Offshore-Windpark nahe Shanghai. Die 102 Mega-Watt Offshore-Anlage wurde Mitte 2010 fertiggestellt und ist die größte in ganz Asien. Die 34 Windturbinen mit jeweils 3 Mega-Watt Leistung können 200.000 Haushalte in Shanghai mit Energie versorgen.

Factsheet Nordamerika

8.10.2008
Die USA, Kanada und Mexiko besitzen umfangreiche Energieressourcen, vor allem beim Erdöl. Zugleich verbrauchen die Länder Nordamerikas fast 26 Prozent des weltweiten Primärenergiekonsums. Mit einer Bevölkerung von rund 441 Millionen Menschen in 2007 entfallen auf die Region 6,7 Prozent der Weltbevölkerung.

Nordamerika: Anteil an der Bevölkerung, den Energiereserven, dem Energieverbrauch und der Energieproduktion in Prozent weltweit, 2007Nordamerika: Anteil an der Bevölkerung, den Energiereserven, dem Energieverbrauch und der Energieproduktion in Prozent weltweit, 2007

Erdöl, Erdgas, Kohle: Anteil an den Energieträgern weltweit in Prozent



Die USA, Kanada und Mexiko besitzen umfangreiche Energieressourcen, vor allem beim Erdöl. Zugleich verbrauchen die Länder Nordamerikas fast 26 Prozent des weltweiten Primärenergiekonsums. Mit einer Bevölkerung von rund 441 Millionen Menschen in 2007 entfallen auf die Region 6,7 Prozent der Weltbevölkerung. In den USA lag laut Energy Information Administration (EIA) der Pro-Kopf-Verbrauch in 2005 bei 340,5 Millionen Btu, in Kanada sogar bei 436,2 Millionen. Damit gehörten die beiden Industrieländer zu den Spitzenreitern beim Pro-Kopf-Verbrauch weltweit. In Mexiko hingegen lag der Verbrauch bei 64,8 Mio Btu. (Die Energieeinheit Btu steht für British Thermal Unit und entspricht rund 1.000 Joule.)

In Nordamerika werden zurzeit 16 Prozent des Erdöls weltweit produziert. Doch die Öl-Produktionsrate geht langsam zurück. 1997 wurden noch 14,2 Millionen Barrel pro Tag produziert, 2007 waren es noch 13,6 Millionen. Der Rückgang hängt vor allem mit der sinkenden Produktionsrate in den USA zusammen.

Nordamerika: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008Nordamerika: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008
Doch zurzeit sind die USA noch der drittgrößte Erdölproduzent weltweit, zugleich jedoch auch einer der größten Verbraucher. Das gilt auch für Gas und Kohle. So sind die USA zwar einer der größten Energieproduzenten weltweit, aber ebenso einer der größten Verbraucher, was sie zum größten Nettoimporteur von Energie gemacht hat. Laut EIA produzierten die USA in 2005 15,1 Prozent der Primärenergie weltweit und verbrauchten 21,8 Prozent der Primärenergie mit einem weltweiten Bevölkerungsanteil von 4,6 Prozent. Bis in die späten 1950er Jahre konnten sich die USA noch selbst ausreichend mit den verschiedenen Energieträgern versorgen: Produktion und Verbrauch lagen gleich auf. In 2007, so EIA, waren 29 Prozent der verbrauchten Energie Netto-Importe. Kanada hingegen ist nicht nur ein ressourcenreiches Land, sondern auch Netto-Exporteur bei Öl, Gas und Kohle.

Erdöl



Erdölreserven und Produktion Erdölreserven in 1.000 Millionen Barrel Anteil an den Reserven weltweit Erdölproduktion in 1.000 Barrel pro Tag Anteil an der Erdöl-
produktion weltweit
USA 29,4 2,4 % 6879 8,0 %
Kanada 27,7 2,2 % 3309 4,1 %
Mexiko 12,2 1,0 % 3477 4,4 %
Gesamt 69,3 5,6 % 13665 16,5 %

Erdölverbrauch Erdölverbrauch in 1.000 Barrel pro Tag Anteil am Erdölverbrauch weltweit
USA 20698 23,9 %
Kanada 2303 2,6 %
Mexiko 2024 2,3 %
Gesamt 25024 28,7 %

Die USA besitzen die größten Erdölreserven Nordamerikas. Obwohl die Produktion nach wie vor höher ist als die der Nachbarstaaten Kanada und Mexiko, nimmt die Rate kontinuierlich ab. 1997 wurden noch 8,2 Millionen Barrel pro Tag produziert. 2007 waren es noch 6,8 Millionen. Trotzdem waren die USA 2007 der drittgrößte Erdölproduzent weltweit – nach Saudi-Arabien und Russland. Auf Platz 6 und 7 folgten Mexiko und Kanada. In Kanada steigt die Ölproduktionsrate konstant: Wurden 1997 noch 2,5 Millionen Barrel pro Tag produziert, waren es 2007 schon 3,3 Millionen. In Mexiko hingegen fällt die Produktionsrate seit 2005: Im Vergleich zum Vorjahr nahm diese um 5,5 Prozent ab und lag bei 3,4 Millionen Barrel pro Tag in 2007. Mexikos Erdölreserven sind in den letzten 20 Jahren stark geschrumpft: 1987 waren es noch 54 Tausend Millionen Barrel, 2007 noch 12.

Der Erdölverbrauch in Nordamerika ist immens. Das gilt vor allem für die USA, die stark abhängig sind vom Öl. 1997 lag der Verbrauch noch bei 18,6 Millionen Barrel pro Tag, in 2007 waren es 20,6 Millionen. Auch in Kanada und Mexiko hat der Verbrauch zugenommen. 2007 war Kanada der achtgrößte Erdölkonsument weltweit, Mexiko belegte Platz 11. Die USA hingegen nahmen sogar den Spitzenplatz ein: 2007 hatte das Land mit 20,6 Millionen Barrel pro Tag den höchsten Erdölverbrauch weltweit. China folgte auf Platz 2 mit einem Verbrauch von 7,8 Millionen. In den USA leben mit rund 302 Millionen Menschen 4,6 Prozent der Weltbevölkerung.

Laut EIA wurden 2007 39 Prozent des Energieverbrauchs in den USA mit Erdöl gedeckt. Ein Großteil des Erdöls ging dabei in den Transportsektor: 2007 waren es 69 Prozent, 1949 waren es noch 54 Prozent. Der Verbrauch durch die Industrie wie auch Privathaushalte ist hingegen rückläufig. Die USA sind in hohem Maße auf Ölimporte angewiesen und waren laut EIA 2006 der größte Netto-Ölimporteur weltweit, Mexiko hingegen war der zehntgrößte Netto-Ölexporteur. Mexiko und Kanada waren 2007 die wichtigsten Öllieferanten für die USA. Kanada deckte 20 Prozent der US-Ölimporte: Damit geht ein Großteil der kanadischen Ölexporte in die USA – dasselbe gilt für Mexiko. Für Mexiko ist der Erdölsektor von zentraler Bedeutung für seine Wirtschaft: 2005 deckte das Land laut EIA 59 Prozent seines Energieverbrauchs durch Öl, und die Gewinne aus dem Öl-Exportgeschäft machten 10 Prozent der Exporteinnahmen insgesamt aus.

Erdgas



Erdgasre-
serven und Produktion
Erdgasre-
serven in Billionen Kubikmeter
Anteil weltweit Erdgaspro-
duktion in Milliarden Kubikmeter
Anteil an der Erdgasproduktion weltweit
USA 5,98 3,4 % 545,9 18,8 %
Kanada 1,63 0,9 % 183,7 6,2 %
Mexiko 0,37 0,2 % 46,2 1,6 %
Gesamt 7,98 4,5 % 775,8 26,6 %

Erdgasverbrauch Erdgasverbrauch in Milliarden Kubikmeter Anteil am Erdgasverbrauch weltweit
USA 652,9 22,6 %
Kanada 94,0 3,2 %
Mexiko 54,1 1,8 %
Gesamt 801,0 27,6 %

Die USA haben die größten Gasreserven in Nordamerika und liegen auf Platz 6 weltweit. Sie sind auch auch ein wichtiger Gasproduzent. Das Land trug 2007 rund 19 Prozent zur Gasproduktion weltweit bei und war damit international der zweitgrößte Gasproduzent, vor Kanada auf Platz 3. Kanada ist hingegen nicht nur ein wichtiger Produzent, sondern auch Exporteur: Laut IEA war Kanada 2006 der zweitgrößte Gasexporteur weltweit.

Die USA sind auf Gasimporte angewiesen, sie waren laut International Energy Agency (IEA) 2006 der größte Gasimporteur. Die USA deckten laut EIA 2007 23 Prozent ihres Energiebedarfs mit Gas. Der Großteil der US-Gasimporte kommt aus Kanada: 2007 lieferte Kanada 82 Prozent der Gasimporte insgesamt. Zugleich nehmen in Kanada die Reserven ab: 1987 verfügte Kanada noch über 2.69 Billionen Kubikmeter Gasreserven, 2007 waren es noch 1.63.

Neben den USA ist auch Mexiko auf Gasimporte angewiesen. Vor allem bei der Stromerzeugung setzt Mexiko zunehmend auf Gas. Laut EIA wurden 2006 rund 32 Prozent des Stroms in Gaskraftwerken erzeugt, 1996 waren es noch 16 Prozent. 2005 trug Erdgas 27 Prozent zum nationalen Energiehaushalt bei.

Kohle



Kohlereser-
ven und Produktion
Kohlereser-
ven in Millionen Tonnen
Anteil weltweit Kohleproduktion in Millionen Tonnen Rohöläquivalent Anteil an der Kohleproduktion weltweit
USA 242721 28,6 % 587,2 18,7 %
Kanada 6578 0,8 % 36,9 1,2 %
Mexiko 1211 0,1 % 5,9 0,2 %
Gesamt 250510 29,6 % 629,9 20,1 %

Kohleverbrauch Kohleverbrauch in Millionen Tonnen Rohöläquivalent Anteil am Kohleverbrauch weltweit
USA 573,7 18,1 %
Kanada 30,4 1,0 %
Mexiko 9,2 0,3 %
Gesamt 613,3 19,3 %

Die USA besitzen knapp 97 Prozent der Kohlereserven in Nordamerika und haben auch weltweit die größten Kohlereserven, vor Russland und China. 2007 waren die USA der zweitgrößte Kohleproduzent weltweit, hinter China. Ein Großteil der Kohle wird in den USA verstromt: Laut EIA wurden 2007 93 Prozent der Kohle zur Elektrizitätserzeugung verwandt; 1949 waren es noch 17 Prozent. Damit wurden im Jahr 2007 49 Prozent des Stroms in Kohlekraftwerken gewonnen. Kohle deckte 2007 rund 22 Prozent des nationalen Energiehaushalts.

Seit den 1960er Jahren nimmt die Kohleproduktion in den USA zwar stetig zu, doch ebenso der Verbrauch. Das führt auch dazu, dass der Export von Kohle seit den 1980er Jahren abnimmt. Bislang lag die Produktion immer über dem Verbrauch, was sich laut EIA 2004 und 2005 erstmals änderte, als beide ausgeglichen waren. In 2006 und 2007 lag die Produktion dann wieder leicht über dem Verbrauch. Dennoch sind die USA ein Netto-Exporteur von Kohle. 2006 waren sie der achtgrößte Netto-Exporteur von Kohle weltweit, Kanada folgte auf Platz 12. In Kanada trug Kohle 2005 12 Prozent zum Energieverbrauch insgesamt bei.

Für Mexiko spielt Kohle keine entscheidende Rolle. 2005 deckte Kohle 6 Prozent des Energiekonsums in Mexiko, zunehmend wird Kohle bei der Stromerzeugung eingesetzt. Da die heimische Produktion nicht ausreicht, ist Mexiko auf Kohleimporte angewiesen.

Nuklearenergie



Nuklearenergie Nuklearenergieverbrauch in Terawatt-Stunden Anteil an der Nuklearenergienutzung weltweit
USA 848,9 30,9 %
Kanada 93,3 3,4 %
Mexiko 10,4 0,4 %
Gesamt 952,7 34,7 %

Die USA sind mit 848,9 Terawatt-Stunden der größte Verbraucher von Atomkraft weltweit, vor Frankreich mit 440,4 Terawatt-Stunden (1 Terawatt ist gleich eine Billion Watt). Die USA verfügten laut EIA 2007 über 104 Atomkraftwerke. In den vergangenen Jahren hat der Bedarf an Atomkraft stetig zugenommen: 1997 lag der Verbrauch in den USA noch bei 661,7 Terawatt-Stunden. 2007 wurden in den USA 19 Prozent des Strombedarfs mit Atomenergie gedeckt, die zweitwichtigste Quelle zur Stromerzeugung nach Kohle.

Auch in Kanada nimmt der Verbrauch an Atomenergie zu, wenn auch mit Schwankungen verbunden. 2005 trug die Nuklearenergie 7 Prozent zum Energiebedarf insgesamt bei. Sie war die zweitwichtigste Quelle zur Stromerzeugung nach Wasserkraft, die aber eindeutig den Großteil beitrug. In Mexiko ist der Verbrauch an Nuklearenergie seit 1997 – mit Schwankungen – hingegen gleichbleibend. Bei der Stromerzeugung hat die Nuklearenergie einen geringen Anteil und steht an Platz drei, hinter Erdöl, Erdgas und Kohle sowie Wasserkraft.

Erneuerbare Energien



  Verbrauch an Elektrizität aus Wasserkraft in Terawatt-Stunden (TWh)* Anteil weltweit in Prozent
USA 250,8 8,0 %
Kanada 368,2 11,7 %
Mexiko 27,1 0,9 %
Gesamt 646,1 20,6 %

Bei der Wasserkraft ist Kanada in Nordamerika führend. Mit 368,2 Terawatt-Stunden ist Kanada der drittgrößte Verbraucher von elektrischer Energie aus Wasserkraft, nach Brasilien und China. Der Großteil des Stroms in Kanada wird durch Wasserkraft gewonnen. 2005 trug Wasserkraft 25 Prozent zum nationalen Energiehaushalt bei. In den USA verliert die Wasserkraft an Bedeutung, wenn auch mit Schwankungen. 2007 lag der Verbrauch bei 250,8 Terawatt-Stunden, 1997 bei 360,1 TWh. In Mexiko gewinnt Elektrizität aus Wasserkraft an Bedeutung, wenn auch nicht kontinuierlich, spielt aber insgesamt eine untergeordnete Rolle.

*Verbrauch basiert auf Bruttoerzeugung ohne grenzüberschreitende Lieferungen

Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft)

In den USA entfielen 2007 laut EIA 7 Prozent des Energieverbrauchs auf erneuerbare Energien. Davon wiederum 36 Prozent auf Wasserkraft. Die Geothermie machte von den 7 nur 5 Prozent aus, doch im weltweiten Vergleich sind die USA hier Vorreiter. 2007 wurden in den USA 30 Prozent der Geothermie weltweit genutzt. Das waren rund 2.936 Megawatt. Mexiko erreichte einen weltweiten Anteil von knapp 10 Prozent: 959 Megawatt.

Bei der installierten Windkraftleistung trugen die USA im Jahr 2007 18 Prozent weltweit bei und waren nach Deutschland der zweitgrößte Erzeuger. Tendenz steigend: 2007 wurden 16.879 Megawatt installiert, 1997 waren es noch 1.611. Auch in Kanada und Mexiko nimmt die Windkraft zu, wenn sie auch bislang weniger Bedeutung hat. Bei der Solarenergie lagen die USA im Jahre 2006 an Platz zwei hinter Deutschland: Sie erreichten mit 624.000 Kilowatt installierter Energie aus Photovoltaik einen Anteil von rund 11 Prozent weltweit. Kanada und Mexiko liegen hier fast gleich auf: Kanada produzierte 20.484 Kilowatt und Mexiko 19.747. Wenn auch in beiden Ländern die Solarenergie zunimmt, ist sie nach wie vor nicht entscheidend. Laut EIA trugen 2005 in Kanada erneuerbare Energien 1 Prozent zum nationalen Energiehaushalt bei, in Mexiko waren es 2 Prozent.

Bei Ethanol-Kraftstoff sind vor allem die USA von Bedeutung. 2007 waren sie der größte Produzent von Ethanol-Kraftstoff: Es wurden 11.957 Tausend Tonnen Rohöläquivalent hergestellt, 46 Prozent des Ethanol-Kraftstoffs weltweit. Damit teilten sich die USA mit Brasilien, das 43 Prozent beitrug, den globalen Ethanol-Kraftstoffmarkt. Kanada verbucht zwar enorme Zuwächse – in 2007 ein Plus von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – , aber produziert erst seit 2004 Ethanol-Kraftstoff.

Quellen

Alle Tabellen: BP Statistical Review of World Energy June 2008

Energy Information Administration, Countryprofiles
»http://eia.doe.gov«
»http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm«

Energy Annual Review 2007, Energy Information Administration, June 2008
»http://www.eia.doe.gov/emeu/aer/contents.html«

International Energy Agency, Key World Energy Statistics, 2007
»http://www.iea.org/Textbase/publications/
free_new_Desc.asp?
PUBS_ID=1199«


 

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