A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

13.2.2012 | Von:
Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte

Geld als Ware

Das klassische Bankgeschäft funktioniert im Grunde ganz einfach. In den letzten zehn bis 15 Jahren ist dieses „langweilige“ Geschäft jedoch durch neue Finanzprodukte aufgemischt worden - mit gravierenden Folgen.

Ein Mitarbeiter zeigt am Donnerstag, 11. November 2004, in einer Wechselstube in Frankfurt am Main Euro- und Dollarscheine. Am Vortag hatte der Euro ein Rekordhoch von 1,3007 US Dollar erreicht. (AP Photo/Michael Probst)Euro- und Dollarnoten (© AP)

Durch die Kredite sowohl an Unternehmen, Staaten und auch an Privatpersonen wird Geld selbst zur Ware. Einfach gesagt: Bäckereien handeln mit Brot, Banken handeln mit Geld.

Das klassische Bankgeschäft funktioniert dabei im Grunde ganz einfach: Menschen, die Geld übrig haben, bringen es zur Bank und die verleiht es an andere, die Geld benötigen. Die Bank lebt von der Zinsdifferenz, die gibt dem Sparer beispielsweise 2 Prozent Zinsen und kassiert von dem Kreditnehmer 6 Prozent.

In den letzten zehn bis 15 Jahren ist dieses „langweilige“ Geschäft jedoch durch neue Finanzprodukte aufgemischt worden. So haben Banken ihre Schulden, die zum Beispiel Hausbesitzer in Form von Hypotheken bei ihnen hatten, „strukturiert“ und als Geldanlage an andere weiter verkauft. Diese Geldanlagen wurden oftmals noch einmal (und noch einmal) strukturiert, das heißt neu gemischt, und wiederum als Geldanlage angeboten. Zum Schluss war (und ist) ein Vielfaches der eigentlichen Schulden als Anlage im Umlauf und keiner weiß mehr genau, was an realem Wert eigentlich in seinem Papier steckt, wie führende Banker und auch Finanzpolitiker zugegeben haben.

Wenn es dann noch geschieht, dass die, die die Schulden ursprünglich aufgenommen haben, diese nicht zurück zahlen können, platzt die ganze Blase. Genau das ist 2007 in den USA geschehen. Die „subprime credits“ vieler, die sich mit Hilfe geliehenen Geldes ein Haus gekauft hatten, das sie mit ihrem Einkommen nicht bezahlen konnten, platzten und konnten über den Wert der nunmehr oftmals zwangsversteigerten Häuser auch nicht aufgefangen werden, das die Immobilienpreise nicht wie vorhergesehen stiegen, sondern sanken.

Außenansicht einer Filiale der Hypo Real Estate Bank, aufgenommen am 5. Oktober 2008 in Berlin.Mittlerweile verstaatlicht: die Hypo Real Estate (© AP)
Von dieser amerikanischen Immobilienkrise wurden auch große Teile des europäischen Finanzsystems, dessen Banken auch die „tollen Geldanlagen“ gekauft hatten, in Mitleidenschaft gezogen. Es bestand die Gefahr, dass bei uns Banken zusammenbrechen, so dass diese wiederum vom Staat gestützt werden mussten – wodurch sich die Staatsverschuldung deutlich erhöht hat. Ein besonders negatives Beispiel in Deutschland ist die Hypo Real Estate Bank, die mit einem dreistelligen Milliardenbetrag gestützt werden musste und mittlerweile verstaatlicht worden ist.

Eine andere Form des Geldhandels sind die „Credit Default Swaps“ (CDS), mit denen es möglich ist, sich gegen ein Risiko zu versichern. Das ist eigentlich sinnvoll. Man kauft Aktien oder Staatsanleihen und versichert sich gleichzeitig gegen deren Wertverlust – genau wie man für sein Haus eine Feuerversicherung abschließt. Allerdings sind die CDS wiederum eigene Wertpapiere, die auch erworben und gehandelt werden können, ohne dass man das Risiko, das sie versichern überhaupt hat. Anders gesagt: Man kann eine Feuerversicherung auf ein Haus abschließen, das einem gar nicht gehört. Brennt das Haus dann ab, erhält man die Versicherungssumme, obwohl einem gar kein Schaden entstanden ist. Wer solche CDS ohne das versicherte Risiko erwirbt, tut es in der Hoffnung, dass der versicherte Schaden eintritt – und hilft mit eigener Spekulation nach. Einer der erfolgreichsten Geldanleger und reichsten Amerikaner, Warren Buffett, hat die CDS daher „Brandbeschleuniger“ genannt.

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