Offshore-Windpark nahe Shanghai. Die 102 Mega-Watt Offshore-Anlage wurde Mitte 2010 fertiggestellt und ist die größte in ganz Asien. Die 34 Windturbinen mit jeweils 3 Mega-Watt Leistung können 200.000 Haushalte in Shanghai mit Energie versorgen.

Heimischer Rohstoff Kohle


5.9.2008
2007 trugen Stein- und Braunkohle 47 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Vor allem Braunkohle ist ein wichtiger heimischer Rohstoff. Weltweit ist Kohle der zweitwichtigste Energieträger. Doch Kohle trägt auch zu den CO2-Emissionen bei.

Einer der leistungsstärksten Bagger arbeitet südlich von Leipzig im Tagebau Schleenhain der Mitteldeutschen Braunkohle GmbH (MIBRAG), am Donnerstag, 3. Sep. 1998. Der Schaufelradbagger kann pro Minute bis zu 100 Kubikmeter Abraum oder Kohle fördern. Gegenwärtig wird der Tagebau vorbereitet, um ab Frühjahr 1999 Braunkohle für das neue Kraftwerk Lippendorf zu liefern. Die MIBRAG hat bisher etwa 450 Mio Mark in Ausrüstung und Umbau des Tagebaubetriebes Schleenhain investiert.Einer der leistungsstärksten Bagger arbeitet südlich von Leipzig im Tagebau Schleenhain der Mitteldeutschen Braunkohle GmbH (MIBRAG). (© AP)

Klingt einfach: Das in Kohlekraftwerken freigesetzte CO2 wird aufgefangen, verdichtet und in unterirdischen Lagerstätten gespeichert. Rund 80 Prozent der üblichen Kohlendioxidmenge sollen damit nicht mehr ins Klima gelangen. An der CCS-Technologie (Carbon Dioxide Capture and Storage) – also Abscheidung und Speicherung von CO2 – wird seit längerem gearbeitet.

Anfang September nahm Vattenfall ein Demo-Kraftwerk mit CCS-Technologie in der Lausitz in Betrieb. In der weltweit ersten Pilotanlage für ein Braunkohlekraftwerk wird noch kein CO2-freier Strom, aber kohlendioxidarme Wärme erzeugt. Doch die CCS-Technologie ist noch in der Erprobung. Ob das in die Erde verpresste Kohlendioxid tatsächlich dort bleibt, ob es nicht langfristig mit Wasser und Gestein reagiert, ist noch nicht abschließend geklärt. Doch manche sehen in der CCS-Technologie die Chance auf eine Renaissance der Kohle.

Kohle wird vor allem zur Stromerzeugung eingesetzt, und Kohlekraftwerke gelten bislang als Klimakiller. Die spezifischen CO2-Emissionen sind bei der Kohle höher als bei anderen fossilen Energieträgern. 2005 trug Braunkohle 11 Prozent zum Primärenergieverbrauch in Deutschland bei, aber 23 Prozent zum energiebedingten CO2-Ausstoß. Doch nicht allein der Aspekt der Klimaverträglichkeit spielt zunehmend eine Rolle, auch die Frage der Versorgungssicherheit, und da bietet Kohle einen großen Vorteil: Deutschland verfügt über eigene Reserven, Kohle ist der wichtigste einheimische Energieträger.

Die Inkohlung dauerte Jahrmillionen



Ein Bergmann in der Schwarzkaue, der Umkleide, in der die Arbeitskleidung bleibt. Das Steinkohle-Bergwerk Walsum in Duisburg wurde im Juni 2008 stillgelegt. Die Förderung von Steinkohle in Deutschland ist teurer als im Ausland.Das Steinkohle-Bergwerk Walsum in Duisburg wurde im Juni 2008 stillgelegt. Die Förderung von Steinkohle in Deutschland ist teurer als im Ausland. (© AP)
Die heutige Kohle entstand im Laufe von Millionen von Jahren aus abgestorbenem organischen Material. Durch die Überdeckung mit Wasser-, Erd- und Steinschichten lief der bio- und geochemische Prozess der Inkohlung ab: Unter Druck und Luftabschluss wurde die Kohlesubstanz zunehmend reicher an Kohlenstoff und ärmer an Wasser und flüchtigen Bestandteilen.

Die Steinkohle bildete sich vor 200 bis 400 Millionen Jahren und findet sich in tieferen Schichten, so dass der Abbau teils in über 1.500 Metern Tiefe stattfindet. Braunkohle hingegen ist die "jüngere" Kohleart, aber auch sie entstand vor 10 bis 20 Millionen Jahren, und findet sich in geringem Abstand zur Erdoberfläche. Sie hat jedoch einen geringeren Energiegehalt.

Der Kohlebergbau nahm seinen Anfang bereits in der Antike. Doch über lange Zeit hinweg blieb Holz entscheidend, das ausreichend vorhanden war. Erst im 16. Jahrhundert begann die Kohle ihren Siegeszug. [1] Mit der wachsenden Bevölkerung und den Anfängen der Industrialisierung wurde Holz als Energieträger nach und nach durch Kohle ersetzt, die bestimmend für die industrielle Revolution war.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor Kohle in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Erdöl war im Kommen, ebenso wurden Erdgas, später dann Kernenergie zur Konkurrenz. Seit den 1960er Jahren erlebte vor allem der Steinkohlebergbau einen tiefen Strukturwandel. Denn anders als Braunkohle kann Steinkohle in Deutschland nur unter Tage abgebaut werden, was mit erheblichen Förderkosten verbunden ist. In Australien oder auch China ist die Förderung von Steinkohle im Tagebau möglich. In Deutschland setzte die Subvention der Steinkohle ein, die bis heute politisch umstritten ist. Befürworter begründen die Finanzhilfe mit der notwendigen Versorgungssicherheit für den deutschen Energiemarkt. Trotzdem ist die Fördermenge kontinuierlich zurückgegangen; heute werden über 60 Prozent der verbrauchten Steinkohle importiert.

Kohle wird vor allem verstromt



In Deutschland sind zurzeit noch acht Steinkohlebergwerke in Betrieb. 2007 wurde Steinkohle im Umfang von etwa 22 Millionen Tonnen SKE (Steinkohleeinheit) gefördert, 68 Mio. Tonnen wurden verbraucht. Die restlichen rund 46 Mio. Tonnen SKE wurden importiert – vor allem aus Russland, Südafrika und Polen.

93 Prozent der Steinkohle gingen in die Erzeugung von Fernwärme und insbesondere von Strom: 2007 wurden 145 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, knapp 23 Prozent der Stromerzeugung insgesamt. Noch stärker wurde die Braunkohle genutzt: Sie lieferte 156 Mrd. Kilowattstunden, ein Anteil von über 24 Prozent. Damit trug Kohle 47 Prozent zur Stromerzeugung insgesamt bei. Braunkohle war sogar der wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung und überholte die Atomenergie, was aber auch mit der zeitweisen Abschaltung von bis zu sechs Kernkraftwerken zusammenhing.

Mit 18 Prozent ist Deutschland der weltweit größte Förderer von Braunkohle. 2007 wurden 180 Mio. Tonnen Braunkohle in Deutschland produziert, schwerpunktmäßig im Rheinland. Dort wurden mit 100 Mio. Tonnen 55 Prozent der deutschen Braunkohle gefördert. Weitere Reviere finden sich in der Lausitz, in Mitteldeutschland sowie in Helmstedt. Bei der Braunkohle waren keine Importe notwendig, die Förderung deckte den Verbrauch.

Kohlereserven en masse



Im Vergleich zu Erdöl oder Erdgas verfügt Kohle über die größten Reserven weltweit. 2007 waren es 847 Mrd. Tonnen. Wird die Kohleförderung im heutigen Ausmaß beibehalten, reichen die Reserven noch schätzungsweise 130 bis 140 Jahre. Doch die Kohleressourcen liegen noch weit darüber, einige bekannte Lagerstätten sind bislang noch nicht rentabel zu fördern. Die USA sind mit einem Anteil von knapp 30 Prozent das kohlereichste Land. Russland kommt auf 18 und China auf über 13 Prozent. 2007 hatten Kohlen, vor allem die Steinkohle, einen Anteil von 27 Prozent am weltweiten Primärenergieverbrauch. Nur der Verbrauch von Erdöl lag darüber. Bei der Stromerzeugung ist Kohle der wichtigste Energierohstoff.

Der internationale Handel mit Steinkohle wächst, Australien und Indonesien sind die wichtigsten Exporteure. Für Braunkohle gibt es keinen globalen Markt: Da der Energiegehalt geringer ist, rentieren sich keine langen Transportwege. Braunkohle wird deshalb vor Ort genutzt. Insbesondere in Asien ist Kohle eine bedeutende Energiequelle und trägt entscheidend zum Wirtschaftsboom bei. In China deckt Kohle 60 Prozent des Primärenergieverbrauch, in Indien über 30 Prozent. Die steigenden Ölpreise machen Kohle attraktiv. Noch dazu sind in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Förderkosten gering – die Arbeitskräfte sind günstig und die Sicherheitsstandards niedrig. China ist mit einem Anteil von 46 Prozent zurzeit der weltweit größte Produzent von Kohle. Zugleich trägt Kohle zu den steigenden CO2-Emissionen bei.

Renaissance eines Energieträgers?



In Deutschland gerät Kohle immer wieder in die Kritik. Zuletzt gab es wiederholt Proteste von Anwohnern gegen Kohlekraftwerke. Im saarländischen Ensdorf sorgte 2007 ein Bürgerentscheid für das Ende eines geplanten Steinkohlekraftwerks. Die Befürworter sehen in Kohle die Möglichkeit einer günstigen Energieversorgung in Anbetracht steigender Öl- und Gaspreise. Dabei sei der Bau neuer Kohlekraftwerke mit moderner Technik wie auch die Förderung der CCS-Technologie die Chance, den CO2-Ausstoß zu mindern. Außerdem reduziere die Kohle die Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas. Kritiker hingegen sehen in der Kohle vor allem einen CO2-Emittenten. Förderung neuer Kraftwerke oder Technologien lehnen sie ab, da mit den erneuerbaren Energien schon jetzt ausreichend CO2-frei Strom und Wärme zu erzeugen seien.

Quellen:

Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.: Bericht: Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2007
»www.ag-energiebilanzen.de«

BP Statistical Review of World Energy, June 2008
»www.bp.com/statisticalreview«

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
»www.bgr.bund.de«

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Energie in Deutschland
»www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Service/publikationen«

Bundesverband Braunkohle
»www.braunkohle.de«

Inernationale Energie Agentur (IEA)
»www.iea.org«
Key World Energy Statistics, 2007
»www.iea.org/textbase/nppdf/free/2007/key_stats_2007.pdf«
World Energy Outlook, 2006
»www.worldenergyoutlook.org«

RAG Deutsche Steinkohle
»www.rag-deutsche-steinkohle.de«

Reiche, Danyel (Hrsg.), Grundlagen der Energiepolitik, Frankfurt am Main, 2005.


Fußnoten

  1. Reiche, Danyel (Hrsg.), Grundlagen der Energiepolitik, Frankfurt am Main, 2005, Seite 88.
 

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