Bijiashan Windkraftanlage in China.

1.3.2013 | Von:
Andreas Goldthau

Statoil ASA

Norwegen

Statoil ist der Primus unter den nationalen Energiekonzernen. Das Unternehmen gehört zu zwei Dritteln dem norwegischen Staat und trägt wesentlich zum Wohlstand des Landes bei. Es gilt als Tiefseespezialist und fühlt sich gewappnet in die Arktis vorzustoßen, deren große Energiereserven mit dem Klimawandel erkundbar werden.

This is an undated image released by Statoil of the Statoil hotel rig Flotel Superior, right, and the Njord A-platform in the Norwgian Sea. Statoil on Wednesday Nov. 7, 2012 evacuated 326 oil rig workers from a North Sea platform after the structure began to tilt, the Norwegian oil company said. Company spokesman Ole Anders Skauby said that most of the 374 people on the "Floatel Superior" were airlifted by helicopter after one of the floating pontoons started taking on water, causing the structure to list. (Foto:Statoil/AP/dapd) NORWAY OUTÖlplattform von Statoil in der norwegischen Nordsee. (© picture-alliance/AP, Statoil)

Leitung: CEO, berichtet an Aufsichtsrat (unabhängig)
Produktion: 1,85 Millionen Barrel/ Tag
Umsatz: US$ 119 Milliarden (2011)
Gewinn: US$ 13 Milliarden (2011)
Investitionen: US$ 29 Milliarden in Öl- und Gasaktivitäten (geplant für 2012)
Ressourcenkontrolle: liegt beim norwegischen Staat
Beschäftigte: 31.715
(Quelle:Statoil ASA)

Statoil ist der inoffizielle Goldstandard der globalen NOCs. Obwohl zu 67 Prozent in staatlicher Hand ist Statoil in seiner Unternehmensführung vorbildlich und liegt unangefochten auf Platz eins des Transparency International Rankings. Das Staatsunternehmen sticht damit private Wettbewerber wie BP (Platz 9) oder ExxonMobil (Platz 13) aus. Zwar besitzt Statoil kein Monopol auf die Ausbeutung von Norwegens Öl- und Gasreserven, allerdings muss das Unternehmen an allen Operationen ausländischer Unternehmen beteiligt werden. Damit kontrolliert Statoil neben seinen globalen Aktivitäten in insgesamt 40 Ländern etwa 80 Prozent der norwegischen Öl- und Gasproduktion. Es hat daher einen gewichtigen Anteil an den Staatseinnahmen, zu denen fossile Ressourcen etwa 35 Prozent beitragen. Statoils Unternehmensführung ist von der Regulierung des Öl- und Gassektors getrennt. Letztere liegt bei einer Vielzahl von staatlichen Institutionen, u.a. dem Energieministerium und dem Norwegischen Petroleum Direktorat (NPD), wodurch die Aufsicht über den Sektor auf mehrere Akteure verteilt ist. Zudem fließen die Einnahmen aus den Ölverkäufen in einen nationalen Fonds, dessen Volumen mittlerweile auf mehr als 656 Milliarden US-Dollar angewachsen ist, und damit ebenfalls weltweit Platz eins einnimmt.

Statoil profitiert von diesem als 'Norwegisches Modell‘ bekannt gewordenen Ansatz und ist ein mit privaten Unternehmen vergleichbarer Akteur auf dem globalen Markt. Norwegen hat es verstanden, ein global erfolgreiches integriertes Öl- und Gasunternehmen zu etablieren und dabei die sogenannte 'Holländische Krankheit‘ zu umgehen, also den negativen Einfluss eines dominanten Ölsektors auf den Rest der Volkswirtschaft. Eine gewisse Rolle in der Entwicklung des 'Norwegischen Modells‘ hat allerdings auch der größte Kunde Statoils gespielt: die EU. Etwa 90 Prozent von Norwegens Öl- und Gasproduktion gehen nach Europa, womit das Land für etwa ein Viertel der gesamten Gasimporte der EU aufkommt. Zudem ist Norwegens Volkswirtschaft eng mit der EU verflochten, was zu einem Beitritt des Landes zur Europäischen Wirtschaftszone im Jahre 1994 führte. Dies verpflichtete Oslo, seinen Öl- und Gassektor zu reorganisieren und partiell zu liberalisieren.

Statoil gilt nach 40 Jahren Erfahrung bei norwegischen Offshore-Förderprojekten als Tiefseespezialist. Das Unternehmen fühlt sich gewappnet, nun in die Arktis vorzustoßen, deren große Energiereserven mit dem Klimawandel erkundbar werden. Ob es dies, wie in einem gemeinsamen Memorandum mit Gazprom geplant, in die Tat umsetzen kann, wird sich eventuell noch zu einem Testfall für seine Unabhängigkeit von der auf Umweltverträglichkeit achtenden norwegischen Regierung entwickeln.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/3.0/ Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Andreas Goldthau für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Hintergrund aktuell

Neue Regeln für die Energiewende

Am 1. August trat die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft. Damit veränderte sich der gesetzliche Rahmen für die Energiewende in Deutschland.

Mehr lesen

Zahlen & Fakten Europa

Energie

13,6 Prozent der weltweiten Versorgung mit Primärenergie im Jahr 2009 entfielen auf die 27 Mitgliedstaaten der EU. Werden zu den 27 EU-Staaten noch 16 weitere europäische Staaten hinzugezählt, steigt der Anteil auf gut ein Fünftel. Die Energieabhängigkeitsquote der EU lag dabei bei mehr als 50 Prozent.

Mehr lesen

Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
Dossier

Umwelt

Die Umwelt stellt uns Lebensgrundlagen und Rohstoffe zur Verfügung, die wir pflegen und erhalten sollten. Doch es fällt schwer, klare Grenzen zu ziehen: Wo nutzt der Mensch die Natur? Und wo zerstört er sie dauerhaft?

Mehr lesen

Ein schmelzender Eisberg, aufgenommen am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgroenland. Die fuehrenden Industrienationen kommen am Mittwoch, 8. Juli 2009, beim G-8-Gipfel in L'Aquila, Italien, zusammen, um ueber die Wirtschaftskrise und den Klimaschutz zu beraten. (ddp images/AP Photo/John McConnico) --- FILE - This is a July 19, 2007 file photo of an iceberg as it melts off Ammassalik Island in Eastern Greenland. (ddp images/AP Photo/John McConnico)
Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus?

Mehr lesen