Kohleverstromung ist klimaschädlichste Art der Stromerzeugung
Fünf Fragen an Thorsten Becker
Braunkohle kann keinen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung leisten, denn das Verbrennen von Braunkohle setzt ungeheure Mengen an klimaschädlichem CO2 frei, sagt Thorben Becker von BUND.Die Preise für Öl und Gas steigen. Braun- und Steinkohle gelten als billige fossile Energieträger: Wie günstig ist die Kohle?
Auch der Preis für Steinkohle ist in den letzten Monaten rasant gestiegen. Und Kohle mit seinen hohen CO2-Emissionen kann nur dann vermeintlich preiswert sein, solange die Klimafolgenkosten nicht berücksichtigt werden: Die Abschätzungen für die weltweiten Schadenskosten variieren stark in unterschiedlichen Studien. Ein auch vom Bundesumweltministerium zitierter Wert liegt bei 70 Euro pro Tonne CO2. Ein neues Steinkohlekraftwerk, wie das von Vattenfall in Hamburg Moorburg geplante, würde also externe Klimaschäden in Höhe von rund 700 Millionen Euro jährlich verursachen. Deshalb ist es wichtig, dass auch CO2 über den Emissionshandel endlich einen Preis bekommt. Wenn die Politik in den nächsten Jahren strenge Klimaschutzvorgaben erlässt, dann werden Kohlekraftwerke voraussichtlich so teuer, dass sie unwirtschaftlich sind.
2007 trugen Braun- und Steinkohle 25 Prozent zum deutschen Energiemix bei, sie sind damit ein wichtiger Energielieferant, aber auch ein großer CO2-Verursacher. Was wiegt mehr: Wirtschaftlichkeit oder Umweltschutz?
Der BUND ist der festen Überzeugung, dass dieses "oder" keinen Sinn macht. Wir brauchen eine Energieversorgung, die klimaverträglich und wirtschaftlich ist. Dies kann die Kohleverstromung nicht sein. Kohleverstromung ist die klimaschädlichste Art der Stromerzeugung. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, dürfen wir keine neuen Kohlekraftwerke in Deutschland bauen und keine neuen Braunkohle-Tagebaue in Betrieb nehmen. Befürworter des Neubaus von Kohlekraftwerken behaupten oft, diese Technologie sei wirtschaftlicher als andere Varianten. Tatsächlich gilt dies nur unter ganz bestimmten Randbedingungen. Bei einer Umstellung der deutschen Energieversorgung auf einen klimagerechten Energiemix ist dies nicht mehr der Fall.
Die Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten wächst; Braunkohle ist hingegen ein wichtiger heimischer Energieträger. Welche Rolle sollte der Aspekt der Versorgungssicherheit spielen?
Die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten sinkt in den letzten Jahren dank der verstärkten Nutzung der erneuerbaren Energien in Deutschland. Und dies ist auch der einzig richtige Weg, um weiter eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Denn Braunkohle kann keinen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung leisten. Das Verbrennen von Braunkohle setzt ungeheure Mengen an klimaschädlichem CO2 frei. Und allein die ökologischen Schäden und die unverantwortliche Umsiedlung von ganzen Dörfern, die der Braunkohle-Tagebau bedeutet, sind ein ausreichender Grund mit der Braunkohleverstromung aufzuhören.
Der Bau neuer Kohlekraftwerke wird von den Anwohnern meist abgelehnt. Ebenso ist insbesondere der Tagebau stark umstritten. Wenn überhaupt, wie kann die Akzeptanz der Bevölkerung gewonnen werden?
Der BUND arbeitet nicht an Akzeptanz für klimaschädliche Kraftwerke und Umwelt zerstörende Tagebaue. Wir arbeiten daran, die Bevölkerung in ihrem berechtigten Protest zu unterstützen. In Brandenburg etwa hat der BUND zusammen mit einem breiten Bündnis ein Volksbegehren gegen neue Braunkohle-Tagebaue initiiert. Alle Menschen, die nicht in Brandenburg wohnen, können sich trotzdem mit dem Volksbegehren solidarisieren.
Seit längerem wird an der Entwicklung der CCS-Technologie gearbeitet: Damit soll das in Kohlekraftwerken freigesetzte CO2 aufgefangen, verdichtet und in unterirdischen Lagerstätten gespeichert werden. Die Kohlendioxidmenge soll so stark reduziert werden. Wie ausgereift ist das Verfahren, und könnte es einen Wendepunkt für die Kohle als Energieträger bedeuten?
Das Verfahren ist noch überhaupt nicht ausgereift und wird frühestens ab 2020 eine Rolle spielen können. Dann werden nach den Plänen der Stromkonzerne aber bereits viele neue Kohlekraftwerke am Netz sein, bei denen diese Technik keine Rolle spielt. Es ist aus heutiger Sicht sehr fraglich, ob es überhaupt ausreichend sichere Lagerstätten für das CO2 gibt, wo es für mehrere tausend Jahre nicht entweichen kann. Klar ist, dass die Technik sehr energieaufwändig und teuer ist. Deshalb sollten wir auf die Technologien setzen, die bereits heute vorhanden sind wie erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kraft-Wärmekopplungs-Kraftwerke.
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