Offshore-Windpark nahe Shanghai. Die 102 Mega-Watt Offshore-Anlage wurde Mitte 2010 fertiggestellt und ist die größte in ganz Asien. Die 34 Windturbinen mit jeweils 3 Mega-Watt Leistung können 200.000 Haushalte in Shanghai mit Energie versorgen.

Auch künftig Mix aus zentraler und dezentraler Erzeugung

Vier Fragen an Dr. Oliver Weinmann


8.1.2009
Nicht immer sei "small" auch "beautiful", meint Oliver Weinmann von der Vattenfall Europe AG. Biomasse-Mitverbrennung in bestehenden Kraftwerken sei besser fürs Klima.

Dr. Oliver WeinmannDr. Oliver Weinmann
Schon mehrere Dörfer in Deutschland versorgen sich selbst mit Energie aus Biomasse und/oder Windkraft. Manche Gemeinden sind sogar autark. Wie bewerten Sie solche Modelle?

Die Energieerzeugung aus Biomasse wird sicherlich zunehmen. Allerdings halte ich wenig von der Formel: "Biomasse plus Dezentralität ist per se wünschenswert und gut fürs Klima." Solche Lösungen sind nur dort sinnvoll, wo sie effizient und wirtschaftlich sind sowie den größtmöglichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Denn nicht immer ist "small" auch "beautiful". Biomasse-Mitverbrennung in bestehenden Kraftwerken ist besser fürs Klima, da die Biomasse die Kohle direkt ersetzt. Diese Kraftwerke verfügen über deutlich höhere Wirkungsgrade als Kleinkraftwerke und sind mit hochmodernen Rauchgasreinigungsanlagen ausgerüstet, die spezifischen Schadstoffemissionen sind geringer. Durch die bereits vorhandene Infrastruktur sind die Anlagen zudem kostengünstiger.

Was den Wind betrifft, werden wir hier in Deutschland eine Entwicklung weg vom Land hinaus auf das Meer erleben. Weg von der kleinteiligen Erzeugung mit relativ wenigen Anlagen und geringer Leistung, hin zur Erzeugung von Strom aus leistungsstarken Offshore-Windparks.

Sind solche dezentralen Versorgungsnetze, die auf regenerative Energien setzen, deutschlandweit möglich und wünschenswert?

Sie sind wünschenswert dort, wo sie möglich sind, unter den bereits genannten Aspekten: Biomasse-Anlagen müssen mit hohem Wirkungsgrad Strom und Wärme produzieren können, sie müssen wirtschaftlich und umweltschonend sein. Ebenso muss die Biomasse in räumlicher Nähe zum Ort ihrer Verwertung verfügbar sein. Es nützt nichts, Biomasse kreuz und quer durchs Land zu transportieren nur um einer Dezentralität willen. Zudem ist Biomasse nicht unbegrenzt verfügbar: Die Anbauflächen stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu Agrarflächen für die Nahrungsmittelproduktion.

Die Nutzung der Windenergie ist an Land stark abhängig von lokalen Windverhältnissen, insofern wäre ich vorsichtig mit dem Begriff "deutschlandweit". Geeignete Wind-Standorte an Land werden bereits weitgehend genutzt. Hier kommt eher das so genannte Repowering infrage, d.h. alte Windenergieanlagen werden durch neue Anlagen mit höherer Leistung ersetzt. Viel wichtiger jedoch ist: Wollen wir die Ausbauziele der Bundesregierung in puncto Windenergie erreichen, müssen wir in Deutschland mit den Windenergieanlagen raus aufs Meer.

Auch die Kraft-Wärme-Kopplung kann dezentral genutzt werden. Seit 2002 wird sie durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz gefördert. Welches Potential steckt in der KWK als dezentrale Lösung?

Eine dezentrale Energieerzeugung auf Basis von Biomasse erfordert zwingend Kraft-Wärme-Kopplung. Alles andere wäre Verschwendung von wertvollen Ressourcen. Weiteres Potenzial liegt in so genannten Kleinst-KWK-Anlagen. Das sind Anlagen, die Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhäuser mit Strom und Wärme versorgen. Hier zeigt die neuere Technologieentwicklung vielversprechende Ansätze wie z.B. Stirling Motoren oder Brennstoffzellen. Aber auch motorgetriebene KWK-Anlagen sind denkbar.

Kann mit vielen dezentralen Lösungen die Energieversorgung deutschlandweit gesichert werden?

Es wird auch zukünftig einen Mix aus zentraler und dezentraler Energieerzeugung geben, wobei dezentrale Lösungen die zentrale Energieversorgung mehr und mehr sinnvoll ergänzen werden. Ein solch komplexes System aus zentraler und dezentraler Erzeugung erfordert jedoch den weiteren Ausbau des Stromnetzes. Denn der Regel- und Steuerungsbedarf wird zunehmen, so dass wir intelligente Netze benötigen, die zudem einen effektiven Datenaustausch ermöglichen. Es müssen die Prognoseverfahren, gerade für die schwankende dezentrale Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wie beispielsweise Windenergie verbessert werden. Es muss das Lastmanagement verbessert werden. Kurzum: Das schwankende Angebot und die schwankende Nachfrage müssen möglichst passgenau zur Deckung gebracht werden, und das gespeist aus vielen kleinen Quellen. Denn es nützt nichts viel Energie dezentral und regenerativ zu erzeugen zu Zeiten, zu denen sie niemand benötigt, um in Spitzenzeiten mangels Angebot auf konventionelle Erzeugung zurückgreifen zu müssen.


 

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