A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

13.2.2012 | Von:
Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte

Geld als Warengutschein

Grundlage der Finanzwirtschaft ist das Geld. Eigentlich wertloses Papier, ist es doch wertvolles Zahlungsmittel. Der Grundlagentext beschreibt die Funktion des Geldes und die schwierige Aufgabe seine Umlaufmenge im Gleichgewicht zu halten.

Euro-Scheine werden am 13.12.2012 in Osnabrück (Niedersachsen) aus einem Geldautomat gezogen. Das Weihnachtsgeschäft ist 10 Tage vor dem heiligen Fest in vollem Gange.Die Euro-Scheine, die man am Geldautomaten bekommt, sind nur ein kleiner Teil des Geldes, das im Umlauf ist. (© picture-alliance/dpa, Friso Gentsch)

Wenn man das Wirtschaftssystem als einen Organismus ansieht, dann ist Geld das Blut, das durch Adern und Venen pulsiert. Geld ist eine der großen Erfindungen moderner Wirtschaftssysteme. Seit die Menschen arbeitsteilig produzieren, müssen sie auch miteinander tauschen. Der Austausch Produkt gegen Produkt ist aber sehr mühsam. Die Produkte sind unterschiedlich viel wert und nicht immer will derjenige, der ein Produkt anbietet, genau das haben, was der andere dagegen tauschen könnte.

Um dieses Verfahren zu erleichtern und um auch mal einen Wert speichern zu können (also etwas weggeben, ohne sofort etwas dafür zu tauschen), suchte man nach einem universalen Tauschmittel, das bestimmte Eigenschaften aufweisen sollte: Es musste allgemein anerkannt sein und sich gut aufbewahren lassen. Es ist ja offensichtlich, dass Erdbeeren kein gutes Zahlungsmittel sind, weil sie innerhalb weniger Tage verfaulen. Außerdem musste sich das Tauschmittel teilen und auch transportieren lassen. Schließlich musste es in seinem Umlauf begrenzt sein, das heißt, es musste gegen Fälschungen (und damit beliebige Vermehrungen) gesichert sein.

Es zeigte sich im Laufe der Geschichte, dass Münzen diese Anforderungen am besten erfüllten. Sie waren meist aus Edelmetall und hatten dadurch einen bestimmten Wert, oder der Wert waren ihnen aufgeprägt. Im Mittelalter wurden die Münzen dann durch Papiergeld ergänzt. Ursprünglich war dieses Papiergeld nichts anderes als ein Depotschein für hinterlegte Münzen. Die Geldscheine, die sich dadurch als praktisches Zahlungsmittel herausgebildet haben, sind stoffwertlos, das heißt, sie haben keinen eigenen Gebrauchswert, sie verfügen nur über einen Tauschwert. (Mit Gold und Silber kann man ja noch einiges Praktische anfangen.) Durch die Einführung des Geldes war es möglich, alles gegen alles zu handeln, der Wert konnte aufbewahrt (gespart) werden und es gab eine gemeinsame Größe, in der sich der Wert aller Produkte miteinander vergleichen ließ, egal ob es sich um einen Liter Milch oder um einen Teppich handelt.

Geld ist ein universaler Warenscheck - das macht es so interessant

Ob man in Urlaub fahren oder sich ein Bücherregal kaufen will, ob man einen Computer sein eigen nennen möchte oder eine Pizza: Immer braucht man Geld. Das meiste Geld, das wir ausgeben, sehen wir allerdings nie. Es erscheint als Einnahme (z.B. als Gehaltszahlung) auf unserem Kontoauszug und geht als Ausgabe (z.B. für die Miete) wieder runter. Dieses sogenannte Buchgeld (im Gegensatz zum Bargeld) spielt in modernen Gesellschaften eine immer größere Rolle, gezahlt wird per Überweisung oder mit „Plastik“, also per Kredit- oder Maestro-Karte.

Wenn Geld ein Warenscheck ist, ist es wichtig, dass dieser auch gedeckt ist. Das Papiergeld ist ja nicht aus sich heraus wertvoll (es ist nur ein Stück bedruckten Papiers), sondern als „Bezugsschein“ für Waren. Falls diese nicht zur Verfügung stehen, ist das Geld wertlos. In einer solchen Situation, wie wir sie auch in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten, findet wieder der Tausch Ware gegen Ware statt, es sei denn, es bildet sich eine andere Währung heraus, die allgemein akzeptiert ist. Das waren vor der Währungsreform 1948 beispielsweise Zigaretten oder Nylonstrümpfe. Es muss also genauso viel Geld geben wie Waren. Steigt der Geldumlauf, ohne dass mehr Waren angeboten werden, werden diese teurer, das heißt, das Verhältnis zwischen Ware und Geld pendelt sich auf einem höheren Preisniveau wieder ein, es kommt zur Inflation. Kommen mehr Waren auf den Markt, ohne dass es einen Zuwachs an Geld gibt, wird das Geld immer knapper, die Preise sinken also, das nennt man Deflation.

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