A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

16.1.2012 | Von:
Prof. Dr. Klaus-Peter Kruber

Internationaler Währungsfonds und Weltbankgruppe

Die Weltbank-Gruppe

The World Bank headquarters, Wednesday, Aug. 4, 2004, in Washington. There are at least 33 outdoor closed circuit video cameras at street or roof level that overlook streets or parks, abutting the World Bank and International Monetary Fund complex. On the rooftop of the building on the left are two video cameras. (AP Photo/Lawrence Jackson)Die Zentrale der Weltbank in Washington. (© AP)
Auch die Weltbank wurde 1944 in Bretton Woods als Sonderorganisation der UNO gegründet. Auch sie hat ihren Sitz in Washington (DC). Aufgabe der Weltbank war zunächst die finanzielle Unterstützung des Wiederaufbaus der vom Krieg zerstörten westeuropäischen Staaten. Heute obliegt ihr die Förderung von Entwicklungsländern. Die Weltbank-Gruppe umfasst fünf Organisationen:





  • Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development, IBRD),
  • Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Agency, IDA),
  • Internationale Finanz-Corporation (IFC),
  • Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency, MIGA),
  • Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International Centre for Settlement of Investment Disputes, ICSID).


Gemeinsames Ziel der Weltbankgruppe ist wirtschaftliche Hilfe für Entwicklungsländer durch finanzielle Unterstützung, Investitionsförderung und fachliche Beratung. Die IBRD vergibt langfristige Kredite zu marktnahen Konditionen. Die IDA unterstützt vor allem die ärmsten Entwicklungsländer: Aus Entwicklungshilfegeldern der wohlhabenden Mitgliedsstaaten finanziert sie zinslose Darlehen und Zuschüsse für Investitionsprojekte. Die IFC fördert insbesondere Projekte im privaten Sektor von Entwicklungsländern, und die MIGA dient zur Absicherung von Investitionsrisiken für ausländische Investoren in Entwicklungsländern. 2008 hat die Weltbankgruppe insgesamt Kredite, Zuschüsse, Beteiligungen und Investitionen in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar an Entwicklungsländer und private Investoren vergeben. Ihr jährlich erscheinender Weltentwicklungsbericht (World Development Report) ist eine wichtige Quelle zur Entwicklungshilfepolitik.

Organe der IBRD (wie auch der anderen Institutionen) sind der Gouverneursrat aus Regierungsvertretern der Mitgliedsländer, das Exekutivkomitee und der Präsident der Weltbank (seit Juli 2012 der US-Amerikaner Jim Yong Kim). Die Stimmrechte im Gouverneursrat richten sich nach den Kapitalanteilen der Mitgliedsstaaten (USA 15,85 %, Japan 6,84 %, China 4,42, %, Deutschland 4 %, Großbritannien und Frankreich je 3,75 %). Die Kapitalgeber haben sich auch in dieser Organisation maßgeblichen Einfluss (Sperrminorität 15 %) gesichert.

Die Weltbank-Gruppe ist heute die wichtigste Einrichtung multilateraler staatlicher Entwicklungshilfe. Kritiker bemängeln die Dominanz der Kredit gebenden Industrieländer. Nach ihrer Meinung dienten die Kredite, Investitions- oder Rohstoffprojekte häufig eher der Markterschließung oder Rohstoffversorgung für die Industrieländer als den Interessen der Bevölkerung in den Entwicklungsländern. Insbesondere habe die Weltbank die Förderung der einheimischen Landwirtschaft und der ländlichen Strukturen vernachlässigt. In Zukunft solle (noch) stärker darauf geachtet werden, dass Arbeitsplätze entstehen und die Grundversorgung der Bevölkerung verbessert werde. Auch das Kriterium „gute Regierungsführung“ solle bei der Projektauswahl eine stärkere Rolle spielen.

Weitere Informationen zu IWF: www.imf.org und Weltbank: www.worldbank.org.

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