Factsheet Südamerika
8.10.2008
Die Länder Süd- und Zentralamerikas sind für den globalen Weltmarkt vor allem bei den Erdöl- und Erdgasvorkommen von Bedeutung. 9 Prozent der Erdöl- und rund 4 Prozent der Erdgasreserven finden sich in der Region.
Südamerika: Anteil an der Bevölkerung, den Energiereserven, dem Energieverbrauch und der Energieproduktion in Prozent weltweit, 2007Erdöl, Erdgas, Kohle: Anteil an den Reserven weltweit in Prozent
Die Länder Süd- und Zentralamerikas sind für den globalen Weltmarkt vor allem bei den Erdöl- und Erdgasvorkommen von Bedeutung. 9 Prozent der Erdöl- und rund 4 Prozent der Erdgasreserven finden sich in der Region. Doch die Verteilung der Energiereserven innerhalb der Region ist sehr verschieden: Venezuela besitzt mit Abstand die größten Erdöl- und Erdgasfelder; Chile hingegen ist auf Öl- und Gasimporte angewiesen.
Für Erdöl wie auch für Erdgas gilt, dass die Produktion in den Ländern Süd- und Zentralamerikas konstant zunimmt. Vor allem die Gasproduktion ist in der letzten Dekade massiv gestiegen um rund 82 Prozent: 1997 wurden noch 82 Milliarden Kubikmeter Gas produziert, 2007 waren es 150 Milliarden. Damit lag 2007 der Anteil an der weltweiten Erdgasproduktion bei 5,1 Prozent. Die Produktionszunahme beim Erdöl fällt sehr viel geringer aus und liegt bei 2 Prozent zwischen 1997 (6,4 Millionen Barrel pro Tag) und 2007 (6,6 Millionen Barrel pro Tag). Doch Erdöl aus der Region ist auf dem globalen Energiemarkt weiterhin von großer Bedeutung: 2007 lag der Anteil an der weltweiten Erdölproduktion bei 8,5 Prozent.
Süd- und Zentralamerika: Verbrauchs-muster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008
Erdöl
| Reserven und Produktion | Erdölreserven in 1.000 Millionen Barrel | Anteil an den Reserven weltweit | Erdölproduk- tion in 1.000 Barrel pro Tag |
Anteil an der Erdölproduk- tion weltweit |
| Venezuela | 87,0 | 7,0 % | 2613 | 3,4 % |
| Brasilien | 12,6 | 1,0 % | 1833 | 2,3 % |
| Ecuador | 4,3 | 0,3 % | 520 | 0,7 % |
| Argentinien | 2,6 | 0,2 % | 698 | 0,9 % |
| Andere | 4,7 | 0,4 % | 969 | 1,2 % |
| Gesamt | 111,2 | 9,0 % | 6633 | 8,5 % |
| Verbrauch | Erdölverbrauch in 1.000 Barrel pro Tag | Anteil am Verbrauch weltweit |
| Brasilien | 2192 | 2,4 % |
| Venezuela | 596 | 0,7 % |
| Argentinien | 492 | 0,6 % |
| Chile | 342 | 0,4 % |
| Andere | 1871 | 2,2 % |
| Gesamt | 5493 | 6,4 % |
Die Erdölreserven sind innerhalb der Region sehr unterschiedlich verteilt: Venezuela besitzt 78 Prozent der Ölreserven. Das Land war 2007 der zehntgrößte Ölproduzent weltweit. Die tägliche Ölproduktion lag bei 2,6 Millionen Barrel; doch im Vergleich zum Vorjahr ergab sich ein Minus von 7,2 Prozent. Im Gegensatz zu Venezuela besitzt Brasilien zwar nur 11 Prozent der Ölreserven der Region, doch hat das Land eine der höchsten Zuwachsraten als Ölproduzent weltweit. 1997 produzierte das Land 868.000 Barrel Öl pro Tag, 2007 waren es 1.8 Millionen: ein Zuwachs von 108 Prozent.
Zugleich ist Brasiliens Wirtschaft stark abhängig vom Erdöl. 2004 wurden laut Energy Information Administration (EIA) 48 Prozent des Energieverbrauchs mit Erdöl gedeckt. 2007 war Brasilien der neuntgrößte Ölkonsument weltweit. Brasiliens Wirtschaft boomt, außerdem ist das Land mit 188 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste in der Region.
Brasilien importierte 2006 laut EIA Erdöl trotz seiner hohen Produktionsraten, wenn auch in geringem Maße. Doch der Ölimport geht konstant zurück, und Brasilien könnte bald Netto-Exporteur werden. Im Gegensatz zu Brasilien exportiert Venezuela einen Großteil seines Erdöls: 2006 belegte das Land laut EIA Platz 7 auf der weltweiten Rangliste der Netto-Öl-Exporteure. Der Ölsektor ist für die Wirtschaft Venezuelas von zentraler Bedeutung: 2006 wurden 2.1 Millionen Barrel pro Tag exportiert, 1,4 Millionen gingen in die USA. Auch Argentinien gehört zu den Netto-Exporteuren von Öl in der Region. Wenn auch der Export mit 277 Tausend Barrel pro Tag sehr viel geringer ausfällt. Dasselbe gilt für Kolumbien, das 2006 ebenso Netto-Ölexporteur war. Dort nimmt die Ölproduktion jedoch seit den 1990er Jahren ab: 1997 waren es noch 667 Tausend Barrel pro Tag, 2007 noch 561.
Erdgas
| Reserven und Produktion | Erdgasre- serven in Billionen Kubikmeter |
Anteil an den Reserven weltweit | Erdgaspro- duktion in Milliarden Kubikmeter |
Anteil an der Erdgasproduktion weltweit |
| Venezuela | 5,15 | 2,9 % | 28,5 | 1,0 % |
| Bolivien | 0,74 | 0,4 % | 13,5 | 0,5 % |
| Trinidad und Tobago | 0,48 | 0,3 % | 39,0 | 1,3 % |
| Argentinien | 0,44 | 0,2 % | 44,8 | 1,5 % |
| Andere | 0,92 | 0,5 % | 25,1 | 0,8 % |
| Gesamt | 7,73 | 4,4 % | 150,8 | 5,1 % |
| Erdgasverbrauch | Erdgasverbrauch in Milliarden Kubikmeter | Anteil am Verbrauch weltweit |
| Argentinien | 44,1 | 1,5 % |
| Venezuela | 28,5 | 1,0 % |
| Andere | 32,3 | 1,1 % |
| Brasilien | 22,0 | 0,8 % |
| Kolumbien | 7,7 | 0,3 % |
| Gesamt | 134,5 | 4,6 % |
Auch bei den Erdgasreserven liegt Venezuela vorne: Das Land besitzt 67 Prozent der Gasreserven in der Region. Venezuela lag 2007 auf Rang 8 der erdgasreichsten Länder weltweit. Bolivien besitzt knapp 10 Prozent der Erdgasreserven in der Region und gewinnt als Gasproduzent an Fahrt: Waren es 1997 noch knapp 3 Milliarden Kubikmeter, produzierte das Land 2007 über 13 Milliarden Kubikmeter Gas. Bolivien kann in Zukunft eine wichtige Rolle als Gaslieferant in der Region spielen: 2007 lieferte es knapp 10 Milliarden Kubikmeter Gas nach Brasilien.
Doch die wichtigsten Gasproduzenten in der Region sind zurzeit Argentinien und Trinidad und Tobago. Argentinien ist zurzeit der größte Erdgasproduzent in Süd- und Zentralamerika. Lag die Produktion 1997 noch bei 27,4 Milliarden Kubikmeter, waren es 2007 44,8: eine Steigerung von 63 Prozent. Wie im Öl- so gilt auch im Gassektor, dass die Produktion in Venezuela rückläufig ist. Erstmals nahm 2007 die Produktion wieder zu. Im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent.
Vor allem in Brasilien und Argentinien hat der Gasverbrauch in den letzten Jahren stetig zugenommen. 1997 verbrauchte Argentinien noch knapp 29 Milliarden Kubikmeter, 2007 waren es 44 Milliarden – ein Plus von 52 Prozent. 2005 wurden laut EIA 51 Prozent des gesamten Energieverbrauchs durch Gas gedeckt. Gas ist der zentrale Energieträger Argentiniens. In Brasilien wuchs zwar auch der Gaskonsum, von 6 Milliarden Kubikmeter in 1997 auf 22 Milliarden in 2007, doch Gas machte 2006 nur 7 Prozent des gesamten Energiehaushalts aus. Chile hingegen setzte ab Ende der 1990er Jahre verstärkt auf Gas: 1996 deckte Erdgas noch 6 Prozent des Energiebedarfs, 2004 waren es 26 Prozent. Doch Chile hat kaum eigene Gasreserven und ist Nettoimporteur, auch beim Öl. Zurzeit wird Erdgas vor allem aus dem Nachbarland Argentinien importiert.
Kohle
| Reserven und Produktion | Kohlere- serven in Millionen Tonnen |
Anteil an den Reserven weltweit | Kohleproduktion in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil an der Kohleproduktion weltweit |
| Brasilien | 7068 | 0,8 % | 2,2 | 0,1 % |
| Kolumbien | 6959 | 0,8 % | 46,6 | 1,5 % |
| Andere | 1770 | 0,2 % | 0,6 | kleiner 0,05 % |
| Venezuela | 479 | 0,1 % | 5,9 | 0,2 % |
| Gesamt | 16276 | 1,9 % | 55,3 | 1,8 % |
| Kohleverbrauch | Kohleverbrauch in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil an den Reserven weltweit |
| Brasilien | 13,6 | 0,4 % |
| Chile | 3,3 | 0,1 % |
| Kolumbien | 2,6 | 0,1 % |
| Andere | 2,9 | kleiner 0,05 % |
| Gesamt | 22,4 | 0,7 % |
Die Kohlereserven in der Region verteilen sich fast vollständig auf Brasilien und Kolumbien: Auf Brasilien entfallen 43,4 und auf Kolumbien 42,7 Prozent. Weltweit rangiert Brasilien auf Platz 10 der kohlereichsten Länder, direkt gefolgt von Kolumbien. Doch im Vergleich zu Brasilien fördert Kolumbien sehr viel mehr Kohle und war 2007 der elftgrößte Kohleproduzent weltweit. Laut International Energy Agency (IEA) war Kolumbien 2006 der sechstgrößte Exporteur weltweit.
Was den Verbrauch angeht, entfallen rund 61 Prozent des Kohleverbrauchs in der Region auf Brasilien. Trotzdem deckte Kohle in Brasilien laut EIA in 2004 nur 5 Prozent des gesamten Energiebedarfs. Auch im weltweiten Vergleich fällt der Kohleverbrauch Brasiliens relativ gering aus. Auf Kolumbien entfallen innerhalb der Region 12 Prozent des Kohlekonsums. Insgesamt spielt für die Region Kohle keine entscheidende Rolle beim Energieverbrauch.
Nuklearenergie
Für die Länder Süd- und Zentralamerikas spielt Nuklearenergie keine zentrale Rolle. Nur Brasilien und Argentinien verfügen über Atomkraftwerke. In Brasilien wurden 2007 rund 12 und in Argentinien rund 7 Terawatt-Stunden Atomenergie verbraucht (1 Terawatt ist gleich eine Billion Watt). 2004 deckte Brasilien laut EIA 1 Prozent seines Energieverbrauchs durch Atomkraft. Insgesamt wurden in der Region 2007 0,7 Prozent der Nuklearenergie weltweit verbraucht. Doch zurzeit wird in Brasilien wie auch in Argentinien der Ausbau der Nuklearenergie vorangetrieben.
Erneuerbare Energien
Wasserkraft
| Wasserkraft | Wasserkraftverbrauch in Terawatt-Stunden (TWh)* | Anteil weltweit |
| Brasilien | 371,5 | 11,9 % |
| Andere | 138,9 | 4,4 % |
| Venezuela | 83,9 | 2,7 % |
| Kolumbien | 44,5 | 1,4 % |
| Argentinien | 37,7 | 1,2 % |
| Gesamt | 676,5 | 21,6 % |
Für die Region gilt, dass der Verbrauch von Elektrizität aus Wasserkraft und damit auch die Produktion kontinuierlich zunimmt. 2007 lag der Verbrauch bei rund 676 Terawatt-Stunden, das entspricht 153 Millionen Tonnen Rohöläquivalent. Damit wurden in der Region 21,6 Prozent der Wasserkraft weltweit verbraucht. Insbesondere in Brasilien trägt Wasserkraft erheblich zum Stromhaushalt bei: 2007 war das Land nach China der zweitgrößte Produzent weltweit. Brasilien gewann laut EIA 2004 83 Prozent seines Stroms durch Wasserkraft und deckte damit 35 Prozent seines Energieverbrauches insgesamt. Venezuela deckte 2005 74 Prozent seines Elektrizitätsbedarfs durch Wasserkraft, in Kolumbien waren es 2004 31 Prozent. Kolumbien und Venezuela, vor allem aber Brasilien sind durch den hohen Anteil an Elektrizität aus Wasserkraft auf gleichbleibende Regenmengen angewiesen.
Brasilien unterhält gemeinsam mit seinem Nachbarn Paraguay im Grenzgebiet am Fluss Paraná das Itaipú Binacional, zurzeit das leistungsstärkste Wasserkraftwerk mit Staudamm und 14.000 Megawatt Nennleistung. Die beiden Nachbarstaaten teilen sich die gewonnene Elektrizität. Doch Paraguay nutzte 2004 laut EIA nur 16 Prozent für die heimische Wirtschaft und exportierte den Rest nach Brasilien. Weiter den Paraná flussabwärts unterhält Paraguay auch mit Argentinien einen Staudamm plus Wasserkraftwerk. Das Yacyretá hat eine Nennleistung von rund 3.500 Megawatt. Auch hier exportiert Paraguay einen Großteil der gewonnenen Elektrizität und zwar nach Argentinien. Laut IEA war Paraguay 2005 der weltweit drittgrößte Exporteur von Strom, wobei der Großteil durch Wasserkraft gewonnen wurde.
*Verbrauch basiert auf Bruttoerzeugung ohne grenzüberschreitende Lieferungen
Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft)
Im Gegensatz zur Wasserkraft sind Sonnen- und Windenergie sowie Geothermie unbedeutend für die Energieversorgung in Süd- und Zentralamerika. Die Geothermie wird in El Salvador (2007: 204 Megawatt installierte Leistung; 2,1 Prozent weltweit), in Costa Rica (2007: 162,5 Megawatt; 1,7 Prozent weltweit), in Nicaragua (2007: 77,5 Megawatt; 0,8 Prozent weltweit) sowie in Guatemala (2007: 49,5 Megawatt; 0,5 Prozent weltweit) genutzt. Windkraft wird vor allem in Brasilien eingesetzt. 2007 wurden 392 Megawatt installiert, ein Plus zum Vorjahr von rund 70 Prozent. Weltweit lag der Anteil an Windkraft damit bei 0,4 Prozent.
Solarenergie spielt keine nennenswerte Rolle. Anders Ethanol-Kraftstoff, gewonnen aus Zuckerrohr, der vor allem im Transportsektor verwendet wird. Brasilien ist hier ein wichtiger Akteur: 2007 wurden 11.2 Millionen Tonnen Rohöläquivalent produziert. Ein Anteil von 43,4 Prozent weltweit. Laut EIA ist Brasilien weltweit der größte Produzent sowie Exporteur von Ethanol-Kraftstoff. Ein Großteil des Exports geht in die USA. In Brasilien selbst wird Benzin immer auch Ethanol beigemischt, der Anteil schwankt zwischen 20 und 25 Prozent. Auch Kolumbien produziert Ethanol (2007: 142.000 Tonnen Rohöläquivalent; 0,5 Prozent weltweit) sowie Paraguay (2007: 25.000 Tonnen Rohöläquivalent; 0,1 Prozent weltweit).
Quellen
Alle Tabellen: BP Statistical Review of World Energy June 2008
Energy Information Administration, Countryprofiles
»http://eia.doe.gov«
»http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm«
International Energy Agency, Key World Energy Statistics, 2007
»http://www.iea.org/Textbase/publications/
free_new_Desc.asp?PUBS_ID=1199«
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