige gaben als Hauptgrund an, den Wahl-O-Mat genutzt zu haben, weil sie auf der Suche nach Informationen über Parteiprogramme waren. Schließlich nutzten rund 18 Prozent das Angebot, weil sie für ihre Wahlentscheidung auf Orientierungssuche waren.

Wie schätzen die Nutzer den Wahl-O-Mat ein?

Zunächst einmal fand die Frage, ob die Nutzung des Wahl-O-Mat Spaß gemacht habe, nahezu einhellige Zustimmung: 94 Prozent bejahten dies (vgl. Tabelle 3 der PDF-Version). Dass das Online-Angebot hilfreich sei, um Unterschiede zwischen den Parteien festzustellen, sagten fast 50 Prozent. Knapp 45 Prozent hat der Wahl-O-Mat auf bundespolitische Themen aufmerksam gemacht. Rund 40 Prozent (hier nur der Wahlberechtigten) sagten, dass der Wahl-O-Mat ihnen bei der Wahlentscheidung weitergeholfen habe - was allerdings nicht heißt, dass ihr konkretes Wahlverhalten von der Wahl-O-Mat-Nutzung bestimmt worden ist.

Welche Auswirkungen hat der Wahl-O-Mat?

Wie gehen die Nutzer mit dem Wahl-O-Mat-Ergebnis um, welche Effekte hat die Nutzung des Angebots? Über 71 Prozent wollten über ihre Wahl-O-Mat-Erfahrung mit Kollegen, Freunden und Verwandten sprechen.[10] Fast die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer bestätigten, dass der Gebrauch des Wahl-O-Mat sie motiviert habe, sich weiter politisch zu informieren (vgl. Tabelle 4 der PDF-Version). Dass sie auf Grund der Ergebnisse des Wahl-O-Mat ihre Wahlabsicht voraussichtlich ändern werden, gaben etwa sechs Prozent an. Es ist jedoch fraglich, ob die Ankündigung, die Stimmabgabe nochmals zu überdenken, in der Realität zu einem gewandelten Abstimmungsverhalten führt. Für die politische Bildung ist schließlich folgende Zahl interessant: Knapp acht Prozent der Benutzer gaben an, dass der Wahl-O-Mat sie motiviert habe, zur Bundestagswahl zu gehen, obwohl sie dies eigentlich nicht vorhatten.


Fußnoten

7.
Die Untersuchung ist vom Verfasser geleitet worden, der die Wahl-O-Mat-Einsätze seit 2003 politikwissenschaftlich begleitet. Eine Zufallsstichprobe war aufgefordert worden, an der web-basierten Befragung teilzunehmen. Die Rücklaufquote lag bei 23 Prozent. Rekrutiert wurden die Befragten über ein "pop-up-Fenster" ("on exit": beim Verlassen der Wahl-O-Mat-Seite) respektive über ein Banner. Die Daten sind bereinigt und ihre Repräsentativität ist entlang der Variablen Geschlecht und Bundesland kontrolliert worden. Bei der Datenauswertung und Tabellenerstellung haben dankenswerterweise Christian K. Schmidt und Tammo Wetzel geholfen. Ergebnisse früherer Umfragen und sonstige Analysen sind auf der Seite www.wahl-o-mat.uni-duesseldorf.de/ einzusehen.
8.
Vgl. B. van Eimeren/B. Frees (Anm. 4), S. 364; TNS Infratest (Hrsg.), (N)Onliner-Atlas 2005. Eine Topografie des digitalen Grabens durch Deutschland, in: http://www.nonliner-atlas.de/ (7. 11. 2005).
9.
Vgl. http://www.br-online.de/br-intern/medienforschung/soziodemo/ (7.11. 2005).
10.
Dass über den Wahl-O-Mat gesprochen wird, zeigt sich auch in der Frage, wie man auf den Wahl-O-Mat aufmerksam geworden ist. Mehr als ein Drittel der Befragten hat vom Wahl-O-Mat über Freunde, Verwandte und Kollegen erfahren (35,5 Prozent).

Universität Düsseldorf

Wahl-O-Mat Forschung

Der Wahl-O-Mat wird seit Anfang an wissenschaftlich begleitet und sein Einsatz untersucht. Auf diesen Seiten präsentiert die Universität Düsseldorf ihre Forschungsergebnisse zum Wahl-O-Mat.

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Parteiprofile

Wer steht zur Wahl?

Bei Bundestags-, Landtags- und Europawahlen bietet "Wer steht zur Wahl?" eine kompakte Übersicht: Welche Parteien treten an? Welche Positionen zeichnen die Parteien aus? Und was sind die Besonderheiten der einzelnen Parteien? Im Archiv finden Sie die Parteiprofile der vergangenen Wahlen.

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Wahl-O-Mat als App für Smartphone und Tablet-PC

Wahl-O-Mat App

Für iPhone, Android und Windows Phone 8: Das populäre Wahltool der bpb gibt es nun auch als App! Zusätzlich liefert die App mit dem Format "Wer steht zur Wahl" Kurz-Profile aller Parteien sowie ausführliche Grafiken bisheriger Ergebnisse und ein Wahllexikon.

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