Header Wahl-O-Mat

12.12.2005 | Von:
Stefan Marschall

Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat

Diskussion und Perspektiven

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den Ergebnissen ziehen? Welche Beiträge zur politischen Mobilisierung und Information leistet der Wahl-O-Mat? Welche Potenziale für die politische Bildung und die demokratische Öffentlichkeit bietet das Internet generell?

Der Wahl-O-Mat erreicht offenkundig insbesondere jüngere Menschen. Diese fühlen sich - ihren Aussagen zufolge - von Design und Inhalt der Anwendung angesprochen. Das hohe politische Interesse auch bei den jungen Nutzern und die Tatsache, dass viele eine klare parteipolitische Präferenz haben, machen wiederum deutlich, dass mit dem Angebot vor allem diejenigen erreicht werden, die ohnehin zu den politisch Interessierten gehören.[11]

Bei denjenigen, die den Wahl-O-Mat gezielt nutzen, hat er bemerkenswerte Effekte: Er sorgt für Diskussionen und regt zum Nachdenken an - insbesondere dann, wenn das Ergebnis stutzig macht. Ein Teil der Nutzer (etwa acht Prozent) werden erst durch den Wahl-O-Mat zum Wählen motiviert; diese Zahl lag bei den Landtagswahlen sogar noch höher. Der Wahl-O-Mat hat demnach durchaus das Potenzial, bestimmte Wählerschichten zu mobilisieren.[12]

Die besondere Leistung des Wahl-O-Mat liegt nicht zuletzt darin, die Nutzer auf die thematische Ebene der Politik aufmerksam zu machen. Hier stehen nicht Personen im Vordergrund - wie dies formatbedingt in Teilen der massenmedialen Öffentlichkeit der Fall ist -, sondern Politikfelder und die programmatischen Lösungsvorschläge der Parteien. Und der Wahl-O-Mat vermittelt auch, dass die Parteien - unbeschadet aller inhaltlicher Annäherung - durchaus unterscheidbare Profile in zahlreichen Politikfeldern aufweisen.

Diese Vermittlung geschieht spielerisch, indem man interaktiv seine Präferenzen eingibt und der Wahl-O-Mat am Ende ein Ergebnis "ausspuckt", das mitunter überraschen kann. Auch wenn die Überraschung ausbleibt - eine gewisse Spannung wird durch den Vorgang der Ergebnisberechnung bei jedem Nutzer erzeugt.

Im Wahl-O-Mat verdichten sich wie in einem Brennglas die Grenzen und Möglichkeiten des Internets in Sachen politischer Mobilisierung. Wo liegen die Grenzen? Die Nutzerinnen und Nutzer politischer Websites sind vergleichsweise gut politisch vorinformiert und interessiert sowie formal überdurchschnittlich gebildet. Stärker als in anderen Anwendungen kann sich in den politischen Informations- und Kommunikationsangeboten eine Wissenskluft zwischen "Offlinern" und "Onlinern" auftun, sowie bei den "Onlinern" zwischen den politisch ohnehin interessierten und den politisch eher apathischen Internet-Nutzern. So bleibt als Herausforderung die Frage, wie formal niedrig gebildete, politikferne Milieus online und offline vor Wahlen (und danach!) angesprochen werden können. Auf die "herkömmlichen" Medien kann die politische Bildung jedenfalls nicht verzichten; trotz steigender Nutzung der Online-Medien bleiben die klassischen Massenmedien (Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und vor allem das Fernsehen) reichweitenstarke und wichtige Quellen politischer Information.[13] Und bei den "neuen" Medien müssen neueste Entwicklungen insbesondere im Bereich der Mobil-Kommunikation berücksichtigt werden.

Wo liegen die Möglichkeiten der Online-Mobilisierung? Politische, gerade überparteiliche Angebote können - wenn sie die Struktureigenschaften des Netzes berücksichtigen - sowohl Jungwähler erreichen als auch darüber hinaus alle "Interessierten". Über den Weg des Spielerischen können Internet-Nutzer an politische Themen herangeführt werden - nicht nur an Personen. Die Chancen stehen gut, dass Online-Kommunikation in reale Diskussionen im Familien- und Freundeskreis münden kann und dass mehr Information über die Parteien und ihre Positionen nachgefragt wird. Spaß und Unterhaltung auf der einen Seite sowie politische Information und Mobilisierung auf der anderen müssen einander nicht ausschließen. Das Internet kann helfen, beides miteinander zu verbinden.

Internet-Empfehlungen des Autors:
www.wahl-o-mat.de
www.stemwijzer.nl


Fußnoten

11.
Die Bereitschaft, zur Wahl zu gehen, lag bei den Wahl-O-Mat-Nutzern generell auf hohem Niveau (90,3 Prozent) und wesentlich höher als die tatsächliche Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl (77,7 Prozent). Internet-Nutzer scheinen allgemein ein höheres politisches Interesse zu haben als der Bevölkerungsdurchschnitt; vgl. Thorsten Faas, Umfragen im Vorfeld der Bundestagswahl 2002: Offline und Online im Vergleich, in: ZA Informationen, 52 (2003), S. 120 - 135.
12.
Diese These bestätigt generell vorliegende Forschungsergebnisse über Internet-Kommunikation; vgl. z.B. Martin Emmer/Gerhard Vowe, Mobilisierung durch das Internet? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum Einfluss des Internets auf die politische Kommunikation der Bürger, in: Politische Vierteljahresschrift, 45 (2004) 2, S. 191 - 212.
13.
Vgl. Christa-Maria Ridder/Bernhard Engel, Massenkommunikation 2005: Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich, in: Media Perspektiven, (2005) 9, S. 422 - 448.

Universität Düsseldorf

Wahl-O-Mat Forschung

Der Wahl-O-Mat wird seit Anfang an wissenschaftlich begleitet und sein Einsatz untersucht. Auf diesen Seiten präsentiert die Universität Düsseldorf ihre Forschungsergebnisse zum Wahl-O-Mat.

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Für iPhone, Android und Windows Phone 8: Das populäre Wahltool der bpb gibt es nun auch als App! Zusätzlich liefert die App mit dem Format "Wer steht zur Wahl" Kurz-Profile aller Parteien sowie ausführliche Grafiken bisheriger Ergebnisse und ein Wahllexikon.

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