World of Labor

2.1.2018 | Von:
Janneke Pieters

Auswirkungen von Handelsliberalisierung auf die Geschlechterungleichheit

Kann Freihandel zur Chancengleichheit von Männern und Frauen bei Beschäftigung und Löhnen beitragen?

Relevanz des Themas

Frauen sind seltener erwerbstätig und verdienen weniger als Männer. Die Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. In der politischen Diskussion über die Arbeitsmarkteffekte des Außenhandels geht es meist um die Auswirkungen auf Arbeitskräfte verschiedener Bildungs- und Qualifikationsniveaus. Aber auch auf Männer und Frauen kann sich die Liberalisierung des Handels unterschiedlich auswirken. Insofern kann die Globalisierung potenziell zur Gleichberechtigung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt beitragen.

Wichtige Resultate

Pro

Contra

  • Die wettbewerbsfördernde Wirkung von Freihandel baut Diskriminierung durch Arbeitgeber ab, weil sich diskriminierende Unternehmen auf Dauer nicht am Markt halten können.
  • Handel führt zu Investitionen in neue Technologien, die schwere körperliche Arbeit in der Fertigung verringern, so dass sich mehr Tätigkeiten gleichermaßen für Frauen eignen.
  • Wenn Staaten einen Wettbewerbsvorteil bei primär von Frauen gefertigten Produkten wie Textilien und Bekleidung haben, kann Außenhandel die relativen Löhne von Frauen steigern.
  • Global gesehen gibt es keine eindeutige Beziehung zwischen Außenhandel und Geschlechterungleichheit.
  • In Industrieländern scheint technologischer Fortschritt durch Handel keine Verringerung der Geschlechterungleichheit zu bewirken.
  • Die Verlagerung von Jobs aus arbeitsintensiven Branchen mit starker Importkonkurrenz in den kapitalintensiven Exportsektor trifft Frauen härter als Männer.
  • Bislang gibt es keine Belege dafür, dass die Handelsliberalisierung zum Abbau der Geschlechterungleichheit in Ländern mit niedrigem Einkommen beiträgt.

Kernbotschaft des Autors

Zwar führt Handelsliberalisierung nicht notwendigerweise zum Abbau geschlechtsspezifischer Ungleichheit, doch die Forschung zeigt verschiedene Wege auf, wie der Außenhandel die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt potenziell verbessern kann. So wirkt ein verstärkter Wettbewerb der Diskriminierung durch Arbeitgeber entgegen und fördert Investitionen in neue Technologien, die in vielen Tätigkeiten die körperliche Belastung reduzieren und die Einstellungschancen für Frauen verbessern. Eine Liberalisierung des Handels kann auch zu strukturellen Veränderungen in den Wirtschaftssektoren führen, wobei die Auswirkungen auf die Geschlechterungleichheit positiv wie negativ sein können.

Erwerbsquoten nach Geschlecht, 2013Erwerbsquoten nach Geschlecht, 2013