A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

12.1.2012 | Von:
Prof. Dr. Hermann Sautter

Das Bretton-Woods-System

Widersprüche und Scheitern

Dieses System blieb bis zum Beginn der 1970er Jahre in Kraft. Eines seiner wichtigsten Elemente – das System fester, aber anpassungsfähiger Wechselkurse („adjustable peg“) – verlor seine Gültigkeit, als die USA im Jahre 1971 ihre Verpflichtung formell aufkündigten, die weltweit verfügbaren Dollar-Guthaben bei entsprechender Anforderung anderer Länder in Gold einzulösen, und gleichzeitig ihre Währung abwerteten. Dieser Schritt war unvermeidlich geworden, nachdem die USA in den 1960er Jahren eine inflatorische Politik betrieben hatten und die Dollarbestände außerhalb des Landes so stark angewachsen waren, dass eine Einlösung in Gold faktisch nicht mehr möglich war.

Nicht zuletzt waren es die immanenten Widersprüche des „Bretton Woods-Systems“, die zum Scheitern des „adjustable peg“ führten. Grundsätzlich sind stabile Wechselkurse nicht aufrechtzuerhalten, wenn bei freiem internationalem Zahlungsverkehr die beteiligten Länder eine eigenständige Geldpolitik betreiben wollen und ihre gesamtwirtschaftliche Entwicklung unterschiedlich verläuft.

Weder von ihrer Konvertibilitätsverpflichtung noch von ihrer geldpolitischen Autonomie wollten die Mitgliedsländer des „Bretton Woods“-Abkommens abrücken, so dass die Preisgabe des Systems fester Wechselkurse unvermeidlich wurde. Widersprüchlich war es auch, von den USA als einem Leitwährungsland die Verfolgung einer stabilitätsorientierten Geld- und Fiskalpolitik zu erwarten und zugleich die Liquiditätsversorgung einer wachsenden Weltwirtschaft von den Zahlungsbilanzdefiziten dieses Landes abhängig zu machen. In diesem Konflikt erwies es sich als Illusion, die Aufrechterhaltung der Golddeckung des Dollars – und damit einen festen Wechselkurs - zu erwarten.

Nach dem Ende des festen Wechselkurssystems

Seit Beginn der 1970er Jahre gibt es kein einheitliches System fester Wechselkurse mehr. Gleichwohl sind andere Teile des Bretton-Woods-Abkommens nach wie vor in Kraft, wenn auch in mehrfach veränderter Form. Seine zentrale Rolle bei der Ordnung der internationalen Währungsbeziehungen hat es aber längst eingebüßt. Dies hängt mit der Eigendynamik der geld- und währungspolitischen Liberalisierungen zusammen, die seit den 1970er Jahren vorgenommen worden sind. Um nur einige Beispiele zu nennen: 1986 hob die britische Regierung viele Zulassungsbeschränkungen für Börsengeschäfte auf und begründete damit den Ruf Londons als einem internationalen Finanzzentrum; 1999 beseitigte die US-amerikanische Regierung den „Glass-Steagall-Act“ aus den 1930er Jahren, der es Banken untersagt hatte, gleichzeitig Kredit- und Wertpapiergeschäfte („Investmentbanking“) zu betreiben; 2001 wurde durch die US-amerikanische Börsenaufsicht der computergesteuerte Hochgeschwindigkeitshandel mit Wertpapieren ermöglicht usw.

Die internationalen Währungsbeziehungen wurden infolge dieser und vieler anderer Liberalisierungsschritte immer stärker durch Märkte und immer weniger durch Zentralbanken und Regierungen gesteuert. Einen international verbindlichen Ordnungsrahmen für dieses Marktgeschehen gibt es bisher nicht. Das Bretton-Woods-Abkommen war nicht zum Zweck einer Regulierung privater Kapitalmärkte geschaffen worden und es konnte dem Ordnungsbedarf eines marktgesteuerten Weltwährungssystems auch nicht in der erforderlichen Weise angepasst werden.

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