Factsheet Afrika
21.11.2008
Afrika ist reich an Ressourcen: Vor allem bei Erdöl und Erdgas wird Afrika künftig eine wichtige Rolle spielen. Heute finden sich über 9 Prozent der Erdöl- und gut 8 Prozent der Erdgasreserven auf dem Kontinent.
Afrika: Anteil an der Bevölkerung, den Energiereserven, dem Energieverbrauch und der Energieproduktion in Prozent weltweit, 2007Erdöl, Erdgas, Kohle: Anteil an den Reserven weltweit in Prozent
Afrika ist reich an Ressourcen: Vor allem bei Erdöl und Erdgas wird Afrika künftig eine wichtige Rolle spielen. Heute finden sich über 9 Prozent der Erdöl- und gut 8 Prozent der Erdgasreserven auf dem Kontinent.
Für Erdöl wie auch für Erdgas gilt, dass die Produktion in den Ländern Afrikas konstant steigt. In den letzten zehn Jahren ergab sich bei der Gasproduktion ein Plus von rund 90 Prozent: 1997 wurden noch etwa 99 Milliarden Kubikmeter Gas produziert, 2007 waren es rund 190 Milliarden, was 6,5 Prozent der weltweiten Erdgasproduktion entsprach. Die Produktionszunahme beim Erdöl zwischen 1997 (7,7 Millionen Barrel pro Tag) und 2007 (10,3 Millionen Barrel pro Tag) fällt mit 33 Prozent geringer aus. Dennoch waren das in 2007 über 12 Prozent der weltweiten Erdölproduktion.
Afrika: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008Erdöl ist mit 40 Prozent die wichtigste Energiequelle beim Energiemix in Afrika, dann folgen Kohle und Gas. Nuklearenergie spielt so gut wie keine Rolle, nur Südafrika nutzt Atomenergie. Dafür ist jedoch Wasserkraft von Bedeutung, die 2007 mehr als 6 Prozent zum Energiemix beitrug. Andere erneuerbare Energien sind in ihren modernen Nutzungsform kaum von Bedeutung. Biomasse wird intensiv, aber vor allem traditionell genutzt, vor allem dienen Holz und Abfälle zum Kochen und Heizen. Doch Abholzung führt zu Umweltschäden, ebenso ist Kochen und Heizen mit offenem Feuer gesundheitsschädlich.
Neben der Energieproduktion hat auch der Verbrauch zugenommen. Das gilt insbesondere für Südafrika und auch Ägypten, doch im internationalen Vergleich fällt der Verbrauch weiterhin gering aus. 2007 verbrauchte die Bevölkerung Afrikas mit 344 Millionen Tonnen Rohöläquivalent rund 3 Prozent der Primärenergie weltweit; in Afrika leben rund 14 Prozent der Weltbevölkerung. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2005 in Burundi oder Mali gerade einmal bei 1,0 Btu. (British Thermal Unit, entspricht rund 1.000 Joule.) In Südafrika waren es 113, in Libyen 135 Btu. Im Durchschnitt wurden laut EIA im Jahr 2005 in Afrika 16,1 Btu pro Kopf verbraucht, weniger als in allen anderen Kontinenten.
Erdöl
| Erdölreserven und Produktion | Erdölreserven in 1.000 Millionen Barrel | Anteil an den Reserven weltweit | Erdölproduktion in 1.000 Barrel pro Tag | Anteil an der Erdöl- produktion weltweit |
| Libyen | 41,5 | 3,3 % | 1848 | 2,2 % |
| Nigeria | 36,2 | 2,9 % | 2356 | 2,9 % |
| Algerien | 12,3 | 1,0 % | 2000 | 2,2 % |
| Angola | 9,0 | 0,7 % | 1723 | 2,2 % |
| Andere | 18,5 | 1,5 % | 2391 | 2,9 % |
| Gesamt | 117,5 | 9,5 % | 10318 | 12,5 % |
| Erdölverbrauch | Erdölverbrauch in 1.000 Barrel pro Tag | Anteil am Erdölverbrauch weltweit |
| Ägypten | 651 | 0,8 % |
| Südafrika | 549 | 0,7 % |
| Algerien | 270 | 0,3 % |
| Andere | 1485 | 1,8 % |
| Gesamt | 2955 | 3,5 % |
Algerien, Angola, Libyen und Nigeria gehören der OPEC an, der Organisation Erdöl exportierender Länder. Libyen besitzt mit über 35 Prozent die größten Ölreserven Afrikas. Das Land will seine Ölproduktion konstant ausbauen. Libyen konnte in den letzten Jahren seine internationale Isolation nach und nach beenden: 2003 hob die UN ihre Sanktionen gegen Libyen auf, die USA ab 2004. Seitdem wächst das internationale Interesse an Libyens Energiereserven. Der Großteil der Erdölexporte ging 2004 nach Europa: Mit 38 Prozent war Italien Hauptimporteur, Deutschland folgte mit 19 Prozent auf Rang 2. In Libyen selbst trug Erdöl im Jahr 2004 71 Prozent zum Energiemix bei.
Nigeria ist der größte Erdölproduzent Afrikas. Weltweit nimmt das westafrikanische Land laut EIA Platz 12 der Ölproduzenten ein und ist ein wichtiger Netto-Ölexporteur. 2006 ging die Hälfte der Exporte in die USA. Der Ölsektor ist entscheidend für die Wirtschaft Nigerias: Mit dem Rohstoff nimmt das Land über 90 Prozent seiner Devisen ein. Doch jüngst ist die Ölförderung zurückgegangen. Im Niger-Delta kämpfen Rebellen für eine stärkere Beteiligung der einheimischen Bevölkerung an den Gewinnen aus der Öl-Industrie. Regelmäßig kommt es zu Anschlägen auf Förderanlagen oder Pipelines, auch wurden wiederholt Mitarbeiter internationaler Öl-Konzerne gekidnappt. Im Vergleich zum Jahr 2006 ging die Förderquote in 2007 um 4,8 Prozent zurück. In Algerien nimmt die Ölproduktion zu, wenn auch mit Schwankungen. Auch für Algerien sind Öl und Gas entscheidende Wirtschaftsfaktoren. 2006 gingen 35 Prozent des Öls in die USA.
Ebenso finden sich im Sudan, in Gabun und der Republik Kongo wichtige Ölreserven. Nicht zuletzt verfügt auch Ägypten über Erdöl, doch die Produktion nimmt stetig ab. 2007 war erstmals wieder ein Plus zu verzeichnen: 1,4 Prozent mehr als im Vergleich zu 2006. Doch auch der Verbrauch wächst: 2007 lagen Verbrauch und Produktion erstmals fast gleich auf. Hält Ägypten an seinem aktuellen Energiemix fest, wird es langfristig Öl importieren müssen. Südafrika wiederum ist schon jetzt abhängig von Erdölimporten, fast die Hälfte des Ölverbrauchs wird importiert, zum Großteil aus Saudi-Arabien und dem Iran.
Erdgas
| Erdgasre- serven und Produktion |
Erdgasre- serven in Billionen Kubikmeter |
Anteil weltweit | Erdgaspro- duktion in Milliarden Kubikmeter |
Anteil an der Erdgasproduktion weltweit |
| Nigeria | 5,3 | 3,0 % | 35,0 | 1,2 % |
| Algerien | 4,52 | 2,5 % | 83,0 | 2,8 % |
| Ägypten | 2,06 | 1,2 % | 46,5 | 1,6 % |
| Libyen | 1,50 | 0,8 % | 15,2 | 0,5 % |
| Andere | 1,21 | 0,7 % | 10,7 | 0,4 % |
| Gesamt | 14,58 | 8,2 % | 190,4 | 6,5 % |
| Erdgasverbrauch | Erdgasverbrauch in Milliarden Kubikmeter | Anteil am Erdgasverbrauch weltweit |
| Ägypten | 32,0 | 1,1 % |
| Andere | 27,1 | 0,9 % |
| Algerien | 24,4 | 0,8 % |
| Gesamt | 83,5 | 2,8 % |
Nigeria besitzt rund 36 Prozent der Ergasreserven Afrikas und ist damit das erdgasreichste Land. Weltweit rangiert Nigeria auf Rang 7 der erdgasreichsten Länder. Das Land konnte seine Erdgasproduktion in den letzten 10 Jahren um das siebenfache steigern – von rund 5 Milliarden Kubikmeter in 1997 auf 35 in 2007. Zugleich werden in Nigeria nach wie vor Milliarden Kubikmeter Gas bei der Ölförderung abgefackelt. Das bedeutet nicht nur eine Verschwendung des Energieträgers, sondern belastet auch die Umwelt. Zur Gas-Verwertung wären zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur bei der Förderung notwendig.
Nigeria verschifft einen Großteil seines Erdgases als Liquefied Natural Gas (LNG) vor allem nach Spanien, Frankreich und auch die USA. Algerien exportiert sein Gas per Pipeline nach Spanien, vor allem auch nach Italien. Ebenso verschifft Algerien LNG, insbesondere nach Frankreich, Spanien und in die Türkei. Algerien ist der wichtigste Ergasproduzent Afrikas und weltweit der viertgrößte Gasexporteur, so die International Energy Agency (IEA). Auch für Algerien selbst ist Gas von zentraler Bedeutung, das im Jahr 2004 62 Prozent des Energieverbrauchs abdeckte.
Wie für Algerien ist auch für Libyen die Nähe zum Absatzmarkt Europa ein großer Vorteil. Beim Erdgas legt Libyen sowohl bei der Produktion als auch beim Export zu. Das Land konnte in den letzten 10 Jahren seine Produktion verdoppeln. Der Export erfolgt bspw. über die Unterwasserpipeline "Green Stream" nach Italien. Und auch Ägypten konnte in den letzten Jahren seine Gasproduktion enorm steigern – um das Vierfache. Anders als beim Öl expandiert der ägyptische Gasmarkt. Seit 2005 exportiert das Land auch Gas als LNG, vor allem nach Spanien und in die USA.
Kohle
| Kohlereser- ven und Produktion |
Kohlereser- ven in Millionen Tonnen |
Anteil weltweit | Kohleproduktion in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil an der Kohleproduktion weltweit |
| Südafrika | 48000 | 5,7 % | 151,8 | 4,8 % |
| Simbabwe | 502 | 0,1 % | 1,4 | kleiner 0,05 % |
| Andere | 1103 | 0,1 % | 1,1 | kleiner 0,05 % |
| Gesamt | 49605 | 5,8 % | 154,2 | 4,9 % |
| Kohleverbrauch | Kohleverbrauch in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil am Kohleverbrauch weltweit |
| Südafrika | 97,7 | 3,1 % |
| Andere | 6,5 | 0,2 % |
| Ägypten | 0,9 | kleiner 0,05 % |
| Algerien | 0,7 | kleiner 0,05 % |
| Gesamt | 100,9 | 3,3 % |
Rund 97 Prozent der Kohlereserven Afrikas finden sich in Südafrika. Im weltweiten Vergleich verfügt das Land über die sechstgrößten Kohlereserven, vor allem über Steinkohle. Bei der Produktion nimmt Südafrika Platz 5 der weltweiten Rangliste ein. Das Land ist laut IEA der fünftgrößte Exporteur von Steinkohle, die vor allem nach Japan, Spanien und Deutschland geht. 2007 stammten 17 Prozent der Steinkohleimporte in Deutschland aus Südafrika, das damit der zweitwichtigste Importeur war. Südafrika exportiert nicht nur Kohle, sondern nutzt den Rohstoff auch selbst intensiv: 2005 deckte das Land laut EIA rund 75 Prozent seines Energieverbrauchs durch Kohle. Auch in Simbabwe finden sich Kohlereserven, ebenso in Mosambik, wo noch große Kohleressourcen vermutet werden.
Nuklearenergie
Für die Länder Afrikas spielt Nuklearenergie keine zentrale Rolle. Allein Südafrika verfügt seit Anfang der 1980er Jahre über Kernenergie. In Koeberg bei Kapstadt findet sich ein Atomkraftwerk. 2005 trug die Atomenergie 2,8 Prozent zum nationalen Energieverbrauch bei. 2007 wurden in Südafrika rund 13 Terawatt-Stunden Atomstrom verbraucht (1 Terawatt ist gleich eine Billion Watt), das entsprach 0,5 Prozent der Nuklearenergie weltweit.
Erneuerbare Energien
Wasserkraft
| Verbrauch an Elektrizität aus Wasserkraft in Terawatt-Stunden (TWh)* | Anteil weltweit in Prozent | |
| Andere | 79,6 | 2,5 % |
| Ägypten | 12,8 | 0,4 % |
| Südafrika | 5,4 | 0,2 % |
| Algerien | 0,4 | kleiner 0,05 % |
| Gesamt | 98,2 | 3,1 % |
Die Erzeugung von Elektrizität aus Wasserkraft nimmt kontinuierlich zu. 2007 lag der Verbrauch bei rund 98 Terawatt-Stunden, das entspricht 22 Millionen Tonnen Rohöläquivalent. Damit wurden in Afrika 3,1 Prozent der Wasserkraft weltweit verbraucht.
Im Süden Ägyptens liefert der Assuan Staudamm am Nil Wasserkraft: 2005 wurden laut EIA 12 Prozent des Stroms durch Wasserkraft abgedeckt. Die Demokratische Republik Kongo hat zwei Staudämme am Kongo, Inga I und II, die seit 1972 bzw. 1982 in Betrieb sind. Kein Fluss in Afrika führt so viel Wasser mit sich wie der Kongo. Aktuell ist Inga III in Planung und es gibt die Vision eines Riesenstaudamms, Grand Inga. Es wäre das weltgrößte Wasserkraftwerk, das für bis zu einem Drittel der Stromversorgung Afrikas sorgen soll. Doch die Umweltprobleme sind nicht abzuschätzen, ebenso wenig die sozialen Folgen, ganze Dörfer müssten umgesiedelt werden. In Namibia werden 50 Prozent der Elektrizität über Wasserkraft generiert. In der Republik Kongo deckt Wasserkraft sogar 22 Prozent des gesamten Energieverbrauchs, ein neuer Staudamm ist in Planung. Der Ausbau von Wasserkraft bietet sich in vielen Teilen Afrikas an, doch bleibt umstritten, ob kleinere Staudämme sinnvoller sind als der Bau großer Anlagen.
*Verbrauch basiert auf Bruttoerzeugung ohne grenzüberschreitende Lieferungen
Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft)
Sonnen- und Windenergie sowie Geothermie spielen bislang keine nennenswerte Rolle für die Energieversorgung Afrikas. Windkraft wird zum Beispiel in Ägypten genutzt: 2007 wurden 310 Megawatt Windkraftleistung installiert. Eine Steigerung zum Vorjahr um rund 34 Prozent. Auch Marokko setzt Windkraft ein: Im Jahr 2007 wurden 124 Megawatt erzeugt. Insgesamt wurden in Afrika im Jahr 2007 469 Megawatt Windkraftleistung installiert: Das war zwar eine Steigerung um rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch weltweit lag der Anteil bei gerade einmal 0,5 Prozent. Geothermie wird seit wenigen Jahren in Äthiopien genutzt: 2007 wurden 7,3 Megawatt Kraftwerksleistung installiert. In Kenia waren es 127 Megawatt, die per Geothermie erzeugt wurden, ein Anteil von 1,3 Prozent an der weltweit installierten geothermischen Leistung. Vor allem die Solarenergie bleibt ausbaufähig.
Südlich der Sahara nutzen etwa 575 Millionen Menschen Biomasse und zwar traditionell, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Vor allem werden Brennholz wie auch Abfälle zum Kochen und Heizen verwandt. Nachhaltigkeit ist hier per se nicht gegeben: Wälder werden oft irreversibel abgeholzt. Noch dazu führt offenes Feuer zu Gesundheitsschäden.
Alle Tabellen: BP Statistical Review of World Energy June 2008
Quellen
Energy Information Administration, Countryprofiles
»http://eia.doe.gov«
»http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm«
International Energy Agency, Key World Energy Statistics, 2008, PDF (2345 KB)
»http://iea.org/textbase/nppdf/free/2008/key_stats_2008.pdf«
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen
»http://www.erneuerbare-energien.de/files/erneuerbare_energien/
downloads/application/pdf/broschuere_ee_zahlen.pdf«
weitere Inhalte:
- Afrika – die Energiewirtschaft boomt
- Asien – Wirtschaftsboom und globale Energieinteressen
- Das Gesicht der Flüsse im Wandel
- Der Energiebinnenmarkt der EU
- Der globale Energiemarkt: Kooperation statt Konfrontation
- Energie als Ware
- Energiepolitik
- Factsheet Afrika
- Factsheet Kaspischer Raum
- Factsheet Nordamerika
- Factsheet Russland
- Factsheet Südamerika
- Öl hält die Weltwirtschaft am Laufen
- Südamerika – zwischen Überfluss und Knappheit
- Vollständige Versteigerung der Zertifikate dringend notwendig
Publikationen zum Thema

Ende des Atomzeitalters?
Im Jahr 2022 soll das letzte deutsche Kernkraftwerk vom Netz gehen. Die Entscheidung zum Atomaustieg...

Das Energiedilemma
Deutschland in der Zwickmühle: Kann die Erde trotz Atomausstiegs vor dem Klimakollaps gerettet werd...

Erneuerbare Energien
Der weltweite Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt bei drei Prozent. Noch wird d...

Dossier Klimawandel
Bioenergie – im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Klimawandel
Bioenergie ist seit einigen Jahren eine wesentliche Größe unter den erneuerbaren Energien geworden. Die Bioenergieerzeugung hat Potenzial, neue Pflanzensorten versprechen gute Erträge. Aber die drohende Klimaveränderung birgt Gefahren – und Chancen. Weiter...


