Factsheet Russland
9.2.2009
Russland verfügt über umfangreiche Rohstoffreserven: Es besitzt die größten Gasreserven und die zweitgrößten Kohlereserven weltweit. Das Land ist für den globalen Energiemarkt von zentraler Bedeutung, vor allem für seine europäischen Nachbarn, die es mit Gas und auch Kohle beliefert. Auch auf dem Ölmarkt fällt Russland als zweitgrößter Ölproduzent ins Gewicht.
Russland: Anteil an der Bevölkerung, den Energiereserven, dem Energieverbrauch und der Energieproduktion in Prozent weltweit, 2007Erdöl, Erdgas, Kohle: Anteil an den Energieträgern weltweit in Prozent
Russland verfügt über umfangreiche Rohstoffreserven: Es besitzt die größten Gasreserven und die zweitgrößten Kohlereserven weltweit. Das Land ist für den globalen Energiemarkt von zentraler Bedeutung, vor allem für seine europäischen Nachbarn, die es mit Gas und auch Kohle beliefert. Auch auf dem Ölmarkt fällt Russland als zweitgrößter Ölproduzent ins Gewicht.
Die entscheidende Energiequelle für Russland ist Erdgas, sowohl für den Export als auch für die eigene Energieversorgung. Das Land war laut International Energy Agency (IEA) in 2007 der größte Gasexporteur und der drittgrößte Exporteur von Steinkohle weltweit; Braunkohle wird kaum grenzüberschreitend gehandelt. Ebenso war Russland laut Energy Information Administration (EIA) in 2006 der zweitgrößte Netto-Ölexporteur, nur Saudi-Arabien fuhr noch mehr Erdöl aus.
Russland: Verbrauchsmuster anhand einzelner Energieträger. Quelle: BP: Statistical Review of World Energy June 2008Erdöl
| Erdölreserven und Produktion | Erdölreserven in 1.000 Millionen Barrel | Anteil an den Reserven weltweit | Erdölproduktion in 1.000 Barrel pro Tag | Anteil an der Erdöl- produktion weltweit |
| Russland | 79,4 | 6,4 % | 9978 | 12,6 % |
| Erdölverbrauch in 2007 |
Erdölverbrauch in 1.000 Barrel pro Tag | Anteil am Erdölverbrauch weltweit |
| Russland | 2699 | 3,2 % |
Russland nimmt Rang 7 der erdölreichsten Länder weltweit ein. Schaut man sich die Produktion von Erdöl an, liegt Russland auf Platz 2, direkt hinter Saudi-Arabien. In den 1980er Jahren überstieg die Ölproduktion Russlands teils die Saudi-Arabiens. 1987 produzierte Russland täglich über 11 Millionen Barrel Öl, Saudi-Arabien 6,1 Millionen Barrel. Ab 1991, im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion, ging Russlands Ölproduktion zurück und erreichte 1996 mit einer Produktion von 6,1 Millionen Barrel einen Tiefststand. In den Jahren danach nahm die Produktion wieder zu: 1997 wurden 6,2 Millionen Barrel Öl pro Tag produziert, 2007 waren es 9,9 Millionen – ein Plus von rund 60 Prozent.
Die größten Erdölfelder finden sich in Westsibirien. Von dort bringt die Druschba-Pipeline Öl nach Westeuropa. In Weißrussland als wichtigem Transitland teilt sich die Druschba-Pipeline in einen nördlichen Abschnitt, der Öl über Polen nach Deutschland bringt. Der südliche Abschnitt beliefert die Ukraine, Ungarn, die Slowakei und Tschechische Republik. Ebenso werden große Mengen russischen Öls verschifft: Dafür ist der Ladehafen Primorsk bei Sankt Petersburg von zentraler Bedeutung. Auch per Bahn wird Öl exportiert und zwar nach China. Zurzeit verhandeln China und Russland jedoch über den Bau einer Öl-Pipeline.
2005 wurden nach Angaben der Europäischen Kommission rund 628 Millionen Tonnen Rohöl in die Europäische Union importiert: Davon kamen rund 30 Prozent aus Russland. Damit war das Land der wichtigste Rohöllieferant, wie auch in den Jahren zuvor. Laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) war Russland 2007 auch für Deutschland der wichtigste Öllieferant mit einem Volumen von insgesamt 33,9 Millionen Tonnen – ein Anteil von knapp 32 Prozent der Erdölimporte insgesamt.
Auf der Verbrauchsseite liegt Russland weltweit auf Rang 5. Es deckte 2007 rund 18 Prozent seines Energieverbrauchs mit Öl. Der aktuelle Ölverbrauch liegt fast auf dem Niveau von 1997. Damals wurden 2,68 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht, 2007 waren es 2,69.
Erdgas
| Erdgasre- serven und Produktion |
Erdgasre- serven in Billionen Kubikmeter |
Anteil weltweit | Erdgaspro- duktion in Milliarden Kubikmeter |
Anteil an der Erdgasproduktion weltweit |
| Russland | 44,65 | 25,2 % | 607,4 | 20,6 % |
| Erdgasverbrauch | Erdgasverbrauch in Milliarden Kubikmeter | Anteil am Erdgasverbrauch weltweit |
| Russland | 438,8 | 15,0 % |
Ein Viertel der weltweiten Gasreserven lagert in Russland, damit ist es das erdgasreichste Land. An zweiter Stelle folgt der Iran, der rund 16 Prozent der Erdgasreserven hält. Die Erdgasproduktion Russlands ist in den vergangenen 10 Jahren um 14 Prozent gestiegen: 1997 wurden noch knapp 533 Milliarden Kubikmeter produziert; 2007 waren es rund 607 Milliarden – ein Anteil von über 20 Prozent an der weltweiten Produktion. Damit war Russland der größte Erdgas-Produzent weltweit.
Russland ist ein bedeutender Gaslieferant. Von 549 Milliarden Kubikmetern Gasimporten per Pipeline weltweit im Jahr 2007 entfielen 147 Milliarden auf Russland – ein Anteil von 27 Prozent. Laut EIA war Deutschland 2007 der größte Abnehmer gefolgt von der Türkei, Italien, Frankreich, der Tschechischen Republik und Polen. Die Länder der Europäischen Union importierten in 2005 rund 290 Milliarden Kubikmeter Erdgas, davon lieferte Russland 45 Prozent und war damit der wichtigste Gaslieferant. Finnland, die Slowakei und Bulgarien sind fast zu 100 Prozent abhängig von russischen Gaslieferungen. Auch für den deutschen Gasverbrauch ist Russland der wichtigste Gasimporteur: 2007 lieferte Russland 37 Prozent des Erdgasaufkommens in Deutschland insgesamt, so die AGEB.
Auch das russische Gas wird zurzeit vor allem in Westsibirien gefördert. Die Jamal-Europa -Pipeline bringt Erdgas über Weißrussland und Polen bis Deutschland. Ebenso bringt die "Brotherhood"-Leitung Gas nach Westeuropa. Die abzweigende "Blue Stream"-Leitung versorgt die Türkei und führt als Unterwasser-Pipeline durch das Schwarze Meer. Geplant ist unter anderem der Bau der 1.200 Kilometer langen North-Stream-Gasleitung, die per Unterwasserröhre durch die Ostsee Gas aus dem russischen Wyborg nach Greifswald bringen soll. Doch der Bau ist umstritten.
Russland ist nicht nur ein wichtiger Gasexporteur, auch die nationale Energieversorgung beruht hauptsächlich auf Gas. 2007 deckte der Rohstoff 57 Prozent des russischen Energieverbrauchs. Das Land ist, nach den USA, der zweitgrößte Gasverbraucher weltweit.
Für den Gas- wie auch für den Ölsektor gilt, dass Investitionen in Fördertechniken aber auch in das teils überalterte Pipelinesystem notwendig sind. Vor allem beim Gas müssen neue Felder erschlossen werden, um den Gasexport aufrechtzuerhalten wie auch den nationalen Gasverbrauch zu decken. In der Barentssee befindet sich das noch nicht erschlossene Schtokman-Gasfeld. Noch größere Gasvorkommen liegen unter der Halbinsel Jamal im Nordpolarmeer. Bei beiden Gasfeldern ist die Erschließung technologisch anspruchsvoll, was Investitionen in Milliardenhöhe voraussetzt.
Kohle
| Kohlereser- ven und Produktion |
Kohlereser- ven in Millionen Tonnen |
Anteil weltweit | Kohleproduktion in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil an der Kohleproduktion weltweit |
| Russland | 157010 | 18,5 % | 148,2 | 4,7 % |
| Kohleverbrauch | Kohleverbrauch in Millionen Tonnen Rohöläquivalent | Anteil an den Reserven weltweit |
| Russland | 94,5 | 3,0 % |
Nach den USA verfügt Russland mit über 18 Prozent über die zweitgrößten Kohlereserven der Welt. Bei der Produktion nimmt das Land Platz 6 ein, ebenso beim Verbrauch. In 2005 importierten die Länder der Europäischen Union über 227.000 Kilotonnen Steinkohle: Davon lieferte Russland 21 Prozent. Nur Südafrika lieferte noch mehr Steinkohle. Vor allem in den letzten Jahren ist der Import aus Russland stark angestiegen, zwischen 2003 und 2005 um rund 81 Prozent.
In Deutschland war Russland der wichtigste Lieferant von Steinkohle: Laut AGEB kamen 19 Prozent der Steinkohleimporte aus Russland, noch vor Südafrika mit 17 Prozent.
Auf der Verbrauchsseite liegt Russland auf Rang 6 weltweit. 2007 deckte Kohle knapp 14 Prozent des Energieverbrauchs im Land.
Nuklearenergie
| Nuklearenergie | Nuklearenergieverbrauch in Terawatt-Stunden | Anteil an der Nuklearenergienutzung weltweit |
| Russland | 159,8 | 5,8 % |
Russland ist der viertgrößte Produzent von Nuklearenergie weltweit. In 2007 wurden knapp 6 Prozent der weltweiten Atomkraft in Russland genutzt. Rund 5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs werden durch Atomkraft gedeckt. In 2007 lag der Anteil von Atomstrom bei knapp 16 Prozent des Stromverbrauchs, so die IEA.
In den letzten 10 Jahren ist der Verbrauch von Nuklearenergie um rund 32 Prozent gestiegen: In 1997 wurden noch 108 Terawatt-Stunden (TWh) verbraucht, in 2007 waren es knapp 160 TWh: Das entspricht rund 36 Millionen Tonnen Rohöläquivalent. Und die Nutzung der Atomkraft soll weiter zunehmen; Russland investiert in den Ausbau. Zurzeit verfügt das Land über 31 Kernkraftwerke, 8 AKWs sind im Bau und weitere 11 in Planung.
Erneuerbare Energien
Wasserkraft
| Verbrauch an Elektrizität aus Wasserkraft in Terawatt-Stunden (TWh)* | Anteil weltweit in Prozent | |
| Russland | 179,0 | 5,7 % |
Wasserkraft ist in Russland eine wichtige ergänzende Energiequelle. Wasserkraft trägt rund 6 Prozent zum Energieverbrauch bei: Der Verbrauch lag 2007 bei 179 Terawatt-Stunden (TWh), das entspricht 40 Millionen Tonnen Rohöläquivalent. Laut IEA deckte Wasserkraft in 2006 knapp 18 Prozent der Stromerzeugung ab. In den vergangenen 10 Jahren hat die Nutzung von Wasserkraft um 12 Prozent zugenommen.
Wichtig für die Erzeugung von Wasserkraft ist der Jenissei, einer der längsten Flüsse Asiens, der durch Sibirien fließt. Hier finden sich der Sajano-Schuschensker und der Krasnojarsker Stausee. Auch entlang der Wolga finden sich verschiedene Stauseen.
*Verbrauch basiert auf Bruttoerzeugung ohne grenzüberschreitende Lieferungen
Erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft)
2007 wurden in Russland 79 Megawatt geothermische Leistung installiert, ein Anteil von 0,8 Prozent der installierten Leistung weltweit. Insgesamt spielen erneuerbare Energien, neben der Geothermie Sonnen- und Windkraft oder Energie aus Biomasse, keine Rolle für die Energieversorgung Russlands. Obwohl das Land hierfür große Potentiale hat. Präsident Dmitri Medwedjew kündigte das erste Förderprogramm in der russischen Geschichte für erneuerbare Energien an, Kritiker bezweifeln die Ernsthaftigkeit des Vorhabens.
Quellen
Alle Tabellen: BP Statistical Review of World Energy June 2008
Energy Information Administration, Countryprofiles
»http://eia.doe.gov«
»http://tonto.eia.doe.gov/country/index.cfm«
International Energy Agency, Key World Energy Statistics, 2008 (PDF-Version: 2345 KB)
»http://www.iea.org/textbase/nppdf/free/2008/
key_stats_2008.pdf«
Arbeitsgemeinschaft für Energiebilanzen, Energieverbrauch im Deutschland im Jahr 2007
»http://www.ag-energiebilanzen.de/«
World Nuclear Association
»http://www.world-nuclear.org/info/reactors.html«
European Commission, Directorate-General Energy and Transport, Energy & Transport : Figures and Main Facts, Statistical Pocket Book 2007
»http://ec.europa.eu/dgs/energy_transport/figures/
pocketbook/2007_en.htm«
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