World of Labor

15.9.2014 | Von:
L. Alan Winters

Wie wirken sich internationale Handelsbestimmungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen aus?

Handelspolitik ist keine Arbeitsmarktpolitik und nimmt kaum Einfluss auf die Gesamtbeschäftigung

Relevanz des Themas

Handelsregulierungen können Arbeitsplätze in den Wirtschaftssektoren erhalten oder schaffen, die sie schützen oder begünstigen wollen – doch geschieht dies fast immer zu Lasten eines ähnlich umfangreichen Arbeitsplatzverlustes an anderen Stellen. Auf mikroökonomischer und produktbezogener Ebene kann eine stärkere Begrenzung des Handels kurzfristig Importe zurückdrängen und Beschäftigung sichern; langfristig und gesamtwirtschaftlich gesehen entbehrt eine solche Strategie aber jeder empirisch belastbaren Begründung. Da Handelsprotektionismus potenziell weitere Negativeffekte mit sich bringt, ist für die Wirtschaftspolitik ein besseres Wissen um diese Zusammenhänge sehr wichtig.

Wichtige Resultate

Pro

Contra

  • Die Auswirkungen von Kurskorrekturen der Handelspolitik auf die Gesamtbeschäftigung sind ambivalent.
  • Protektionismus wirkt sich gesamtwirtschaftlich aus und gefährdet Arbeitsplätze in exportorientierten Branchen.
  • Handelsreformen verändern die Relation zwischen informeller und formeller Beschäftigung nicht.
  • In stark importkonkurrierenden Branchen kann Protektionismus neue Arbeitsplätze schaffen oder zumindest Beschäftigungsverluste reduzieren.
  • Langfristig kann die Liberalisierung des Handels die Beschäftigung deutlich steigern (zumindest in Entwicklungsländern).
  • Offenere Volkswirtschaften verfügen durchweg über ein höheres Beschäftigungsniveau.
  • Handelsreformen scheinen keine größere Reallokation von Arbeit zwischen den Sektoren hervorzurufen.
  • Handelsreformen können allerdings innerhalb von Sektoren eine Umverteilung zugunsten effizienterer Betriebe erzeugen.

Kernbotschaft des Autors

Handelspolitik ist das falsche Instrument, um nachhaltig positive Beschäftigungseffekte zu erzielen. Sofern die Handelspolitik hier überhaupt eine anhaltende Wirkung entfaltet, tut sie dies in Interaktion mit bestehenden Verzerrungen der Arbeitsmärkte. Dabei lassen die zu großen Länderunterschiede jedoch keine Verallgemeinerungen zu. Die Politik ist deshalb gut beraten, bei der Förderung von Beschäftigung auf Maßnahmen zur Stärkung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts und Reformen der Arbeitsmarktinstitutionen zu bauen, statt auf Protektionismus zu setzen.

World of Labor - Kein Zusammenhang zwischen Welthandel und Beschäftigung

Eine vollständige Textversion in englischer Sprache finden Sie hier.

Das Online-Kompendium "IZA World of Labor" wird vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) herausgegeben. Es bereitet das aktuelle empirische Wissen zu zentralen Fragen der internationalen Arbeitsmärkte auf und wird in Kürze über 500 thematische Beiträge verfügen. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht ausgewählte Kurzfassungen mit freundlicher Genehmigung des IZA. Die Langfassungen der Artikel finden Sie hier.